Beruferoulette

Hauptsache keine Eiweißshakes

Wer schön sein will, muss leiden. Aber es reicht eben nicht aus einmal monatlich zehn Minuten die staubbesessenen Hanteln hochzuheben. Richtige Menschen gehen ins Fitti. Vielleicht landen sie bei Personal Trainer Oliver Brunsch (24) und schwitzen unter Reizstrom. Ein Besuch im Bodystreet-Studio.

06. Juli 2018 - 12:48
SPIESSER-Autor Kalendermensch.
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Kalendermensch Offline
Beigetreten: 14.12.2015

Es ist ein Kampf mit dem inneren Schweinehund. Mein Papa hat mir schon oft Gutscheine für Probesessions im Fitnessstudio mitgebracht. Ich war fest entschlossen diese zu nutzen. Bis jetzt kam es nie dazu. Ein Fitnessstudio, das steht im Zusammenhang mit großer Überwindung. Mich für ein Interview mit einem Fitnessökonom zu motivieren, fällt mir dagegen unsagbar leicht.

Ein Februartag, kurz vor 14 Uhr. Ich bin bei Bodystreet Dresden-Mitte. Sagte mir der Name vorher gar nichts, bin ich mittlerweile auf dem Stand, dass es zu den schnellstwachsenden Studios in ganz Europa gehört. Ich bin verabredet mit dem Studioleiter, aber so heißt hier keiner mehr. Der Studio-, Achtung, manager Oliver Brunsch empfängt mich in legeren Trainingsklamotten und erfüllt das Klischee: Der 24-Jährige ist ein Muskelpaket. Und mir sofort sympathisch. Er nimmt mich mit in ein Vorstellungsgespräch. Da wird es glasklar: Bodystreet überzeugt mit einem spannenden Konzept, weil es auf Elektromuskelstimulation (EMS) setzt. Die Kunden tragen eine Weste aus Elektroden. Bei jeder Übung wird zusätzlich ein entsprechender elektrischer Impuls von außen gesetzt. Der Muskel erfährt so eine noch effektivere Reizsetzung. Effektivität hoch, 20 Minuten Training wöchentlich reichen aus. „Mich hat diese Methode besonders angesprochen“, erzählt mir Oliver, als ich ihn zu seinen Motivationen befrage. Wirtschaftswissenschaften schmiss er aufgrund überbordender Theorie hin und entschied sich für das Fitnessökonomie-Studium. Dieses läuft hier als klar strukturiertes, dreieinhalbjähriges Bachelorstudium. „Von Fitness- und Trainingslehre über BWL bis hin zu Servicemanagement ist alles dabei – auch praktisch“, beschreibt Oliver. Diese Vielfältigkeit öffnet die Türen für eine ebenso breite Palette an Berufschancen. 


„Wenn die Kunden das Studio mit einem Lächeln verlassen, dann weiß ich, dass es keinen schöneren Beruf gibt.“

Der Kunde ist König

Oliver blieb Bodystreet treu und baute das Studio Dresden-Mitte mit auf. Seit November 2016 leitet er es. Am Anfang war auch Oliver Personal-Trainer, betreute die Kunden individuell. Was nach totaler Tristesse klingt, ist etwas anderes. In einem Bodystreet-Studio gibt es nur zwei Trainingsgeräte. Heißt: es können nur zwei Personen zur selben Zeit trainieren. Ein Indikator für intensiven Kundenkontakt, der bei Bodystreet integral ist. Durch wöchentliche Trainings ist jeder Trainer über jeden Kunden sattelfest. Nebenbei müssen Termine vereinbart, Kunden beraten oder der Putzlappen geschwungen werden. Oliver schreibt darüber hinaus auch noch die Dienstpläne. Während wir da so sitzen, er mir Fitnessökonomie näherbringt, kann ich zwischen den Zeilen Integrität heraushören. Seine durchweg lächelnden Mitarbeiter hat er teilweise selber großgezogen. Er ist dafür verantwortlich, dass andere jetzt Verantwortung übernehmen. Das Team funktioniert. Ihre Arbeit macht spürbar Spaß. Im Studio, das nur 100 Quadratmeter groß ist, herrscht eine angenehme Atmosphäre. Die Kunden kämen gerne, so Oliver.

Zukunft gesichert

„Ich bin mir relativ sicher, dass ich mit 40 nicht mehr in dieser Branche arbeiten will oder kann“, meint Oliver zum Abschluss. Das vielumfassende Studium zahlt sich aus. Es gäbe genug Bereiche, in denen er arbeiten könne. Später. Momentan ist er Studiomanager mit Leib und Seele. „Wenn die Kunden das Studio mit einem Lächeln verlassen,“, schildert Oliver, „dann weiß ich, dass es keinen schöneren Beruf gibt.“ Beim Verlassen des Studios leuchtet es mir ein: Fitnessökonomie ist weit mehr als nur das Mixen von Eiweißshakes.

Fitnessökonom / Personal Trainer bei Bodystreet
Dein Traumjob, denn du …
• bist sportaffin
• hast Lust in einem coolen Team zu arbeiten
• zeigst Freude im Umgang mit Menschen

Das gehört dazu:
• Selbstständigkeit
• Aufgeschlossenheit
• auch mal die Umkleiden reinigen
• ein Gewicht von nicht mehr als 100 Kilo ist wünschenswert

Wie du es wirst:
•Bachelor-Studium der Fitnessökonomie
• duale Ausbildung
• viel Eigenverantwortung übernehmen

Einstiegsgehalt:
• meist ab 2.000 Euro aufwärts

Text: Vincent Koch
Fotos: Matthias Popp

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