Reisen & Auslandserfahrungen

Heimat ist dort, wo man keinen Adapter braucht

Über das Reisen gibt es viele Zitate. Eines, das mir besonders gut gefällt ist: „Reisen ist das Einzige, was man kauft, das einen reicher macht.“

28. Juni 2017 - 14:26
SPIESSER-Autorin Kim Klebolte.
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Kim Klebolte Offline
Beigetreten: 20.11.2011

Doch auch der rein ökonomische Aspekt des Reisens steht heute immer mehr im Vordergrund. Die Generation Y wächst mit Auslandssemestern und Gap Years auf und kann eine Mobilität genießen, die keine andere Generation vor Ihnen so intensiv hatte. Immer häufiger liest man in den Medien, dass wir Brücken bauen sollen, keine Mauern und dass Reisen den Charakter prägt und den Horizont erweitert. Aber was heißt das eigentlich genau? Den Horizont erweitern? Neue Kulturen kennenlernen? Und wie verändert einen das Reisen?

ZIELLAND: Amerika, Armenien, Ägypten, Belgien, China, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Großbritannien, Irland, Italien, Kanada, Lettland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn, Vatikanstadt, Vereinigte Arabische Emirate
GRUND: Studienbezogene Reisen, Veranstaltungen (Europäisches Jugendparlament, Model United Nations Konferenzen), Reisen
DAUER: 2 Wochen bis 6 Monate
DAS HABE ICH GELERNT: Flexibilität ist das A&O!

Wenn ich ans Reisen denke, kommen mir vor allem die diversen skurrilen Situationen in den Kopf. Ich merke plötzlich, dass ich in Schweden nicht mehr mit kanadischen Dollar zahlen kann, die gerade noch im Rucksack sind. Man redet mit der Security in Düsseldorf am Flughafen auf Englisch, bis man seinen Reisepass vorzeigt und der Beamte verwirrt guckt und nur meint: „Aber Sie können doch auch Deutsch?“ Ich war so stolz in China zumindest „Bitte“ und „Danke“ auf Mandarin aussprechen zu können (wohlgemerkt erst nach zwei Wochen!), dass ich es auch in Amsterdam am Flughafen noch hinter jeden zweiten Satz von mir anhängte – sehr zur Verwirrung der Menschen, die mich umgaben.

Meine Freunde fragen mittlerweile nicht mehr direkt, wie es mir geht, sondern wie spät es gerade dort ist, wo ich bin. Internationale Steckdosen und Zeitzonen kenne ich besser als die Buslinien in meiner Heimat. Eins darf man aber nicht vergessen: Zum Reisen gehören nicht nur die tollen Strandbilder auf Facebook, sondern auch das ewige Warten an Flughäfen, die verzweifelte Suche nach dem nächsten WLAN, um kurz Zuhause Bescheid zu geben, dass alles okay ist, diverse Kommunikationshürden und die Zeit, die man von Freunden und der Familie getrennt ist.

Aber nachdem ich mir dessen bewusst war, gab es für mich nichts Schöneres, als in meinen Reisepass zu gucken und die Einreisestempel zu zählen. Jede Reise war besonders und egal wie schwierig es manchmal auch war, es war den Aufwand wert, denn wie im Eingangszitat schon gesagt: Neue Länder zu entdecken, die eigene Komfortzone zu verlassen und Freunde auf der ganzen Welt zu finden, ist unheimlich bereichernd und das möchte ich gegen nichts in dieser Welt eintauschen.

Ein Gefühl steht bei all diesen Erfahrungen sicherlich im Vordergrund: Ich fühle mich verbunden. Zur Welt. Wenn in den Nachrichten eine Stadt erwähnt wird, in der ich schon mal war, dann überlege ich sofort, wen ich dort kenne und viele Bilder kommen mir wieder in den Kopf. Auf einmal interessiere ich mich noch mehr für die Weltpolitik, weil es eben nicht mehr fern erscheint, sondern ganz nah.


Pinguinstrand, Südafrika. Foto: Kimberly Klebolte

Eine Sache habe ich aber auch gelernt: Entspannter zu werden und die eigene Kultur zu reflektieren. Nur weil wir Deutschen gerne schon zehn Minuten vor Terminbeginn bereit sind und warten, heißt das noch lange nicht, dass es andere Menschen genau so sehen. Während wir Deutschen gerne sofort auf den Punkt kommen und Small Talk als etwas Notwendiges aber Unnützes ansehen, kann man sich in anderen Ländern ohne weiteres stundenlang über Gott und die Welt, das Wetter und die letzte Mahlzeit unterhalten. Nicht alles, was wir in Deutschland machen, ist auch automatisch richtig, nur weil wir damit groß geworden sind. In unserem Land gibt es Spielregeln des Miteinanders, wie in jedem anderen Land dieser Welt auch.

Von anderen Kulturen können wir viel lernen und manchmal tut es auch uns gut, nicht nur an unseren eigenen Regeln und Sitten festzuhalten. Ob ich dann – ganz im Südafrika-Stil – trotzdem über jede rote Ampel gehen muss, kann ich ja immer noch für mich entscheiden.

 

Text und Fotos: Kimberly Klebolte
Teaserbild: Anchorage, Alaska

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