Beruferoulette

HEP, HEP, HURRA!

Sie helfen dort, wo sie dringend gebraucht werden: Heilerziehungspfleger (HEP) betreuen und unterstützen Menschen jeden Alters mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. SPIESSER-Autorin Jana wollte mehr über den Beruf wissen und hat Domenic (25) auf der Arbeit besucht.

16. Dezember 2016 - 09:24
SPIESSER-Autorin Jana Türlich.
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Jana Türlich Offline
Beigetreten: 19.01.2013

Als ich in der schulvorbereitenden Einrichtung der Lebenshilfe ankomme und die Tür zur Froschgruppe öffne, packt mich sofort ein kleiner Junge und drückt mir zwei Knetklumpen in die Hand. „Das ist Pizza, davon musst du hunderttausend essen“, sagt er. Ich erwidere nur: „Trifft sich gut, ich habe noch nichts gegessen.“

Domenic arbeitet hier seit vier Jahren mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren, die eine geistige Behinderung haben oder in ihrer Entwicklung zurückliegen. Meist haben die Kinder auch noch beeinträchtigte Sinne oder weisen Verhaltensstörungen auf. Als Heilerziehungspfleger kann man auch in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung, Pflegeheimen sowie bei ambulanten Diensten arbeiten. Dabei geht es immer darum, individuell auf sie einzugehen, sie zu fördern und zu integrieren, erklärt mir Domenic.

Er ist verantwortlich für die Gruppe und das ist manchmal gar nicht so easy. Wenn einem Kind etwas passiert, ist er zuständig. Außerdem muss er auch einiges planen: Jeder Wochentag hat ein Motto. Montags wird Sport gemacht, Dienstag ein Ausflug, Mittwoch Hauswirtschaft und Freitag gespielt. Heute, am Donnerstag, ist Kreativtag, deswegen werden fleißig Kürbisse angemalt. „Ich mag meinen gelb anmalen“, sagt ein Kind und pinselt sich die ganze Farbe ins Gesicht. Am Ende stehen da viele bunte Kürbisse und viele bunte Kinder, die sich noch schnell abwaschen müssen, bevor es mit Fahrrädern und Bobby Cars an die frische Luft geht.

Heilerziehungspfleger
Dein Traumjob, denn du …
• liebst den Kontakt zu Menschen
• hilfst gern anderen
• suchst einen vielseitigen Job, bei dem du selbst Spaß hast

Das gehört dazu:
• Einfühlungsvermögen
• Geduld
• Verantwortungsbewusstsein
• psychische Stabilität

Wie du es wirst:
• Mittlere Reife
• Duale Ausbildung an der Fachschule und in Praktikumsbetrieben

Einstiegsgehalt:
• 1600€ - 2500€ (brutto)

„Man bekommt so viel zurück“

Domenic ist die ganze Zeit beschäftigt: Immer wieder zieht jemand an seinem Ärmel, fällt hin oder rennt weg. „Ich kann den Kindern nicht sagen: Heute kommt jemand zu Besuch, benehmt euch. Und das ist genau das, was ich an meinem Job so liebe: Dass man direkt mit Menschen arbeitet. Man bekommt einfach so viel zurück und das stärkt auch das eigene Selbstbewusstsein“, sagt er, bevor er sich einen Cityroller schnappt und ein Wettfahren mit den Kindern startet. „Weg da“, schreit ein Junge auf einem Bobbycar und rast auf mich zu. Lachend renne ich mit Block und Kamera in der Hand durch den Hof, hinter mir eine Horde Kinder auf Fahrzeugen.

Drinnen gibt es noch Tee mit Brot und Apfel, dann ist der Tag auch schon vorbei. Domenic zieht den Kindern Jacken und Schuhe an und ich sehe, wie gerne er seine Arbeit mag. Dabei war sein erster Kontakt mit dem Beruf eher unfreiwillig. „Mein Papa hat das vorgeschlagen, weil ich so ein schlimmes Kind war“, lacht er. „Dann habe ich hier bei der Lebenshilfe ein Praktikum gemacht und das hat mir so gut gefallen, dass ich sofort wusste: Ich will Heilerziehungspfleger werden. Ich habe nie darüber nachgedacht, was anderes zu machen und wüsste nicht, was sonst so viel Spaß macht!“

Wir bringen die Kinder noch zum Bus und ich merke, dass so ein Tag doch sehr anstrengend ist. Dann denke ich daran, wie mich ein Junge beim Verabschieden mit großen Augen gefragt hat, wann ich wiederkomme, schaue auf meinen Notizblock, auf dem ein riesiger gelber Farbklecks ist und verstehe, dass Domenic seinen Job liebt.

 

Fotos + Text: Jana Schuler

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