Ihr für Flüchtlinge

Hilfe bei Kaffee und Tee

Seit über zwanzig Jahren gibt es das „Café Exil“ in Hamburg schon. Hier können Migranten und Flüchtlinge Hilfe und Beratung bekommen oder sich einfach bei einem Kaffee aufwärmen. SPIESSER-Autorin Jelena sprach mit den beiden Mitarbeitern Florian und Klaus über die Arbeit in dem Café, das nur Ehrenamtliche betreuen.

13. November 2015 - 11:43
SPIESSER-AutorIn Jelly.
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Beigetreten: 10.09.2012

Das „Café Exil“ liegt kurz hinter dem Hamburger Hauptbahnhof an einer großen Verkehrsstraße. Draußen möchte man sich nicht lange aufhalten, der Fußweg ist schmal, die Straße laut und heute regnet es auch noch in Strömen. Doch drinnen ist die Stimmung ganz anders: Hier ist es warm und gemütlich, rechts stehen alte Sofas, links Tische und Stühle. Banner für die Aufnahme von Flüchtlingen, Merkzettel zu den neusten Rechtsbeschlüssen und Informationsbroschüren hängen an den Wänden.

Vom Kaffeeplausch zur Rechtsberatung

Dass Flüchtlinge hier willkommen sind, ist kaum zu
übersehen.

Von der Theke am Ende des Raumes dringt ein Durcheinander von Sprachen herüber – auf Deutsch, Englisch und Arabisch unterhalten sich die Mitarbeiter und Besucher. Hier im „Café Exil“ können Flüchtlinge und Migranten herkommen, wenn sie Unterstützung brauchen – Rechtsberatung zum Beispiel oder Begleitung zur Behörde. Aber auch, wenn sie einfach nur einen Kaffee trinken und sich unterhalten wollen.

Ich bin mit Florian (34) und Klaus (66) verabredet. Bevor sie sich zur mir setzen können, müssen sie noch ein paar Handgriffe erledigen. Denn wer wann ins Café kommt und Hilfe braucht, ist nie vorhersehbar. „Manchmal ist nichts los und dann kommen plötzlich fünf Leute auf einmal“, sagt Klaus. „Manchmal ergeben sich auch Gespräche oder Begleitungen zur Behörde außerhalb der Öffnungszeiten.“ Offen ist das Café deshalb nur vormittags an vier Tagen in der Woche, genau wie die Ausländerbehörde, schließlich wird es nur von Ehrenamtlichen betreut.

Keine Zeit für Routine

Klaus war bis zur Rente Lehrer und hat vor gut einem Jahr angefangen, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Florian arbeitet schon länger im „Café Exil“. Eine richtige Routine gebe es aber bis heute nicht. Der größte Teil der Besucher kommt neu ins Café, mit einer neuen Lebensgeschichte und neuen Problemen.

Klaus und Florian erzählen von Menschen, die auf der Suche nach Jobs und Wohnungen sind. Genauso suchen dort aber auch Menschen Hilfe, die mitten im Asylverfahren stecken oder sonstige Rechtsberatung brauchen. Dafür müssen die Mitarbeiter auf dem neuesten Stand in Sachen Asylrecht sein oder einen der Anwälte anrufen, die dem Café mit Tipps zur Seite stehen. „Daran sieht man auch die Bandbreite von dem, was wir machen“, meint Florian. „Dinge, die man mit Lebenserfahrung und solidarischem Vorgehen lösen kann, aber auch feinjuristische Angelegenheiten. Um das zu schaffen, sind wir mit vielen Organisationen, Einrichtungen und Anwälten in ganz Hamburg vernetzt.“

Sprache bleibt größte Hürde

Heute waren zwei ähnliche Fälle auf Hilfesuche im „Café Exil“: „Gleich kommt noch eine Familie aus Serbien, die schlechte Aussichten auf Erfolg im Asylverfahren hat. Da gucken wir, ob man noch etwas machen kann, damit sie in Deutschland bleiben können. Als wir gerade bei der Recherche und Suche nach einem Dolmetscher waren, kam eine andere serbische Familie reingeschneit, die zum Glück schon einen Dolmetscher hatte, den man hoffentlich gleich mit ins Boot holen kann. Ansonsten ist das mit der Sprache oft ein Problem“, meint Florian.

Damit muss er sich auch schon verabschieden, der Termin mit der serbischen Familie ruft. Sie setzen sich ans andere Ende des Cafés zusammen mit einer zweiten Mitarbeiterin und einem Dolmetscher.

Viel Arbeit, viele Freiwillige

Auch Klaus erzählt mir von seinen Erlebnissen im „Café Exil“. Wie alle anderen ist er einfach hergekommen, und hat gesagt, dass er mitmachen möchte. Nach einem Anfangsgespräch durfte er gleich anfangen zu arbeiten. Er kannte die Einrichtung, die mittlerweile seit zwanzig Jahren besteht. Schon während seiner Zeit als Lehrer kam er immer mal her, hat Kaffee gespendet oder Leute getroffen.

Im Gegensatz zu den meisten, sind viele der Ehrenamtlichen viel jünger als Klaus. Oft sind es Studenten oder Schüler, die ehrenamtlich hier arbeiten oder ein Sozialpraktikum machen. Deshalb gehört Klaus auch nach einem Jahr schon zu den Erfahreneren, andere sind schnell woanders eingespannt, weggezogen oder im Ausland.

Café Exil
Wer nun selbst im Café mitarbeiten will, schreibt am besten eine E-Mail an: cafe-exil@antira.info oder guckt einfach mal vorbei, in der Spaldingstraße 41 in Hamburg, St.Georg. Geöffnet ist das Café montags, dienstags und donnerstags von 8-14 Uhr und freitags von 8-13 Uhr.

Hierarchien gäbe es unter den Mitarbeitern eigentlich keine, aber die Erfahrung spiele schon eine Rolle. Am Anfang muss schließlich jeder erst mal lernen, wie es im Café läuft. Deshalb säßen bei den Gesprächen, wenn möglich, zwei Mitarbeiter dabei, ein erfahrenerer und ein neuer. Darüber hinaus bieten verschiedene Institutionen regelmäßig Schulungen an.

Und was mag Klaus an der Arbeit besonders gerne? „Ich finde es nach meinem Beruf als Lehrer gut, weiter mit Jüngeren zu arbeiten. Es gibt mir einen anderen Einblick in dieses Feld der Migranten und Flüchtlinge. Man lernt durch die Arbeit, was da an komplexen Lebensgeschichten dahintersteckt. Zu einer syrischen Familie, die ich hier kennengelernt habe, habe ich noch Kontakt, rufe ab und zu mal an oder schreibe ihnen.“

Text: Jelena Leonie Malkowski
Teaser-Foto: flickr-User Astronomy Humor, flickr.com, (CC BY-SA 2.0), bearbeitet
Foto: Jelena Leonie Malkowski

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