Ruben vorm Parlament
SPIESSER debattiert

Hinter den Kulissen: Im EU-Parlament

Europa wählt! SPIESSER-Nachwuchsjournalisten hatten die Möglichkeit, drei Tage lang hinter die Kulissen des Europaparlaments in Straßburg zu schauen. Über ein Riesen-Gebäude, viele Sprachen und gutes Essen.

23. Mai 2014 - 14:22
SPIESSER-AutorIn Rubinello.
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Rubinello Offline
Beigetreten: 23.05.2014

Montag, 10.03.2014

Europa, Straßburg: Vier junge Studenten trudeln in einer kleinen, aber gemütlichen Wohnung in Straßburg ein. Nach einer spätabendlichen „Blitz“-Kennlernrunde schmieden wir auch schon die ersten Pläne. Aber was wollen vier Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands irgendwo in Frankreich? Unsere Mission: Für den SPIESSER hinter die Kulissen des EU-Parlaments in Straßburg schauen, verstehen, was dort abgeht und uns ein eigenes Bild von der Politik machen. Aber erst einmal eine Mütze Schlaf...

Dienstag, 11.03.2014

Im Eingang zum Parlament.

Am Dienstag geht es auch sofort in die Vollen. Mit der Tram fahren wir zum Europaparlament.  Im Louise-Weiss-Gebäude – das ist das Hauptgebäude des Europäischen Parlaments –, in dem Plenarsitzungen, Debatten und Tagungen stattfinden, treffen wir den Presseattaché. Das Gebäude gleicht einem riesigen Ameisenbau. Auf den ersten Blick ein chaotisches Gewusel, auf den zweiten scheint jeder zu wissen, wo er hin muss. Um unsere Presseaufgabe erfüllen zu können, brauchen wir Akkreditierungskärtchen. Sie sind unsere Eintrittskarten, um hier in Bereiche einzutauchen, die normalen Besuchern vorenthalten sind.

Im Plenarsaal ist Pause, in dem wir kurz vor Mittag unsere erste Abstimmung begutachten, danach geht’s in die Kantine. Zwei Plätze neben uns sitzt eine deutsche Abgeordnete von den Linken. Man spürt die Aura der Wichtigen. Aber trotzdem ist es wie in der Schule, alle laufen mit ihrem Essenstablett herum und setzen sich zu ihren Leuten. Neulinge wie wir wissen natürlich nicht gleich, wo es hingeht. Im Moment ist sehr viel Betrieb, schließlich sind ja bald Europawahlen…

Mittwoch, 12.03.2014

Die SPIESSER-Autoren hören genau zu.

Heute geht es ein wenig früher los. Ein belegtes Baguette und der Tag kann kommen. Eine Gruppe junger Journalistik-Studenten aus Leipzig schließt sich uns an, als wir den Pressebereich besichtigen. Ein Raum voller Menschen an Laptops, viel Kameratechnik und Monitore. Sie übertragen die Sitzungen aus dem Plenarsaal. Wir schauen uns eine Berichterstattung zum Thema Datenschutz an. Eine Partei muss gesammelte Punkte einsetzen, um so eine Berichterstattung zu initiieren. Die jeweilige Partie bekommt die Punkte, ganz demokratisch, proportional zur Parteigröße für einen bestimmten Zeitraum zugeteilt. Bei Einlösung dürfen dann Abgeordnete zu einem oder mehreren Themen reden und Fragen von Journalisten beantworten. Die Vertreter verschiedenster Medien sind vor Ort: Journalisten aus den USA, Lettland und auch vom SPIESSER aus Deutschland.

Nach dem Mittagessen treffen wir uns noch mit deutschen EU-Abgeordneten. Die Parteienauswahl ist breit gefächert: CDU, SPD und FDP schicken jeweils einen Vertreter an die verdächtig junge und kritische Jury. Obwohl es thematisch große Unterschiede gibt, haben alle eines gemeinsam: die Eile.


Im Pressebereich ist immer viel los!

Damit ist der Tag aber noch lange nicht zu Ende. Abends kann uns sogar noch die vielbeschäftigte Radiomoderatorin Annette Riedl vom Deutschlandradio einen Termin zusagen. Die Korrespondentin der EU berichtet uns über das stressige Alltagsleben zwischen Brüssel und Straßburg. Typisch EU-Parlament: Fünf Minuten später steht das nächste Meeting an. Diesmal mit zwei Dolmetscherinnen. Als uns die beiden die Anzahl der Sprachen nennen, die sie fließend verstehen und sprechen können, fällt uns der Kinnladen runter. Wer nur fünf Sprachen beherrscht, gehört hier zu den Durchhängern. Da sich jede Sprache im Wandel befindet, müssen sich die Dolmetscher ständig weiterbilden. Kompetente Dolmetscher sind unglaublich wichtig für das EP, denn sie ermöglichen erst die Kommunikation zwischen den Volksvertretern Europas.

Donnerstag, 13.03.2014

Die schönen Straßen Straßburgs.

Zusammen mit den Journalistik-Studenten besuchen wir heute den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Mit einem freundlichen „Bonjour“  begrüßt uns eine  Angestellte, kann uns aber  doch schließlich auf Deutsch die meisten Sachen erklären. Im Anschluss schlendern wir noch durch die wunderschönen Straßen der Stadt, und lassen die Reise bei Eis und Café im Sonnenschein vor dem Münster ausklingen. Dann geht es auch schon auf den Heimweg.

Unser Fazit? Da nun die Wahlen für das Europaparlament am 25. Mai anstehen, nimmt man diese bevorstehende Wahl und den Wahlkampf stärker wahr als zuvor. Ich selbst sehe und erlebe Politiker nun um einiges menschlicher. Ähnlich wie bei einem Fußball-Schiedsrichter legen sie die Regeln, oder in unserem Fall, Gesetze fest  unmöglich sich dabei nicht unbeliebt zu machen. In der Stadt, in der über Europa gegrübelt und diskutiert wird, gibt es einen nicht zu unterschätzenden, stressigen Alltag. „Briefings“, unzählige Pressetermine, Berichterstattungen und natürlich: Plenarsitzungen um über Europas Zukunft zu diskutieren. Wessen Berufswunsch Politiker ist, sollte vielleicht doch nochmal darüber  nachdenken.

Text & Video: Ruben Stein
Bilder: Privat

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