Schwerpunkt

Hoffnung geben, Zeichen setzen

Für „Geben gibt.“ erzählt Mara, warum sie sich freiwillig und ohne Geld dafür zu bekommen, in ihrer Kirchengemeinde engagiert.

02. Dezember 2010 - 17:35
von SPIESSER-Autorin Miss Vespa.
Deine Bewertung bewertet mit 3 5 basierend auf 1 Bewertungen
Miss Vespa Offline
Beigetreten: 07.05.2009

Mara, 20, engagiert sich in ihrer Kirchengemeinde.

Sonntagmorgen. Die ersten Sonnenstrahlen versuchen gegen die kalte Luft anzukommen. Keine Chance. Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt und meine Füße drohen Eiszapfen zu werden. Wie gerne läge man jetzt noch in den warmen weichen Federn, um sich von der samstäglichen Partylaune zu erholen.

Umso ernüchternder mag die Tatsache scheinen, dass meine Freundin Olli und ich gerade die einzigen sind, die zu früher Stund zur evangelischen Kirche gehen – um zu arbeiten. „Was? Du arbeitest in der Kirche? Wie krass bist du denn drauf?...“ Solchem Erstaunen folgt meist die Frage: „Wie viel verdienst du denn dort?“ Und da wären wir schon beim eigentlichen Thema, denn die Antwort ist: Nichts.

Aber so einfach ist das nicht. Es stimmt zwar im Sinne von: keinen müden Cent. Allerdings lässt sich unsere ehrenamtliche Arbeit mit keinem Geld der Welt vergleichen. Es ist viel mehr als nur ein Job.

Let's rock for Hope

Alles begann mitten im Abijahr, in dem der Schulstress einem eigentlich keine Sekunde Freizeit ließ. Doch Olli und ich wollten das nicht akzeptieren, auf keinen Fall nur Schule im Kopf haben. Irgendwie kamen wir dann auf die Idee bei der evangelischen Kirche anzufragen, ob man sich dort engagieren könne.

Ein paar Tage später stand es fest: Die evangelische Gemeinde hat zwei neue Ehrenamtliche. Das erste was uns in den Kopf kam, war einen Gottesdienst für Jugendliche zu gestalten. Nicht sonntagmorgens (da schläft ja bekanntlich noch die Mehrheit), sondern abends. Wir überlegten uns verschiedene Konzepte zur Gestaltung, schrieben kleine Theaterszenen, zur Unterlegung der Predigt, durchstöberten sämtliche Songhefte nach Liedern, organisierten eine Band, bastelten, diskutierten, lachten. Das Ergebnis war ein voller Erfolg: Unter dem Thema „Damit ihr Hoffnung habt“ wurde jeder, der Lust zu einem etwas anderen Gottesdienst hatte eingeladen.

Kopie_2_von_RSCN2088.jpg
Aktion: Hoffnung – Ein Zeichen setzen.

Und offenbar fühlten sich viele von unserer Idee angesprochen: Die meisten Bänke waren besetzt! Keiner sollte der Gefahr ausgesetzt sein, bei langwierigen Predigten einzuschlafen. Stattdessen konnte man frei in der Kirche herumspazieren, sich segnen lassen, Mandalas malen, Gebete und Wünsche aufschreiben, die wir später vorlasen. Zusammen mit einer Band rockten wir die Kirche. Es war toll zu erleben, wie viel Spaß es machen kann Glaube in einer Gemeinschaft zu feiern. Und genau deshalb ist ehrenamtliche Arbeit so bereichernd: strahlende singende Gesichter zu sehen, Menschen, die lächelnd die Kirche verlassen.

Zwischen Pizza und Kinderstimmen

Ein anderes Mal stand der Kinderbibeltag auf dem Terminkalender. Dieses Mal eine Erfahrung ganz anderer Art. Schließlich macht es einen Unterschied, ob man mit jungen Erwachsenen arbeitet oder mit einer Rasselbande aus 20 Kindern. Wir fünf Ehrenamtlichen hatten uns vorgenommen den Kindern spielerisch die Geschichte vom guten Samariter näher zu bringen. Einer als Erzähler, die anderen als Schauspieler. Als der Bettler plötzlich viel zu früh in die Szene platzte, vergaß der Samariter seinen Text und die zwei reichen Kaufleute konnten sich nur noch schwer das Lachen verkneifen.

Alles halb so schlimm. Die Kinder waren hin und weg. „Der eine Helfer mit dem weißen Umhang war voll cool!“, meinte der kleine Junge mit der Baseballmütze. „Das war der barmherzige Samariter“, erklärte ich. Der Junge schaute mich kurz an, grinste und fügte hinzu: „Trotzdem krasser Typ.“ Ich erwiderte Ollis Zwinkern und dachte mir: Wie gut, dass ich heute wieder so früh die Federn verlassen habe.

Text/Foto: Mara Gurlitt

Geben gibt.-Publikumspreis

Deutscher Engagementpreis der Kampagne „Geben gibt.“: Bis zum 15. November konntet ihr darüber abstimmen, welches der 19 vorausgewählten Projekte den Publikumspreis erhält. Der Träger des Publikumspreises steht nun fest und wird zusammen mit den Gewinnern der Kategorien Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelperson, Wirtschaft, Politik & Verwaltung sowie Jugendengagement bei der feierlichen Verleihung des Deutschen Engagementpreises 2010 am 4. Dezember im Radialsystem in Berlin bekanntgegeben. Hier erfahrt ihr mehr.
Wenn ihr selbst aktiv seid und andere davon überzeugen wollt, dann unterstützt die Kampagne „Geben gibt.“ auf Facebook, SchülerVZ oder StudiVZ und folgt ihr bei Twitter. Die Kampagne wird gefördert durch den Zukunftsfond der Generali Deutschland Holding AG und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Wollt ihr euch auch engagieren? Auf den Seiten von „Geben gibt.“ findet ihr Links, die euch weiterhelfen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit "Geben gibt. Bündnis für Engagement"

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Jetzt bist du dran!
Mehr zum Thema „Geben gibt
  • Anzeige
    Onlineredaktion
    5
    Schwerpunkt

    Schüler Helfen Leben — Deutscher Engagementpreis

    Bei „Schüler Helfen Leben“ setzen sich jedes Jahr 100.000 Jugendliche in ganz Deutschland für Hilfsprojekte auf dem Balkan ein. Dafür hat der Verein jetzt den Deutschen Engagementpreis bekommen.

  • Anzeige
    Onlineredaktion
    Schwerpunkt

    RoQ keeps equality: Open Air gegen Extremismus

    Trotz 15 Stunden Arbeit am Tag hat er Zeit, sich zu engagieren. Denn er liebt Musik. Und Technik. Für „Geben gibt.“ erzählt uns Pascal von seinem Einsatz für das „RoQ keeps equality“- Festival.

  • Anzeige
    Stefanie Lodde Hirte
    Schwerpunkt

    Jacob Schrot: Sozialengagement ist kulturelles Bindemittel

    Jacob Schrot, der Gewinner der ZDF-Show „Ich kann Kanzler“, ist ein Musterbeispiel für gesellschaftliches Engagement. Für Geben gibt. erzählt er, dass Ehrenamt hilft, eine gemeinsame Identität zu stiften.

  • Anzeige
    Stefanie Lodde Hirte
    Schwerpunkt

    Entscheidet über den Publikumspreis für freiwilliges Engagement!

    Insgesamt 1.800 Personen und Projekte waren bei der Kampagne „Geben gibt.“ für den Deutschen Engagementpreis 2010 nominiert. Wir stellen euch fünf Jugendprojekte vor.

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    Umweltarbeit beim Kindergipfel – ein nachhaltiges Hobby

    Die Zukunft, das ist unsere Umwelt und: Kinder. Deswegen bringt Nina dem Nachwuchs etwas über Umweltschutz bei – freiwillig und ehrenamtlich. Ein Geben gibt.-Bericht.

  • Anzeige
    Gleb Karbachinsky
    Schwerpunkt

    „Schwimm mal ne Runde!“

    Freiwilliges Engagement gibt es in den unterschiedlichsten sozialen Bereichen: Kirche, Schule, … Was Gleb allerdings macht, klingt so selbstverständlich wie es auch wichtig ist: Er bringt Kindern das Schwimmen bei. Sein Bericht für „Geben gibt.“

  • Anzeige
    Birk Grüling
    5
    Schwerpunkt

    Mit Becherpfand die Welt retten

    Menschen mit Mülltonnen, die keinen Müll sondern Becher einsammeln? Bei diesem Phänomen handelt es sich um ehrenamtliches Engagement. Birk hat sich das für „Geben gibt.“ mal angeschaut.

  • Anzeige
    Creazy
    4
    Schwerpunkt

    Über Aids aufklären

    Daniela ,19, engagiert sich seit drei Jahren in der Aids-Hilfe Westsachsen e. V. und kämpft gegen Vorurteile rund um die Krankheit. Für „Geben gibt.“ stellt sie ihr Ehrenamt vor.

  • Anzeige
    Laura.
    5
    Schwerpunkt

    Zukunft des Zivildienstes: Positives beibehalten?

    Kürzen oder ganz abschaffen: Wie steht es um den Zivildienst in Deutschland? Für „Geben gibt.“ hat sich Laura mit dieser Frage beschäftigt.

  • Anzeige
    Kristin
    Schwerpunkt

    Auf der Suche nach Engagement

    Engagement ist absolut notwendig! Diese Botschaft vermittelt auch die Kampagne „Geben gibt“. Doch was ist Engagement eigentlich? Müll trennen? Oder mehr als das?

  • Anzeige
    Gustav
    5
    Schwerpunkt

    Aufbruch ins Unbekannte

    Die Stiftung „Elemente der Begeisterung“ hilft jungen Leuten, neue Welten zu entdecken. Gustav sprach für die Kampagne „Geben gibt.“ mit Robert B. Biskop über das Konzept.

  • Anzeige
    Onlineredaktion
    4
    Schwerpunkt

    Sozialengagement: Wo wir sind, ist es laut!

    Im Umgang mit Behinderten sind viele verunsichert, manche schämen sich sogar. Miriam kann das nicht verstehen. Fü die Kampagne „Geben gibt.“ erzählt sie von ihrer völlig schamlosen Arbeit.

  • Anzeige
    Onlineredaktion
    Schwerpunkt

    Kindern eine Zukunft geben

    Deborah betreut in ihrer Freizeit Kinder in einem Jugendheim und trägt dabei eine große Verantwortung. SPIESSER.de und die Kampagne „Geben gibt“ stellen euch die 15-Jährige vor.

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    Es ist nicht gut, so wie es jetzt ist!

    Lina findet, dass mehr für die Umwelt getan werden sollte. Daher engagiert sie sich in der Naturfreundejugend.

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    „Ich treffe außergewöhnliche Menschen“

    Jonas, 21, ist einer von über 30.000 Jugendlichen, die jedes Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Für „Geben gibt." erzählt er uns, welche Erfahrungen er beim Malteser Fahrdienst gemacht hat.