Kinofeeling

I feel pretty

Durchschnittsfrau Renee Bennett hält sich nach einer Kopfverletzung für unwiderstehlich. Doch was verändert sich dadurch wirklich? SPIESSER-Autorin Svea hat sich für euch in die Komödie „I feel pretty“ gesetzt und es herausgefunden.

14. Mai 2018 - 13:02
SPIESSER-AutorIn sveajill.
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sveajill Offline
Beigetreten: 20.04.2018

Worum gehts?

Renee Bennett (Amy Schumer) kämpft mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und starken Selbstzweifeln, die es ihr nicht ermöglichen, für ihre eigenen Ziele und Träume zu kämpfen. Sie sieht durchschnittlich aus und trägt geschätzt Kleidergröße 40, was für sie ein riesiges Problem zu sein scheint. Sie arbeitet für eine Kosmetikfirma in einem Kellerbüro. Ihr größter Wunsch ist es, schön zu sein. Nach einer schweren Kopfverletzung erwacht Renee und starrt ungläubig in den Spiegel: Sie sieht – zumindest aus ihrer eigenen Perspektive – aus wie ein perfektes Supermodel und erkennt sich selbst gar nicht wieder. Aus der unsicheren Durchschnittsfrau ist von einer Sekunde auf die andere eine vermeintlich makellose Person geworden. Wenngleich sich an ihrem Aussehen für ihre Mitmenschen gar nichts verändert hat, verleiht ihr der Irrglaube, die unwiderstehlichste Frau der Welt zu sein, ein solch übersteigertes Selbstbewusstsein, dass sie sowohl karrieretechnisch als auch in ihrem Datingleben große Sprünge macht. Alles scheint perfekt – und dann erleidet sie eine erneute Kopfverletzung.

Wer spielt mit?

Abby Kohn und Marc Silverstein führten in diesem Film nicht nur Regie, sondern schrieben auch das Drehbuch. Die Hauptrolle spielt Amy Schumer, die besonders mit ihrer eigenen Comedyserie „Inside Amy Schumer“ bekannt wurde. Michelle Williams („Baywatch“, „The Greatest Showman“) verkörpert Renees Chefin.


Auch die Romantik darf in der neuen Komödie mit
Amy Schumer nicht fehlen.
Filmischer Augenschmaus?

Die bunten Farben im Film stehen im Kontrast zu den leider sehr einfältig und farblos gestalteten Charakteren, die nur als schmückendes Beiwerk auftauchen und in jeder Hinsicht vorhersehbar agieren. Der Film lebt von einer Menge kleiner Gags.

Ein echter Pluspunkt: Der Film ist auch im englischen Originalton leicht verständlich und eignet sich damit super als Einstieg, wenn man sich bisher nicht getraut hat, einen Film auf Englisch zu sehen.

Gibt’s was zu meckern?

Die Message des Filmes könnte man als „Selbstbewusstsein macht schön“ oder „Du brauchst kein perfektes Aussehen, um glücklich zu sein“ zusammenfassen. Das Problem ist nur, dass diese Botschaften durch verschiedenste Filmelemente und Wendungen zunichtegemacht werden, bevor sie den Zuschauer überhaupt erreichen. Zum einen ist Amy Schumer nun wirklich keine unattraktive Frau, aber gut: Als Frau empfindet man (fast) immer einige Partien an sich selbst als hässlich. Zum anderen ist es aber vollkommen unrealistisch, dass sie mit geschätzt Kleidergröße 40 im Laden keine Kleidung finden und beim Barkeeper keine Getränke bestellen kann. Das ist schlichtweg grotesk.

Ebenso grotesk ist das vermittelte Frauenbild: Du bist schön, wenn Männer dir hinterherpfeifen. Nein, eine Frau ist schön, wenn sie sich wohl mit ihrem Körper fühlt. Und dazu sollte es keiner schweren Kopfverletzung bedürfen.

Eine weitere Schwäche des Films ist die fehlende Vielfalt der Charaktereigenschaften sämtlicher Protagonisten. Renees Freundinnen sind unsicher und stricken in ihrer Freizeit, Renees Chefin ist sehr hübsch und sehr dumm und Renees Arbeitskollege ist ein dickbäuchiger Nerd ohne Sexualleben. Die Reihe an einfallslosen Persönlichkeiten lässt sich endlos fortführen. Es wirkt, als seien die Charaktere nur da, weil eben jemand da sein muss, mit dem Renee interagieren kann. Wert auf eine interessante Charakterentwicklung wurde aber scheinbar nicht gelegt.

Braucht man Taschentücher?

Nein, außer man ist ergriffen von vorhersehbaren Hollywood-Happy Ends oder leidet an Heuschnupfen.

Mit wem angucken?

Den Film wird sich vermutlich kein Mann freiwillig anschauen. Nimm lieber ein paar Freundinnen mit!

Auf einen Blick
Action:
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau:
Bildungsfaktor: ✪
Was macht man danach?

Möglichst viel Pizza essen und das Leben genießen,statt in den Spiegel zu sehen und nach einem Makel zu suchen. Eventuell auch etwas zu Feminismus oder zu Bodypositivity recherchieren.

In 3 Worten:

Nett für zwischendurch.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Wenn man diese Komödie schon schaut, dann auch angemessen im Kino mit einer großen Popcorntüte.

Mainstream oder Independent?

Wenn man „Mainstream“ googelt, erscheint vermutlich ganz oben dieser Film.

I FEEL PRETTY

Regie: Abby Kohn, Marc Silverstein
Darsteller: Amy Schumer, Michelle Williams, Rory Scovel u.v.a.
Kinostart: 10. Mai 2018
Filmlänge: 97 Minuten
Genre: Komödie
FSK: ab 0 Jahren

 

Text: Svea Schmidt
Bilder: © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

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