Mach dein Ding!

„Ich bin kein Wunderkind“

Leon Löwentraut ist 18, Abiturient und zeichnet gerne. Was ihn von anderen Jugendlichen unterscheidet? Als Künstler stellt er seine Werke weltweit aus und ist in TV-Shows zu Gast. SPIESSER-Autor Marlon sprach mit ihm über seinen Weg zur Kunst, seine Ziele und Kunstkritiker.

08. November 2016 - 11:23
SPIESSER-Autor MarlonJungjohann.
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MarlonJungjohann Offline
Beigetreten: 11.06.2014

Der Raum, in den uns Leon hineinführt, ist einer von vielen des alten Lagergebäudes. Durch ein Fenster an der Wand und eine Lichtkuppel an der Decke scheint Licht in die spärlich, aber funktional eingerichtete Kammer. Auf dem Boden ist eine bunte Plane ausgebreitet. An den Wänden lehnen farbenfrohe Bilder auf Leinwänden, die dem Raum eine ungeheure Ausstrahlung verleihen, denn es sind Bilder, für die Liebhaber mehrere tausend Euro zahlen. Das ist also das Atelier eines der bekanntesten Nachwuchskünstler Deutschlands: Leon Löwentraut aus Düsseldorf.

Ein kleiner Picasso

Leon bietet an, uns zu setzen und deutet auf eine kleine Matratze an der Wand neben der Tür. Am Tag zuvor habe er hier noch bis drei Uhr nachts gemalt. „Am Wochenende verbringe ich die meiste Zeit im Atelier. Meistens abends, dann fahre ich erst spät nach Hause oder schlafe gleich hier.“

Er malt seit seinem sechsten Lebensjahr, damals noch zusammen mit seiner Mutter. Für ihn war Malen nicht nur Beruhigung, hier konnte er seiner Fantasie freien Lauf lassen. „Keiner hat mir irgendwas vorgeschrieben, ich konnte machen, was ich will. Das ist der Grund, warum ich immer noch dabei bleibe.“

Sein absolutes Vorbild ist Pablo Picasso: „Bei Picassos Bildern muss man zweimal hinsehen, damit man wirklich erkennt, was er gemalt hat. Das hat er durch den abstrakten Stil sehr gut dargestellt, auch diese Farbgebung. Das ist das, was ich an Picasso bewundere.“

„Aus Liebeskummer entstehen die besten Bilder“

Die Liebe zu Picasso erkenne ich in Leons Werken wieder. Näher betrachtet wirken die Bilder sehr ausdrucksstark. Häufig zeigen sie Gesichter in hellen, fröhlichen Farben und Neon-Tönen. „Meine Bilder geben die Situation wieder, die ich erlebt habe. Ich drücke meine Gefühle in meiner Kunst aus und häufig werde ich vom Liebeskummer inspiriert. Daraus entstehen die besten Bilder.“

Er male für sich und nicht, um Kritikern zu gefallen: „Die können sagen, was sie wollen. Sie können meine Bilder schlecht finden, solange es mir dabei gut geht und ich male, worauf ich Lust habe. Etwas anderes möchte ich nicht.“

Dass er bereits mit Picasso verglichen wird, findet er gut. „Da habe ich auch nichts gegen, aber sie sollen nicht ´Wunderkind´ schreiben, weil ich kein Wunderkind bin. Malen ist meine absolute Leidenschaft. Ich hatte einfach Glück, dass es bei den Leuten angekommen ist.

Erst mit Kohle, dann aus der Tube

Beinahe routiniert erklärt Leon, wie er beim Malen vorgeht: „Ich mache als erstes mit Kohle oder Bleistift Skizzen auf der Leinwand. Danach fange ich mit dem Hintergrund an, dann die Figuren. Ich male auch sehr viel aus der Tube heraus, weil es am Ende eine gewisse Struktur und einen Kontrast gibt.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Aber wie genau ich vorgehe, kann ich nicht sagen, denn ein guter Koch verrät sein Rezept nicht.“

Ein Rezept, das bisher erfolgreich funktioniert. Heute werden seine Werke in Deutschland und auf der ganzen Welt ausgestellt. Trotz des Erfolgs wirkt Leon bodenständig und zeigt keinerlei Anzeichen von Überheblichkeit: „Andere, die so viel Geld verdienen wie ich, würden es für teure Dinge ausgeben, aber ich habe mein ganzes Geld auf der Bank. Es kann immer sein, dass schlechte Zeiten kommen.“

Derzeit arbeitet Leon noch an seinem Abitur. In der Schule bekommt er kaum Unterstützung für seine Kunst. Im Gegenteil: Mitschüler hätten sich von ihm abgewandt, weil sie denken, er sei arrogant geworden. „Es gab eine Zeit, in der ich mich vor jedem gerechtfertigt habe.

Mittlerweile habe ich meine richtigen Freunde, die ich an einer Hand abzählen kann. Die wissen, wie ich wirklich bin.“

Später will Leon an der Düsseldorfer Kunstakademie studieren und sein eigenes Kunstimperium aufbauen. An diesem Weg arbeitet er Tag für Tag.

Text: Marlon Jungjohann
Fotos: Jakub Kaliszewski

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