Kissenschlacht

„Ich bin total der Technik-Freak“

Tim Bendzko schreibt nicht nur schöne Liebeslieder, sondern zeigte sich im Interview auch als Trendanalytiker und im weitesten Sinne als E-Auto-Promoter. Mit SPIESSER-Autorin Sophie quatschte er über sein neues Album „Filter“, seine Affinität zur Technik und die Chancen, damit das (soziale und globale) Klima zu revolutionieren.

01. November 2019 - 11:23
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
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sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012

Du hast im Oktober dein neues Album „Filter“ rausgebracht. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Das Album heißt „Filter“, weil ich das Wort richtig gut finde. Lustigerweise bringt man es heute eher mit etwas Negativem in Verbindung. Man versteht unter filtern etwas aufzupimpen, das eigentlich gar nicht schön ist. Für mich ist filtern aber eher positiv, weil es ausdrückt, das Beste aus etwas herauszukitzeln. Genau das fand ich passend für mein neues Album. Ich habe dort zum ersten Mal viele Songs mit anderen zusammen geschrieben, mit dem Ziel, mehr aus mir selbst herauszuholen. Und ich finde, das ist mir echt gut gelungen.

Du hast gerade schon angesprochen, dass hinter Filter auch negative Assoziationen stecken. Wahrscheinlich gibt es deshalb auch den Trend, dass immer mehr Menschen wieder  wegwollen von filtergeschönten Darstellungen im Internet. Wie stehst du dazu?

Wie du gerade sagtest, ist das ein Trend. Filter heißt ja nicht immer nur Instagram-Retusche.
Selbst wenn ich zehn Fotos von mir selbst mache und eins davon aussuche, ist das immer noch mein Filter davon, wie ich mich sehe.

Tim Bendzko

ist vielseitiger als nur musisch begabt. Vor dem Durchbruch mit seinem Song „Nur noch kurz die Welt retten“ im Bundesvision Songcontest 2011 probierte er sich im Nachwuchsfußball, als Theologie-Student und Aktionär im Autohandel aus. Seither ist viel passiert: In den letzten acht Jahren sind vier deutschsprachige Alben von ihm erschienen, zahlreiche Songs landeten in den Charts und Tim Bendzko zählt mittlerweile zu den 100 einflussreichsten Deutschen. Mit seinem aktuellen Album Filter ließe der Titel sich halten: Seine 13 neuen Songs sind am 18. Oktober erschienen und wurden bereits Wochen im Voraus als „wohl schönste Deutsch-Pop-Platte des Jahres“ angekündigt.
Vielleicht geht es dabei aber auch mehr um die Art der Darstellungen und den Wunsch, Ehrlichkeit zu erzeugen, um damit weniger von sich selbst zu verstecken.

Ich verstehe, was du meinst. Und prinzipiell finde ich das gut – trotzdem glaube ich nicht daran. Auch wenn alle so tun, als wären sie total ungefiltert, ist das eigentlich gar nicht mehr möglich. Gefiltert wird immer. Das hat ganz viel mit Geschmack zu tun und auch mit Trends. Erinnerst du dich noch, als die ersten Smartphones aufkamen und es total in war, Rahmen um Fotos zu legen? So ähnlich ist es heute mit Lense Flares – den bunten Streifen auf Bildern,
die wie natürliches Licht aussehen sollen. Beides sind am Ende nur Trends, die sich ändern, aber sie zielen trotzdem auf Fotobearbeitung und Filterung ab.

Interessant ist, dass hinter diesen Trends häufig ein Optimierungsanspruch steckt, von dem du in deinem Song „Nicht genug“ singst. Hast du das Gefühl, manchmal zu hart zu dir selbst zu sein?

Ja, auf jeden Fall. Mit fällt ab und an auf, dass ich eine Sache erreicht habe und trotzdem denke: Das muss jetzt noch mehr sein. Es ist schwierig zu lernen, dass das, was man hat, auch mal ausreicht. Gefühlt kriegen wir das seit der Kindheit ja schon anders gezeigt. Und auch Social Media hat einen großen Einfluss auf uns: Eigentlich ist es so positiv, dass wir dort aufgezeigt bekommen, was tendenziell überhaupt möglich ist. Aber da ist auch immer die Gefahr, dass man all das sieht und sich dann mit dem, was man hat, nicht mehr zufriedengibt.

Was machst du denn, wenn du bemerkst, dass du ziemlich unter Druck stehst und deine Akkus wieder aufladen möchtest?

Mir geht es schon besser, wenn ich anfange, mir Stress einzugestehen. Ansonsten hilft es wirklich, das Handy mal wegzulegen oder den Vibrationsmodus auszuschalten. Ich merke richtig, dass mir Stress in die Muskeln schießt, sobald ich irgendwo ein Telefon vibrieren höre.


Filter ist das vierte Studio-Album von Tim Bendzko, langersehnt nach
dreijähriger Albumpause erschien es am 18. Oktober. Die Tour folgt im Mai 2020.
Auf dem neuen Album geht es auch um Enttäuschung und weniger gute Phasen in der Liebe. Hast du Tipps, mit traurigen, negativen Beziehungsmomenten umzugehen?

Die habe ich bestimmt, aber ob sie helfen, weiß ich nicht. (lacht) Ein bisschen Trost ist es für mich, zu wissen, dass ich das schon ein paar Mal überlebt habe. Daraus wächst die Erkenntnis, dass Liebe immer ein Auf und Ab ist. Ganz menschlich gesehen sind diese Tiefs sogar vielleicht die einfachere Situation, weil man weiß, dass es jetzt nur wieder besser werden kann. In den guten Phasen besteht immer auch die Gefahr, dass man darauf wartet, wann es wieder bergab geht.

Dein Song-Feature „Freier Fall“ mit Milow ist zweisprachig. Kannst du dir vorstellen, selbst auch mal in einer anderen Sprache zu singen?

Wenn mein Englisch besser wäre, ja. (lacht) Ich schreibe meine Songs selbst und denke ja auch in Deutsch. Deshalb wäre es für mich total abwegig, in einer anderen Sprache zu singen. Aber unabhängig davon klingt es wirklich fürchterlich, wenn ich Englisch singe – das geht gar nicht. (lacht)


Wann Tim das letzte Mal schockverliebt war? Findet’s raus im Video!
Unser Heftthema ist diesmal „Technik und Lifestyle“. Wie würdest du denn deinen eigenen
Lebensstil beschreiben?

Wie passend! Ich bin total der Technikfreak. Also wenn du irgendeine Information zu einem neuen Gerät haben möchtest, frag mich einfach. Ich kann dir sicher alles erklären. Ansonsten ist mir in den letzten Jahren das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig geworden. Anfang des letzten Jahres habe ich begonnen, mich mit meiner Mobilität zu beschäftigen und bin dann auf Elektroautos gestoßen. Trotz dessen, dass noch nicht alles perfekt entwickelt ist und man immer wieder Vorwürfe hört, dass E-Autos in der Produktion noch nicht so sauber hergestellt werden, habe ich mich dazu entschlossen, ab jetzt elektrisch zu fahren. Irgendjemand muss ja damit anfangen. Außerdem kann ich dadurch schon dazu beitragen, die Sichtbarkeit für Elektroautos zu erhöhen.

Was ist das nächste Gadget, das deiner Meinung nach erfunden werden müsste?

Pass auf: Das nächste große Ding wird auf jeden Fall ein echter Sprachassistent. Ich bin mir ganz sicher. Und ich glaube, dass das alles verändern wird.

Okay, wie meinst du das?

Ich meine einen Sprachassistenten, mit dem ich mich unterhalte, so wie wir uns jetzt unterhalten. Aktuell gibt es schon Sprachassistenten mit künstlicher Intelligenz, aber die schaffen immer noch kein richtiges Gespräch. Ich glaube, dass wir gar nicht mehr so weit davon entfernt sind, mit Technik so zu reden wie mit Menschen.

 

Text von Sophie Lorraine Senf, 23, hat für ihr Studium schon technische Raritäten auseinandergeschraubt, moderne Medien liegen ihr aber eher.
Fotos von Michael Kuchinke-Hofer, freiberuflicher Fotograf, lebt in Berlin, arbeitet überall. Immer bereit, Neues zu entdecken.
Kamera & Schnitt: Paul Cybulska
Redaktion: Polina Boyko, Sarah Plobner

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