Mach dein Ding!

„Ich strapaziere
meine Stimme
ständig“

Justus Jonas, Ben Stiller oder der Bösewicht Gru – all diesen Figuren leiht Oliver Rohrbeck seine Stimme. Er ist Synchronsprecher und seit 35 Jahren dick im Geschäft. SPIESSER-Redakteurin Vicky sprach mit ihm über die Anfänge der „Drei ???“, den Job als Synchronsprecher – und hatte zum Schluss sogar Gru am Apparat.

30. März 2016 - 16:28
SPIESSER-Redakteurin MissFelsenheimer.
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MissFelsenheimer Offline
Beigetreten: 04.05.2009

Mit der Rolle des Justus Jonas in den „Drei ???” sind Sie berühmt geworden. Wann hätten Sie die Hilfe der drei Jungs aus Rocky Beach gern mal in Anspruch genommen?

Ne (lacht). Ich bin nie in Kriminalfälle verstrickt und hätte die Hilfe gar nicht verbraucht.

Als Kind haben Sie schon Robert MacNaughton in „E.T.” oder Justus Jonas von den „Drei ???“ Ihre Stimme geliehen. Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen?

Ich habe mit sechs bei der „Sesamstraße“ mitgespielt als Kinderschauspieler. Das hat sich rumgesprochen. Dann kamen immer mehr Angebote, auch für Synchron. Erst habe ich „Pinocchio“ gesprochen, dann Michel aus Lönneberger und irgendwann kam „Die Fünf Freunde“ und dadurch der Kontakt zu Hörspielen – und letztlich zu den „Drei ???“.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Synchronschauspielers aus?

Es gibt keinen Alltag. Bei mir ist es etwas anders, weil ich ja nicht nur Synchronsprecher bin oder Hörspiele mache. Ich reise viel, spreche die eine Woche mal im Studio, dann habe ich wieder Gastauftritte als Sprecher oder texte einen Film.

Wie kommt man zu diesem Job und was müsste man Ihrer Meinung nach mitbringen?

Eine Schauspielausbildung. Ohne die wird man auch gar nicht genommen. Es geht nicht darum, wie die Stimme klingt oder dass man sie verstellen, sondern sehr gut spielen kann. Viele Schauspieler machen alles Mögliche, also Theater, Film und Synchron. Ich habe mich auf Synchron und Hörbücher spezialisiert. Es ist wie beim Sport, denn Sportler können nicht in jeder Disziplin eine Goldmedaille gewinnen.

Sie haben schon in jungen Jahren Bühnenerfahrung gesammelt und später Schauspiel studiert. Wieso sind Sie beim Synchronschauspieler geblieben?

Als Synchronschauspieler kann ich viel mehr machen, jede Woche einen Film oder ein Hörspiel sprechen und einfach in mehr Rollen schlüpfen. Diese vielen Möglichkeiten, um mich Auszutoben und zu entfalten, machen mir unheimlich viel Spaß.

Mit Ihrer Stimme verdienen Sie ihr Geld. Trainieren Sie Ihre Stimme regelmäßig?

Ganz im Gegenteil. Ich strapaziere meine Stimme ständig, habe für zwei Fußballvereine Dauerkarten und gehe auch bei Kälte ins Stadion und schreie Fäkalwörter.

Wie lange dauert eine Synchronisation für einen Film oder ein Hörspiel im Schnitt?

Bei den „Drei ???“ dauern die reinen Sprachaufnahmen einen Tag. Bei einer Filmsynchronisation mit normaler Länge braucht man ungefähr zehn Tage im Studio, um alle Rollen und Stimmfarben aufzunehmen, also auch mal Lautsprecherdurchsagen. Aber es gibt natürlich noch ein Haufen Vor- und Nacharbeit.

Oliver Rohrbeck
Der gebürtige Berliner arbeitet seit 35 Jahren als Synchronsprecher. Schon als Kind sammelte er Erfahrung vor der Kamera und studierte später Schauspiel. Bekannt wurde er durch seine Sprecherrolle als „Justus Jonas“ in der Hörspielreihe „Drei ???“. Später kamen Sprechrollen für Ben Stiller oder als Gru hinzu. Mittlerweile besitzt Oliver Rohrbeck mit der „Lauscherlounge“ sein eigenes Hörspiellabel.
Wonach werden Synchronsprecher denn ausgesucht?

Das kommt einerseits darauf an, ob man als Schauspieler diese Rolle bewältigen kann, die wir auf der Leinwand sehen. Und zweitens, ob die Stimme zum Original passt. Später auf der DVD soll jeder zwischen den Sprachen hin und herschalten können und das Gefühl haben, dass es derselbe Schauspieler ist, nur in verschiedenen Sprachen. Wichtiger ist dennoch die schauspielerische Leistung.

Mit 14 haben Sie angefangen Justus Jonas zu sprechen. Wie ist es, als Erwachsener einen Teenager zu sprechen? Erkennen Sie sich in Justus wieder und hält er Sie jung?

Ne, beides nicht. (lacht) Das macht aber auch nix. Die Rolle von Justus Jonas kenne ich schon so lange, der ist in den letzten 35 Jahren nicht älter geworden, ich schon. Als Schauspieler ist es meine Aufgabe, mich in diese Rolle hineinzuversetzen. Deshalb klingt er auch anders als Ben Stiller oder Gru, denen ich auch noch meine Stimme leihe. Ich verstelle nicht einfach meine Stimme, sondern schauspielere. Trotzdem wäre es für mich schwierig, wenn ich noch einen anderen 18-jährigen sprechen müsste, also eine Rolle, die ich noch nicht so kenne.

Wurden Sie auch schon mal an Ihrer Stimme erkannt?

Die Leute fragen mich eher, ob meine Stimme bekannt ist und ob ich Ben Stiller spreche. Es ist gut, dass jeder sieht, dass ich nicht Ben Stiller bin (lacht). Aber es passiert mir relativ häufig, auch vom Gesicht her erkannt werde, da wir in den letzten Jahren so viele Auftritte und Interview als „Drei ???“ hatten.

Seit 50 Jahren gibt es die „Drei ???“ schon, in Deutschland wurden bisher mehr als 60 Millionen Bücher und 45 Millionen Tonträger verkauft und nicht nur Kinder schlafen mit Ihnen ein. Was glauben Sie, ist das Erfolgsrezept?

Das frage ich mich auch manchmal. Ich denke, dass es sich irgendwann in der Kindheit ins Gehirn geprägt hat, dass viele die „Drei ???“ zum Einschlafen gehört haben. Und das tun sie heute als Erwachsene immer noch. Den genauen Effekt wüsste ich aber auch gern, denn dann würde ich das gern mit meinem eigenen Label wiederholen.

Zum Schluss noch die Frage an „Gru“: Sind Sie ein SPIESSER?

Interview: Victoria Gütter
Teaser-Foto + Foto: Matthias Scheuer Fotografie

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