Mittagspause mit ...

„Ich wollte direkt helfen.“

Ihr kennt sie vielleicht von den Second Hand Shops: Die Hilfsorganisation Oxfam. Was die Shops mit der Organisation zu tun haben und wie Entwicklungszusammenarbeit und Nachhaltigkeit zur Karriere werden können, erzählte Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, SPIESSER-Autor Paul am Mittagstisch.

28. Juni 2018 - 09:14
SPIESSER-Autor PaulausMdorf.
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PaulausMdorf Offline
Beigetreten: 18.05.2016

Was genau ist Oxfam?

Oxfam ist eine internationale Nothilfeund Entwicklungsorganisation. Wir setzen uns dafür ein, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen selbst schaffen können.

Marion Lieser

Marion Lieser war schon früh überall in der Welt unterwegs und hat sich bei Hilfsorganisationen engagiert. Sie hat Sozialpädagogik, Soziologie, Sozialarbeit und Umweltwissenschaften in  Deutschland und Kenia studiert. Nachdem sie bei diversen staatlichen und privaten  Hilfsorganisationen gearbeitet hat, war sie zunächst für die deutsche Entwicklungshilfe im Sudan tätig und ist dann zu einer internationalen Consulting-Firma gewechselt. 2012 kam Marion Lieser schließlich zu Oxfam Deutschland und arbeitet seitdem als Geschäftsführerin.

Du bist Geschäftsführerin bei Oxfam Deutschland e.V. Wie kam es dazu?

Zunächst habe ich Sozialpädagogik, Soziologie, Sozialarbeit und zum Schluss auch noch Umweltwissenschaften studiert. Also alles, was man im Allgemeinen als „brotlos“ bezeichnet. (lacht) Meine Zertifizierung zur Umweltwissenschaftlerin habe ich als letztes gemacht.

Wie bist du zur Entwicklungshilfe gekommen?

Ich hatte schon immer ein Interesse an Entwicklungszusammenarbeit. Ich wollte unbedingt ins Ausland und direkt helfen, habe aber schnell gemerkt, dass das alleine nicht ausreicht. Es ist wichtig, die Dinge langfristig anzugehen, gemeinsam mit lokalen Partnern, um den Menschen in die Lage zu versetzen, in der sie sich selbst helfen können. Neben dieser Hilfe zur Selbsthilfe habe ich mich auch viel mit humanitärer Hilfe beschäftigt und dafür unter anderem in Nairobi studiert. Mit Mitte Zwanzig ging ich zum deutschen Entwicklungsdienst und habe vier Jahre im Sudan gearbeitet. Sobin ich immer wieder mit NGOs (Nichtregierungsorganisationen) in Verbindung gekommen, die auch vor Ort tätig waren. Beispielsweise mit Ärzte ohne Grenzen und eben auch Oxfam.

Was unterscheidet Oxfam von anderen Organisationen?

Oxfam unterscheidet von anderen auch sehr guten und wichtigen Organisationen, dass es drei Dinge zusammenbringt: Erstens die Kampagnenarbeit, mit der wir mit wichtigen Themen an die Öffentlichkeit gehen. Zweitens die Programmarbeit, bei der wir im Ausland die Menschen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Drittens der humanitäre Ansatz. Diese Kombination ist ungewöhnlich. Normalerweise macht eine Organisation nur eines der Drei. Wir sind überzeugt davon, dass man vor Ort sein muss, um die Menschen in armen Ländern zu unterstützen. Doch langfristige Veränderungen sind nur möglich, wenn sich politisch etwas bewegt. Bei uns geht beides Hand in Hand.


Handfeste Argumente für Nachhaltigkeit.
Was erwiderst du auf den Vorwurf „Das Geld kommt nicht an“?

Das Geld kommt an, wenn auch nicht eins zu eins. Ich verstehe, dass Menschen das gerne möchten. Aber sie wollen auch, dass eine NGO transparent  arbeitet, die Öffentlichkeit informiert und die korrekte Umsetzung von Projekten überprüft. All das kostet Geld. Aber es gibt Vorgaben, wie viel das sein darf. Bei Oxfam fließen 88 Prozent unserer Einnahmen in die Projekt und Kampagnenarbeit.

Welche Jobmöglichkeiten hat man bei Oxfam?

Das ist ganz unterschiedlich! Man kann als Freiwilliger bei uns anfangen, im Oxfam-Shop oder als Konzertaktivist. Nach dem Studium als Projektmanager einsteigen oder auch ganz einfach im Vertrieb oder der Buchhaltung eine Ausbildung machen. Bei uns ist für jeden etwas dabei! Egal mit welchem Abschluss. Aktuelle Ausschreibungen stehen immer auf unserer Webseite.

Wie hat dein Job in deinen Lebenswandel beeinflusst?

Ich denke man kann die Arbeit, die ich leiste, nicht machen, wenn man das nicht auch lebt. Ich habe lange im Ausland gearbeitet, weiß wie es sich anfühlt tagelang keinen Strom oder Wasser zu haben. Alleine das hat dazu geführt, dass ich mich auch hier anders verhalte und einen anderen Blick auf Dinge habe. Wenn du vor Ort siehst, unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten und welchen Gefahren sie teilweise ausgesetzt sind, dann gehst du auch anders einkaufen.


Handfeste Argumente für Nachhaltigkeit

Oxfam ShopsWenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, stellt sich gern die Frage: Wohin mit dem Zeug? Die Oxfam Second-Hand Shops haben ein besonderes Konzept: Die Gewinne aus der hier verkauften Kleidung fließen nämlich – neben dem Erhalt der Shops – in die entwicklungspolitische Arbeit von Oxfam Deutschland e.V. Die Unterstützung könnt ihr in Form von Kleiderspenden oder auch durch ehrenamtliche Mitarbeit in einem der Shops leisten. Informiert euch auf shops.oxfam.de!

Text: Paul Hilliger
Foto: Tony Haupt

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