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Jacob Schrot: Sozialengagement ist kulturelles Bindemittel

Jacob Schrot, der Gewinner der ZDF-Show „Ich kann Kanzler“, ist ein Musterbeispiel für gesellschaftliches Engagement. Für Geben gibt. erzählt er, dass Ehrenamt hilft, eine gemeinsame Identität zu stiften.

26. Oktober 2010 - 14:52
SPIESSER-Autorin Stefanie Lodde Hirte.
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Stefanie Lodde Hirte Offline
Beigetreten: 19.04.2010

Jacob SchrotJacob Schrot, 20 Jahre, ist Student der Politikwissenschaft an der TU Dresden, führt Besuchergruppen durch den Sächsischen Landtag und ist durch die ZDF-Politiktalentshow „Ich kann Kanzler“ bekannt geworden. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er ein Multi-Engagierter, beispielsweise im Schulrat, als Mitglied der CDU, im Kinder- und Jugendparlament, bei UNICEF als Junior-Botschafter oder in Uganda als Entwicklungshelfer. Schaut doch mal auf seine Webseite!                       Foto: privat

Die erste Frage, die Jacob Schrot immer stellt, wenn er sich mit Schülern unterhält, lautet: „Wisst ihr denn, wer euer Schülervertreter ist?“ Oft kann das weder von den Schülern noch von den Lehrern bejaht werden. Schon das Wissen um die Schülervertretung ist Politik, wie auch jene Dinge des gesellschaftlichen Lebens, die getan, beantwortet und diskutiert werden müssen: Das Schulwesen, die Bahnfahrt, der Morgen-Kaffee – all das ist im weitesten Sinne politisch. Und somit geht Politik jeden etwas an, nicht nur die amtierenden Politiker und Parteien – davon ist Jacob fest überzeugt.

Was Jacob Schrot am meisten stört, ist, dass sich zwar alle über alles beschweren können, aber kaum jemand mal etwas gegen Missstände tut – sei es der marode Torpfosten auf dem Bolzplatz oder ein verwitterter Fußweg. Diese Beispiele waren Auslöser für seinen ersten Einsatz „im Dienst der Gesellschaft“, als er 15 Jahre alt war. Damals sammelte er zusammen mit anderen Mitschülern Unterschriften, ging zur Bürgermeisterin seiner Heimatstadt Brandenburg an der Havel und irgendwann war der marode Torpfosten wieder ein ansehnlicher Torpfosten.

Jugendliche wollen etwas bewegen

Seitdem engagiert er sich auf zwei Seiten: auf der jungen und auf der „erwachsenen“ Seite. Er will zum einen Jugendliche zum Engagement animieren – und sei es noch so klein, wie etwa wählen gehen. Zum anderen möchte er der älteren Generation klar machen, dass die junge Generation nicht so politikverdrossen ist, wie viele meinen: „Ich glaube, dass Jugendliche wirklich ein Interesse haben, sich zu engagieren, aber die Strukturen fehlen. Und die Strukturen, die da sind, nämlich die Parteistrukturen, sind zu verkrustet.“

„Der unmittelbare Kontakt zur Demokratie fehlt einfach. Und das ist der Grund, warum ich meinen Beitrag dazu leisten will." Jacob Schrot
Wollt ihr euch auch engagieren? Auf den Seiten von „Geben gibt.“ findet ihr Links, die euch weiterhelfen.

Der Wille, sich für die Gesellschaft zu engagieren sei da, das habe er vielfach erfahren, meint Jacob. Aber wo fängt man an, sich zu engagieren, wenn nicht in der Schulzeit? Einerseits werden einem dort oft keine Möglichkeiten aufgezeigt, wie oder wo man sich engagieren könnte. Gleichzeitig sind die Wege in die Politik oftmals nicht auf Jugendliche zugeschnitten. Dies hält Jacob Schrot für die zentralen Gründe, warum gesellschaftliches Engagement oft mit Sätzen wie „Das nützt doch eh nichts“ einhergeht.

Dabei gibt es vieles, dass man als Jugendlicher tun kann, findet Jacob: sich im Kreisschülerrat oder in der Schülervertretung engagieren, sich im Verein zusammenschließen, Unterschriften sammeln, zu Zeitungen gehen, selbst Initiative in Wort und Tat ergreifen, nicht von vornherein Engagement als nutzlos abwerten, Gleichgesinnte suchen, geeignete Anlaufstellen finden, öffentlichen Druck ausüben und vor allem: „Dranbleiben! Niemand sagt, liebe junge Leute, bitte engagiert euch doch, und es wird auch niemand sofort sagen, „Och, ich finde es klasse, dass ihr euch engagiert“. Aber am Ende, wenn ihr euer Projekt durchgezogen habt, ist es ein tolles Gefühl. Ihr könnt sagen, ich habe etwas erreicht.“

Jacob Schrot in UgandaAls Entwicklungshelfer betreute Jacob Kinder in Uganda.                                                 Foto: privat
Eine kulturelle Identität im Engagement finden
Preisverleihung am 4.12. in Berlin!

Deutscher Engagementpreis der Kampagne „Geben gibt.“: Das Voting ist vorbei. Mehr als 50.000 Menschen haben ihre Stimme abgegeben – Der Träger des Publikumspreises steht nun fest und wird zusammen mit den Gewinnern der Kategorien Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelperson, Wirtschaft, Politik & Verwaltung sowie Jugendengagement bei der feierlichen Verleihung des Deutschen Engagementpreises 2010 am 4. Dezember im Radialsystem in Berlin bekanntgegeben.
Wenn ihr selbst aktiv seid und andere davon überzeugen wollt, dann unterstützt die Kampagne „Geben gibt.“ auf Facebook, SchülerVZ oder StudiVZ und folgt ihr bei Twitter. Die Kampagne wird gefördert durch den Zukunftsfond der Generali Deutschland Holding AG und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Wer ihn trifft, hat den Eindruck, Jacob ist mehr Redner als Macher. Er hat das Talent, sein Wissen überzeugend darzustellen und er spricht natürlich die Sprache der Jugendlichen. Vielleicht kann er sie daher animieren, unseren Wohlstand, den wir in Deutschland genießen, sowie freies Lernen und Forschen nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sich für etwas einzusetzen und letztlich zu handeln. Insofern ist Jacob Redner UND Macher.

Er mag es, wenn junge Leute eine Überzeugung haben. Aber in einer Gesellschaft, die extrem pluralisiert ist, habe er trotzdem manchmal das Gefühl, dass es wenige Dinge gibt, die uns alle verbinden. Ihm fehlen Werte, von denen man sagt: „Das ist in unserem Land so, das verbindet uns – irgendeine kulturelle Identität.“ Und: „Die Kultur, dass man sich für etwas einsetzt und für eine Gemeinschaft etwas tut, die gibt es nicht mehr. Es wird immer gefragt, was darf ich und was nicht, was können die anderen für mich machen. Und nicht: Was kann ich für euch machen.“ Vielmehr solle sich aber jeder genau das fragen, nämlich was er der Gesellschaft zurückgeben könnte.

Und wenn jugendliches Engagement auf Skepsis in der älteren Generation stößt, rät Jacob: „Es geht nicht darum, dass jemand weniger Erfahrung hat, sondern vielmehr darum, dass jemand andere Erfahrungen hat. Junge Menschen können mit ihrer jungen Erfahrung so viel machen, so viel bewirken.“

Interview und Text: Stefanie Hirte

Sozialengagement ist für euch ein Begriff, der nicht beim ersten Lesen einleuchtet? Lest hier nach, was SPIESSER-Autorin Kristin dazu geschrieben hat!
Außerdem: Jacob erklärt auf SPIESSER.de fünf Begriffe aus der Politik.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit "Geben gibt. Bündnis für Engagement"

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