Schmökern

Jan-Uwe Thoms: „Wer Asylflut sagt, hat im Gehirn Ebbe“

Es hagelt Kritik. Kritik zu Problemen, für die wir verantwortlich sind und die unsere Kinder oder Enkelkinder später lösen müssen. Und dabei ist der Umgang mit Migranten einer von vielen Punkten.

02. April 2019 - 08:55
SPIESSER-AutorIn DennisZ.
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DennisZ Offline
Beigetreten: 27.11.2018

Worum geht’s?

Am Anfang weiß man gar nicht richtig, worum es jetzt geht. Der Prolog beginnt mit der Gleichstellung der Frauen, etwas Undenkbares vor 120 Jahren. Der Leitsatz „um zu verändern müssen wir beginnen bisher Undenkbares zu denken“ beginnt ab da und zieht sich durch das ganze Buch. Und so will Jan-Uwe Thoms das heutige Undenkbare in die Realität umwandeln. Nicht von jetzt auf gleich, denn dieser Prozess kann Generationen andauern. Von Egoismus, Welthunger bis hin zur Gülle ist alles dabei. Und Thoms fixiert sich nicht nur auf den Umgang mit Migranten oder Asylbewerbern, wie man es durch den Titel denken könnte. Er kaut nämlich jedes Thema durch, was die späteren Generationen betreffen wird.

Ein Thema umfasst ein Kapitel und endet mit einem kleinen Fazit von Jan-Uwe Thoms und/oder einem Lösungsvorschlag zum genannten Problem. Aber dabei wirkt er erstaunlicherweise nicht wie ein motziger Lehrer, der alles besser weiß und mit dem erhobenen Finger rum wedelt, sondern überbringt die Probleme sachlich und faktenbasiert. Ein Hauch von Sarkasmus lässt dabei die Daseinsberechtigung der Probleme in Frage stellen.

Wer Asylflut sagt, hat im Gehirn Ebbe

Autor: Jan-Uwe Thoms
Verlag: make a book
Veröffentlichung: 12. Dezember 2018
Seitenzahl: 120

Wer steckt dahinter?

Jan-Uwe Thoms steckt hinter „Wer Asylflut sagt, hat im Gehirn Ebbe“. Er ist 1944 in Flensburg geboren und dort aufgewachsen. Nachdem er sein Abitur fertig hatte, ging er für ganze 25 Jahre zur Bundeswehr. In seinem Buch „Damals beim Bund – Erinnerungen aus Absurdistan“ hat er diese Zeit festgehalten. Mittlerweile ist er 75 Jahre alt und hat insgesamt acht Bücher veröffentlicht.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit etwa 120 Seiten ist das Buch schnell durchgelesen und bringt die Kritik Thoms‘ kurz und knapp auf den Punkt. Aber der Umgang mit den einzelnen Themen, vor allem wenn man zu ihnen einen persönlichen Bezug hat, fühlt sich an wie ein dicker Schinken im Hals. Es ist bewundernswert, wie er so umfangreiche Themen im Durchschnitt auf drei Seiten ausführen kann.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Der beste Platz wäre der Sessel oder eine lange Bahnfahrt.  Manchmal braucht man nach einem Kapitel seine Ruhe, um zu reflektieren wie man zu einem besseren Alltag beitragen kann. Das Buch regt nämlich zum Nachdenken an und bei Lärm kann man keinen richtigen Gedanken zu den Kapiteln fassen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Man denkt gar nicht richtig darüber nach das Buch wegzulegen und „Zack!“ – es ist plötzlich fertiggelesen. Die 120 Seiten hat man schnell durch, ohne es wirklich zu realisieren. Eine Spannungskurve im klassischen Sinne gibt es gar nicht, weil jedes Thema individuell spannend ist und für jeden eine andere Bedeutung hat. Die Spannung bestimmen wir sozusagen selbst. Jan-Uwe Thoms hat einen angenehmen Schreibstil, sodass man sich nicht in die Enge gedrückt gefühlt, während man eigentlich gerade eine Standpauke gehalten bekommt. Definitiv eine 10!

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Man kann es wirklich jedem ausleihen. Es gibt in dem Sinne ja keine richtige durchgängige Geschichte, sondern viele gleichzeitig und da es sich mehr oder weniger um eine Kritik handelt, findet der Leser immer ein Thema, das er kennt oder ihn sogar betrifft. Natürlich wäre es perfekt, wenn man es den Hauptakteuren schenkt, die für die Probleme verantwortlich sind, und sie dann idealerweise das Problem lösen.

Lieblingszitat:

„Wie kann es eigentlich sein, dass in Deutschland jede Milchkuh stärker gefördert wird, als ein Kind aus prekären sozialen Verhältnissen?" (S. 25)

In drei Worten:

kritisch, lösungsfindend (und dabei trotzdem) sympathisch.

 

Text & Teaserbild: Dennis Zastawny

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