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Jo Schück: Nackt im Hotel – Wie Freundschaft der Liebe den Rang abläuft

Frauen und Männer, Liebe, Familie und Freundschaft, F+ oder Beziehung: In seinem neuen Buch „Nackt im Hotel“ analysiert der Journalist Jo Schück unser gesellschaftliches Zusammenleben. SPIESSER-Autorin Annika hat mehr über die unterschiedlichen Formen zwischenmenschlicher Beziehungen in Erfahrung gebracht.

13. März 2020 - 14:39
SPIESSER-Autorin Little Miss Wonder.
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Little Miss Wonder Offline
Beigetreten: 29.05.2013

Worum geht’s?

Moderator und Journalist Joe Schück wagt einen Versuch, unser gesellschaftliches Zusammenleben in Worte zu fassen. Es geht um Freundschaft, Liebe und Familie. Insbesondere jedoch um die Frage: Wie wollen und wie werden wir zukünftig leben? In Zeiten der Globalisierung, sich wandelnden Rollenbildern, F+, Regenbogenfamilien und Social Media ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Die Gesellschaftsanalyse des Autors basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, eigenen Erfahrungen, wahren Begebenheiten und erfundenen Kurzgeschichten, Zeitgeist-Phänomenen und kritischen Beobachtungen – kurz gesagt: ein Sammelwerk an Überlegungen.

„Nackt im Hotel – Wie Freundschaft der Liebe den Rang abläuft“

Autor: Jo Schück
Veröffentlichung: 13. März 2020
Seitenzahl: 256

Wer steckt dahinter?

Hinter dem Buch steckt Jo Schück, ein Kultur- und Politikjournalist aus Berlin. Mit seinem Faible für große und kleine Bühnen im Fernsehen, auf Festivals und bei Podiumsdiskussionen landete Schück nach einem Volontariat beim ZDF. Schück ist einer der Hauptmoderatoren von zdf.kultur, dem ersten öffentlich-rechtlichen Popkulturkanal. Seit 2014 moderiert er das Format aspekte im ZDF, ebenso wie die Konzertreihe zdf@bauhaus und weitere politische Spezialformate. Für seine Arbeit erhielt Schück verschiedene Auszeichnungen, u.a. den Axel-Springer-Preis und den CNN Journalist Award.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit exakt 243 Seiten genau richtig. Der Autor nimmt seine Leser mit auf verschiedene Städtetrips nach Ibiza, Münster, Weimar, Warschau, Hamburg und Berlin. Mit jeder Stadt leitet er ein neues Kapitel ein, indem er eine Alltagssituation schafft, über die er im Anschluss nachdenkt und recherchiert. Schück beschäftigt sich mit Orten, Zweifeln, Schluss machen, Digitalisierung, Paradoxen, Geschichten und Geschlechtern. Auf diese Weise behandelt jedes Kapitel eine andere Situation und am Ende ergeben die Einzelteile ein zusammenhängendes Fazit.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

„Nackt im Hotel“ ist der ideale Begleiter für unterwegs. Die Kapitel sind kurz und bündig, die Sprache einfach und unterhaltend. Ganz nebenbei gibt es Exkurse in die Geschichte, Psychologie und Philosophie. Wer zwischendurch etwas Zeit übrig hat, sollte sich auf jeden Fall mit dem vorherrschenden Geschlechter-, Rollen- und Familienbild auseinandersetzen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Von mir kriegt das Buch eine 7. Es bearbeitet eine große Bandbreite an Themen und verliert nie die Fragestellung aus dem Blick, warum wir mittlerweile mehr Wert auf Freundschaft legen sollten als auf die Liebe. Dennoch erarbeitet Schück seine Theorien auf sehr kurz angebundenen und subjektiven Wegen. Man kann das Buch als kritischen Denkanstoß betrachten, aber die einleitenden Kurzgeschichten und daraus resultierenden Überlegungen sind sehr oberflächlich. Ich würde es jedem Interessierten als Wegweiser empfehlen, um einen ersten Einblick in die Thematik zu erhalten. Tiefergehende Recherchen und eine Reflexion über unser aktuelles Gesellschaftssystem sind jedoch unerlässlich.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Die neugierige Soziologie-Kommilitonin und der coole WG-Mitbewohner würden das Buch von mir als erstes bekommen. Danach würde ich es in einen offenen Bücherschrank stellen und hoffen, dass das Buch bei so vielen Menschen wie möglich landet, damit traditionelle Rollenbilder kritischer betrachtet werden und die Menschen verstehen, dass eine Familie nicht zwingend aus der Konstellation Mutter + Vater + Kind bestehen muss. Über manche Aspekte würde ich gerne mit dem Autor diskutieren, aber in einem hat er Recht: Egal in welchem familiären, sozialen und emotionalen Zustand wir uns befinden, für gute Freunde sollte stets Platz in unserem Leben sein.

Lieblingszitat:

„Freundschaft ist frei zugänglich für alle, ob arm oder reich, ob belesen oder bildungsresistent, ob jung oder alt. Sie ist ein internationales, universalistisches, freiheitliches und egalitäres Konstrukt und damit hochpolitisch.“ (S. 30)

In drei Worten:

informativ, psychologisch, nachdenklich

 

Text & Teaserbild: Annika Stuke
Coverfoto: dtv

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