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Jochen Veit: „Mein Bruder, mein Herz“

Die Geschichte der Brüder Stephan und Bruno, deren Eltern vor drei Jahren verschwunden sind, ist die Geschichte eines Verrates, eines zurückgelassenen Bruders und die Geschichte eines dunklen Geheimnisses. SPIESSER-Auto Kevin hat Jochen Veits „Mein Bruder, Mein Herz“ für euch gelesen.

26. März 2019 - 16:33
SPIESSER-AutorIn Kevin Groth.
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Kevin Groth Offline
Beigetreten: 15.01.2019

Worum geht’s?

Stephan und Benno sind zwei Brüder, die ein nicht geringer Altersunterschied von 13 Jahren voneinander trennt. Mit dem Verschwinden der Eltern vor drei Jahren bricht auch Stephan mit seinem Heimatdorf im Schwarzwald, um die Freiheit der Großstadt erleben zu können und lässt seinen kleinen Bruder im Schatten der übermächtigen Berge zurück. Nun, drei Jahre später, kehrt Stephan unter dem Vorwand zurück, am dritten Jahrestag seit Verschwinden der Eltern zwei Bäume im Garten seines Familienhauses im Gedenken an sie pflanzen zu wollen.

Doch schnell wird dem Leser klar, dass es einen anderen Grund gibt, weshalb Stephan in seine alte Heimat zurückgekehrt ist. Mit alten Schuldgefühlen und dem Gefühl von Verrat sieht er sich mit einem Bruder konfrontiert, der in den drei Jahren von einem Kind zu einem jungen Mann herangereift ist und mit dem er sich komplett verfremdet hat. So befindet sich Stephan, zurück an dem Ort, den er damals nicht schnell genug verlassen konnte, zwischen dichten dunklen Wäldern, riesigen Bergen aus grauem Stein und seinen eigenen fiebrigen Albträumen. Die Luft lässt sich nicht nur durch das schwüle Wetter und Stephans Krankheit förmlich schneiden, sondern auch durch Angst, Wut und Zweifel, die in jedem Kapitel mitschwingen.

So hat man das Gefühl, mit den beiden Brüdern und Alfred, einem Mann, dessen wahrer Name vergessen und durch den von Batmans Butler ersetzt wurde, im Schwarzwald vollkommen allein zu sein. Alfred, der älteste Freund der Eltern, äußert einen dunklen Verdacht und merkt, dass Benno sich nicht zum Besseren entwickelt hat. Er hofft, in Stephan einen Unterstützer zu finden, um einem Geheimnis auf die Spur zu kommen.  

Bei den Spaziergängen kann man förmlich die Kiefern und den morastigen Boden im sich wild wuchernden Wald riechen. Die sich durch das gesamte Buch ziehende Krankheit Stephans, lässt einen selbst das Gefühl eines kratzenden und brennenden Halses bekommen.
Die Geschichte eines Verrates. Die Geschichte eines zurückgelassenen Bruders. Die Geschichte eines dunklen Geheimnisses. So kommt man zwischen starkem Regen und schwüler Hitze dem wahren Grund des Verschwindens der Eltern auf die Spur.

Mein Bruder, mein Herz

Autor: Jochen Veit
Verlag: Arche Literatur Verlag AG
Veröffentlichung: 22. März 2019
Seitenzahl: 186

Wer steckt dahinter?

Jochen Veit, 1992 geboren, lebt heute in Köln und studierte Philosophie und Komparatistik in Mainz und Wien. 2016 war er Stipendiat der Jürgen-Ponto-Stiftung. Er nahm 2018 am Literaturkurs in Klagenfurt teil. Mehrere seiner Texte erschienen in Literaturzeitschriften und Anthologien, u.a. in „Krachkultur“ und „Still“.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit 186 Seiten und seinen kurzen Kapiteln ein gut zu lesendes aber nicht zu knapp gehaltenes Buch.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Zu empfehlen ist es denjenigen, die gerne mal abtauchen in eine dunkle minimalistische Welt. Es lässt sich am besten an regnerischen Tagen bei ruhiger Atmosphäre oder auf dem Weg mit dem Zug in die alte Heimat lesen. Die düstere Stimmung lässt einen schnell melancholisch werden.

Auf einer Skala von 1-10: Wie schwer ist es das Buch wegzulegen?

Die Spannung des Buches bleibt auf einem stetig gleichbleibenden Niveau und es ist einem relativ früh bewusst, was wirklich geschah. Stephans Fieberträume am Anfang von fast jedem Kapitel lassen einen für kurze Zeit in eine Art Parallelwelt abtauchen. Was die Spannung angeht, eine solide 6. Was die gesamte, sehr erdrückende Umgebung angeht, eine 8.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

„Mein Bruder, mein Herz“ ist für die Leute interessant, die sich nicht unbedingt nach einem Happy End am Ende eines Buches sehnen. Vielleicht auch für Geschwister, als Mahnung, immer zusammenzuhalten und sich nicht auseinander zu leben.

Lieblingszitat

Auf den ersten Seiten telefoniert Stephan mit seiner Freundin Nina. Sie sprechen darüber, dass der Empfang schrecklich ist und nur eine Stelle auf dem Berg dazu dient, die Außenwelt zu erreichen. Nina: „Wo zur Hölle bist du?“ - Darauf sagt Stephan: „Im Inneren des Gebirges“. Das beschreibt das Buch am besten.

In drei Worten.

düster, bedrückend, Schwarzwald

 

Text & Teaserbild: Kevin Groth

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