Kinofeeling

Jugend ohne Gott

Intelligenztests, Konkurrenzkampf, Leidensdruck – der Streifen erzählt von einer Leistungsgesellschaft ohne Miteinander und Wertgefühl. Eine filmische Dystopie, die in naher Zukunft spielt, aber erstaunlich viel Jetzt-Zeit-Gefühl hervorruft. Sehenswert? Das berichtet euch SPIESSER-Autorin Sophie.

06. September 2017 - 09:26
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
Noch keine Bewertungen
sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012

Worum geht's?

Zach, Nadesh und Titus leben als Kinder wohlhabender Eltern auf der Sonnenseite einer Gesellschaft, in der die Kluft zwischen arm und reich sehr groß ist. Dank ihres familiären Backgrounds scheinen ihnen die Türen für eine erfolgreiche Zukunft offen zu stehen. Sich dessen bewusst, nehmen sie als Auserwählte an einem elitären Hochleistungscamp teil, das darauf abzielt, den Besten der Gruppe Zugang zur renommierten Rowald-Universität zu gewähren. Hier zählen vor allem Gruppendynamik, Transparenz und Angepasstheit an das System.

Doch Zach stößt dabei immer wieder an seine Grenzen und beginnt, nicht nur das Vorgehen im Camp, sondern auch die vorherrschende Gesellschaft kritisch zu hinterfragen. In seinem Tagebuch lässt er seinen Gedanken freien Lauf und weckt damit die Neugier seiner Mitschüler und auch seines Lehrers. Als im ganzen Camp ein Streit um das plötzlich verschwundene Tagebuch entfacht, in den auch Zachs heimliche Affäre Ewa verwickelt ist, überschlagen sich die Ereignisse.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪

Wer spielt mit?

Jannis Niewöhner brilliert in „Jugend ohne Gott“ in seiner expressiven Rolle als Hauptcharakter Zach. Als seine Mitschüler sind Alicia von Rittberg als Nadesh sowie Jannik Schümann als Titus zu sehen. Emilia Schüle übernimmt die Rolle der geheimnisvollen und kriminellen Ewa, die Zach in eine verhängnisvolle Affäre verwickelt. Große Emotionen zeigt vor allem Fahri Yardim als Lehrer. An seiner Seite überzeugt Anna Maria Mühe als Campleiterin und Psychologin Loreen und auch Iris Berben unterstützt die berühmte Filmcrew in ihrer Gastrolle als Schulleiterin des Gymnasiums.

Filmischer Augenschmaus?

Der Film arbeitet mit kühlem Licht, präzise aufeinander abgestimmten Bilddetails und weite Aufnahmen naturgewaltiger Szenen. Trotz extremer Kontraste und einer Verfilmung in Mehrperspektivigkeit, zieht sich eine einheitliche Ästhetik durch den Film, die optisch äußerst hochwertig wirkt.

Gibt’s was zu meckern?

Mit fortschreitender Handlung zeigt sich der Film immer überspitzter und damit abstrakt. „Weniger ist mehr“ wäre hier das passende Motto, denn die Botschaft dahinter versteht man auch so.

Braucht man Taschentücher?

Nicht einmal die Sensiblen unter euch, die angesichts mangelnder Gerechtigkeit und Chancengleichheit etwas aufgebracht reagieren könnten, müssen bei „Jugend ohne Gott“ zum Taschentuch greifen. Kopfschütteln oder entrüstetes Aufschreien wären hier angebrachter.

Mit wem angucken?

Als ein Film mit starker Botschaft eignet er sich nicht nur als Abendunterhaltung für Jannis-Niewöhner-Fans, sondern ebenso für die politikaffinen Kapitalismuskritiker im Freundeskreis.

Fanpaket gewinnen!
Wir verlosen ein Fanpaket bestehend aus einem Kinoplakat, 2 Kinotickets und Kopfhörern HD 4.20s von Sennheiser! Hier geht's zum Gewinnspiel!

 

Was macht man danach?

Den äußerst gutaussehenden Jungschauspielern nachträumen, auf eine herzlose und ungerechte Gesellschaft schimpfen oder angesichts der Thematik über das wirksame Filmmarketing schmunzeln, das sarkastischerweise auf die Créme de la Créme des Schauspielbusiness setzt. Klassifizierungen, von denen sich der Film in seiner Botschaft abzugrenzen versucht.

In 3 Worten:

Spannend, aufrüttelnd, düster

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Egal, ob im Kino oder auf dem heimischen Sofa abgespielt, „Jugend ohne Gott“ ist eindeutig ein sehenswerter Film.

Mainstream oder Independent?

Trotz spezieller und sehr gesellschaftskritischer Thematik richtet sich der Film an ein junges, aber interessenspezifisch sehr breites Publikum und versucht, sich neben hochwertiger Produktion auch über die Bedeutung der gewählten Jung-Schauspieler zu verkaufen. Das macht ihn definitiv zum Mainstream-Film.

Jugend ohne Gott

Regie: Alain Gsponer
Darsteller: Jannis Niewöhner, Fahri Yardim, Emilia Schüle, Jannik Schümann, Alicia von Rittberg, Anna Maria Mühe, Rainer Bock, Katharina Müller Elmau, Iris Berben
Kinostart: 31. August 2017
Filmlänge: 114 Minuten
Genre: Science-Fiction, Drama
FSK: 12

 

Text: Sophie Lorraine Senf
Bildmaterial: © 2000-2017 Constantin Film Verleih GmbH

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Trau' dich, schreib einen Kommentar!
Mehr zum Thema „Kinofeeling
  • Onlineredaktion
    Kinofeeling

    Under the Tree

    In dieser schwarzen Komödie dreht sich alles um den namesgebenden Baum. Wegen ihm eskaliert ein Nachbarschaftsstreit, aus welchem sich eine verrückte Geschichte mit einigen Überraschungsmomenten entwickelt.

  • Sofie Silber
    Kinofeeling

    Serienfeeling: The Rain 2

    Vorsicht, Gänsehautmomente garantiert! Schließlich geht die dänische Erfolgsserie „The Rain“, Eigenproduktion aus dem Hause Netflix, in die zweite Runde. Ob die Serie den Ansprüchen der ersten Staffel gerecht wird und sich aus der breiten Masse hervorhebt?

  • Miss little P
    Kinofeeling

    Royal Corgi – Der Liebling der Queen

    Ein Animationsfilm über eine royale Hunderasse? SPIESSER-Autorin Sarah hat er als kurzweiliger, niedlicher Zeitvertreib gut gefallen, mehr aber auch nicht – für die Kleinsten ist der Film aber definitiv ein Hit.

  • Kalendermensch
    3
    Kinofeeling

    Filmfest Dresden: Lasst die Tränen fließen

    Dass SPIESSER-Autor Vincents Magen momentan aufgrund einer Popcorn-Überdosis implodiert, zeigt nur, dass das 31. Dresdner Kurzfilmfestival einwandfrei kuratiert war. Die letzten sechs Tage hat Vincent sich in den Kinosälen der Landeshauptstadt verkrümelt und weiß jetzt, wie er in

  • Onlineredaktion
    Kinofeeling

    Berlin Bouncer

    Drei Geschichten aus dem dreckigen Berlin.

  • Kalendermensch
    Kinofeeling

    Filmfest Dresden: Mal so richtig den Kopf waschen

    Seht, was wir zu fürchten und was zu hoffen haben: Das Filmfest Dresden feiert in diesem Jahr die Vielfalt und zeigt vom 9. bis 14. April unter anderem Schwarzweißfilme, die von vibrierenden Mobiltelefonen infiltriert werden. SPIESSER-Autor Vincent hat sich das Programm unter den Nagel gerissen.

  • VivElla
    Kinofeeling

    Serienfeeling: Hackerville

    Wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine überraschend langweilige Story.

  • strumpfmitloch
    Kinofeeling

    Wintermärchen

    Drei junge Menschen in Deutschland, die versuchen ihrem Leben einen Inhalt zu geben. Der Plan: als Terrorzelle Ausländer ermorden. Die reale Vorlage für den fiktiven Spielfilm: der „Nationalsozialistische Untergrund“ und seine Taten. Regisseur Jan Bonny stellt das Leben von jungen

  • Miss_Sophia_
    Kinofeeling

    Destroyer

    Ein „wandelnder, in Alkohol zerfließender Zombie“, das „Zugpferd“ in wunderbarer Maske und auf der Suche nach Vergeltung – „Destroyer“ mit Nicole Kidman in der Hauptrolle hat SPIESSER-Autorin Sofie ziemlich geflasht. Verschiedene Feinheiten in der Machart

  • Pinguin von Nebenan
    Kinofeeling

    Serienfeeling: Arthurs Gesetz

    In sechs Episoden a 45 Minuten wird es in „Arthurs Gesetz“ immer blutiger. Mit Jan Joseph Liefers in der Hauptrolle, Nora Tschirner mit sagenhaften Augenbrauen und stellenweise malerischen Aufnahmen sorgt die Serie dafür, dass man sich freut, es selbst so gemütlich zu haben.

  • Helen16
    Kinofeeling

    Die Schule auf dem Zauberberg

    Wer entscheidet über unseren Platz in der Welt, unsere Zukunft? „Die Schule auf dem Zauberberg“ ermöglicht einen Einblick in eines der teuersten Internate der Welt, wirkt teilweise fast inszeniert und stellt dabei Fragen, die mit Geld nichts zu tun haben.

  • Sophia Marti y Schiebel
    Kinofeeling

    Capernaum – Stadt der Hoffnung

    Zain hat eine große Klappe und viel Mut und er tritt vor Gericht, um seine Eltern anzuklagen: dafür, dass sie ihn auf die Welt gebracht haben. SPIESSER-Autorin Sophia hat die Geschichte und die schauspielerische Leistung des unperfekten Helden tief beeindruckt.

  • Pamina96
    5
    Kinofeeling

    Robin Hood

    Dieser Kinofilm lässt mit Robin Hood als charmantes Schlitzohr die Legende in moderner Inszenierung wiederaufleben. SPIESSER-Autorin Fabienne war für die Neu-Adaption des Klassikers über den pfiffigen Bogenschützen im Kino.

  • Kirschblütenrot
    5
    Kinofeeling

    Mortal Engines:
    Krieg der Städte

    Eine düstere Dystopie, in der die Rettung der Welt in den Händen eines launischen Teenagers liegt – Schnarch! Muss man solche Handlungen denn wirklich nochmal sehen? Ja, man muss, findet unsere SPIESSER-Autorin Stephanie und verrät euch, warum das Fantasy-Epos eure Zeit wert ist.

  • VivElla
    Kinofeeling

    Kraus: „Eure Kinder“

    „Eure Kinder werden so wie wir“ – Silvester vor zwei Jahren inspirierte dieser Slogan der linken Gegenproteste der Pegida-Bewegung Michael Krause, Songwriter und Frontmann der Band „Kraus“, den Verlauf seiner Jugend aufzudröseln. Aus diesen Gedanken zu den letzten 25

  • sophielorraine.senf
    Kinofeeling

    „Ich steh total auf Horror“

    Achtung, jetzt wird’s schaurig! Denn Kiernan Shipka und Ross Lynch, die Teenie-Stars der neuen Netflix-Produktion „Chilling Adventures of Sabrina“, stehen auf Angstschweiß und Gänsehautfeeling. Im Interview sprachen sie mit SPIESSER-Autorin Sophie über Halloweenpartys,

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    Kinofeeling

    Projekt: Antarktis

    Ein Film, der eine Reise in die Antarktis erzählen sollte, dann aber zu einem Film über das Filmemachen unter gewagten Bedingungen wurde. Wieso SPIESSER-Autor und Videojournalist Christian teilweise kaum hinsehen konnte, lest ihr hier.

  • sophielorraine.senf
    Kinofeeling

    Kinofeeling: Chilling Adventures of Sabrina

    Halloween-Freunde aufgepasst: Es gibt düstere News von Sabrina Spellman! Die Halbhexe, die schon seit den 90ern bekannt ist, lebt als junge Feministin neu auf. In „Chilling Adventures“ verzaubert sie damit nicht nur Freunde und Mitschüler, sondern auch die dunklen Mächte, die

  • Individuot
    Kinofeeling

    Elite

    Wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus aufeinander treffen, kracht es meistens. Auch in „Elite“ kracht es, als drei Jugendliche nach dem Einsturz ihrer öffentlichen Schule auf eine Privatschule wechseln. Es entstehen unerwartete Verbindungen, schockierende Offenbarungen und

  • Individuot
    5
    Kinofeeling

    Utøya 22. Juli

    Sagt euch das Datum 22. Juli 2011 was? Ja, da meldet sich was in den hintersten Erinnerungsschichten? Dann wird es Zeit, dass wir uns erinnern an Utøya, an einen rechtsterroristischen Anschlag, an 77 Kinder und Jugendliche, die an dem Tag ermordet wurden.

  • Individuot
    Kinofeeling

    Final Stop

    In diesem Kurzthriller wird ein klassisches Moment gezeigt: die schöne junge Frau, die von einem Mann mit dunkler Kapuze verfolgt wird. Was bei dem Film die Härchen aufstellt, sieht man allerdings nicht – man hört es. Dahinter steckt das AMBEO Smart Headset von Sennheiser.

  • sophielorraine.senf
    Kinofeeling

    Das schönste Mädchen der Welt

    Die neue Mitschülerin Roxy verdreht allen Jungs den Kopf. Wäre nur nicht Cyrils „Hammernase“, hätte auch er realistische Chancen bei ihr. Doch ist Äußeres, was in der Liebe wirklich zählt? SPIESSER-Autorin Sophie hat die Komödie auf Tiefsinn getestet.

  • Miss_Sophia_
    Kinofeeling

    Grüner wird's nicht

    Es grünt so grün … oder? Leider nicht mehr für Schorsch. Seine Gärtnerei steht vor dem Aus – und nicht nur die. Er entflieht aus seinem drögen Leben. Wie er das macht und wem er dabei begegnet, weiß SPIESSER-Autorin Sophia.

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kinofeeling

    Egal was kommt

    Auch wenn der letzte wirklich coole Motorradfahrer Werner war, ist die Faszination für „die Maschine“ beständig. Wenn das dann auf die Sehnsucht nach der weiten Welt trifft und jemand ein paar Kameras laufen lässt, dann steht einer Dokumentation über eine Weltumrundung

  • Lena B.
    Kinofeeling

    Ant-Man and the Wasp

    Das Marvel-Universum ist um einen Film reicher. Mit Ant-Man and the Wasp kommt die Fortsetzung des Films um den wohl kleinsten großen Helden der Marvel-Reihe in die Kinos. SPIESSER-Autorin Lena ist nicht restlos überzeugt.

  • sophielorraine.senf
    Kinofeeling

    Könige der Welt

    „Union Youth“ sind Kleinstadtkinder als sie 2001 weltweit mit ihrer Musik erfolgreich werden. Doch wegen Drogen, Kontrollverlust und zerbröckelnder Freundschaft legen sie nur fünf Jahre später ihre Karriere auf Eis. Als „Pictures“ wagen sie nun einen Neuanfang.

  • pumpkinprincess
    Kinofeeling

    303

    Jule und Jan, ein altes „303“-Wohnmobil und ihre lange Fahrt in den Süden. Ein romantisches Roadmovie zwischen Fernweh und dem Wunsch, endlich irgendwo anzukommen. SPIESSER-Autorin Amelie findet: Sehr gelungen.

  • filmfreak
    5
    Kinofeeling

    Foxtrot

    Der Nah-Ost-Konflikt – auf den ersten Blick sicher kein Stoff für eine Komödie – auch wenn es sich um eine Tragikkomödie handelt. SPIESSER-Autor Jonathan ist dennoch hin und weg von dem bildgewaltigen Werk von Regisseur Samuel Maoz. Warum? Lest einfach selbst!

  • Em
    Kinofeeling

    LOMO – The Language
    of Many Others

    Karl ist 18, Schüler und betreibt erfolgreich den Blog LOMO – The Language of Many Others. Doch sein Leben nimmt eine starke Wendung, als er ein Sex-Tape seiner Mitschülerin postet. Karl verliert sich mehr und mehr in der illusionierenden Welt des Internets.

  • Pamina96
    Kinofeeling

    The Rider

    Als der Cowboy Brady Braeburn nach einem schweren Reitunfall seine Rodeo-Karriere beenden soll, setzt er alles daran, um seinen Traum nicht aufgeben zu müssen. SPIESSER-Autorin Fabienne hat die wahre Geschichte, die im Pine-Ridges-Reservat in Amerika spielt, für euch im Kino gesehen.