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Jussi Adler-Olsen: „Selfies“

Was an dir bist du selbst? Und was an dir ist das Produkt des Einflusses der Gesellschaft und deiner Umgebung? Nachdem SPIESSER-Autorin Sarah den Thriller „Selfies“ von Jussi Adler Olsen gelesen hat, beschäftigt sie sich mit der Frage noch mehr als vorher.

25. Juni 2019 - 09:38
SPIESSER-Autorin Sarah.
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Sarah Offline
Beigetreten: 26.04.2009

Worum geht’s? – Selbstreflektion, Selbstjustiz und die Vergangenheit

Wer ist gut und wer ist böse? Wer hier die Täterin ist, darüber muss ich als Leserin nicht lange spekulieren. Der Thriller ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Eine davon ist die der Täterin. Wer gut und böse ist, scheint sich hier also schnell geklärt zu haben. Der Spannung der Geschichte steht diese Tatsache nicht im Wege. Klar, es ist spannend selbst die Zusammenhänge herauszufinden, aber mindestens genauso spannend ist es, Kommissar Carl Mørck dabei zu begleiten, sie zu finden. Wo sind die Zusammenhänge zwischen einer ermordeten alten Frau, Sozialhilfeempfängerinnen, denen im Leben nie was geschenkt wurde, und einer Polizei-Assistentin mit einem sehr seltsamen Verhalten?

Doch eine wild gewordene Serienmörderin ist nicht das einzige, was zum Problem wird. Das Sonderdezernat Q, in dem Carl Mørck gemeinsam mit seinem Kollegen Assad arbeitet und alte Fälle löst, soll geschlossen werden. Der Grund dafür: eine angeblich zu geringe Aufklärungsquote. Doch sie selbst sehen das anders. Nun müssen Beweise für das Gegenteil her – und dafür brauchen sie Hilfe. Als ob das nicht genug wäre, geht es Rose, Carls Assistentin, auf die er sich immer verlassen kann und die ihm sehr wichtig ist, immer schlechter. Warum? Auch das gilt es herauszufinden.

„Selfies“

Autor: Jussi Adler-Olsen
Veröffentlichung: 24. Mai 2019
Seitenzahl: 572

In „Selfies“ treffen verschiedene Fälle und Schicksale, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, aufeinander. Mit der Zeit werden die Verbindungen immer klarer. Die Verwendung der verschiedenen Perspektiven kann schwierig sein, sogar daran hindern, in das Geschehen einzutauchen. Doch auch wenn sie manchmal verwirrend sein können, stören sie nicht. Vielmehr helfen sie mir, mich noch mehr in die Geschehnisse zu vertiefen. So sehr, dass ich manchmal Abstand nehmen muss, um mich von einer Sicht nicht komplett einnehmen zu lassen.

Genau das ist ein gutes Zeichen für das Buch. Auch, oder gerade weil es mich darüber hinaus immer weiter über die Gesellschaft, einzelne Schicksale und deren Folgen nachdenken lässt.

Wer steckt dahinter?

Jussi Adler Olsen ist ein dänischer Schriftsteller, der 1950 in Kopenhagen geboren wurde. Dort spielt auch dieser Thriller. Adler-Olsen ist Sohn eines Psychiaters und hat selbst unter anderem Medizin studiert. So komme ich schnell zu dem Schluss, dass es ihm deswegen so gut gelingt, psychisch kranke oder verwirrte Charaktere so nah und authentisch darzustellen.
In seiner Freizeit restauriert er alte Häuser. Vielleicht eine kleine Parallele zu seinem Protagonisten Carl Mørck, dessen Aufgabe es ist, alte Fälle wieder aufzurollen und zu lösen?

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit 572 Seiten definitiv ein dicker Schinken, der mir beim Lesen aber nicht so dick vorgekommen ist.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Am Anfang nur für den gemütlichen Sessel – also dann, wenn man alles erledigt hat und in Ruhe lesen kann. Ab der Hälfte ungefähr dann aber auch für den Bus, die Kaffeepause oder alle anderen Gelegenheiten.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

1 bis 10 – einmal die komplette Skala durch! Am Anfang ist es kein Problem, nach einem Kapitel zwei Tage Pause zu machen. Aber mit jeder Seite hat mich das Buch mehr gefesselt. Am Ende konnte ich es nur im Notfall aus der Hand legen. Zwei Tage Pause hätten mich hier nicht mehr schlafen lassen.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Dem engagierten Kommilitonen, der hinter jedem Verbrechen zuerst sieht, warum die Menschen dazu gekommen sind, so zu handeln, wie sie es getan haben.

Lieblingszitat:

Die Ambivalenz, die sich durch das Buch zieht, spiegelt sich auch darin wieder, wie über einen Mord gesprochen wird. Besonders ergreifend finde ich deswegen dieses Zitat:

„‚Und als sie schließlich auftauchten, zogen die Gewissensqualen in die eine Richtung und die Hoffnung ungestraft davonzukommen in die andere.’ Er sah sie flehend an. ‚Können Sie das nachvollziehen?‘“

In drei Worten:

ambivalent, fesselnd, berührend

Text & Teaserbild: Sarah Küster
Coverfoto: dtv

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Das Zitat zeigt die Zerissenheit des Buches wieder,einerseits Gewissen andererseits Vergeben von Strafe.

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