Kinofeeling

Kinofeeling: Der Geburtstag

Surreal, teils düster, schwarz-weiß: Unter der Regie von Carlos A. Morelli kommt ab 25. Juni „Der Geburtstag“ in die Kinos. Ein gelungener Kontrast zum sonstigen Kinoprogramm, findet SPIESSER-Praktikantin Lara und hat den Film für euch genauer unter die Lupe genommen.

18. Juni 2020 - 09:42
SPIESSER-AutorIn rasolara.
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rasolara Offline
Beigetreten: 08.06.2020

Worum geht's?

Lukas (Kasimir Krause) feiert seinen siebenjährigen Geburtstag. Obwohl seine Eltern Anna (Anne Ratte-Polle) und Matthias (Mark Waschke) ein angespanntes Verhältnis haben und mittlerweile getrennt leben, organisieren sie für ihren Sohn eine Geburtstagsparty – die fällt aber wortwörtlich ins Wasser. Spontan wird die Fete ins Trockene verlegt, die Kinder spielen gemeinsam im Haus und haben ihren Spaß. Doch nach der Party bleibt ein Kind übrig, das nicht abgeholt wird: Julius (Finnlay Jan Berger). Der ohnehin schon genervte und mit seiner Lebenssituation überforderte Matthias erklärt sich (nicht ganz freiwillig) bereit, den Jungen nach Hause bringen. Doch die Dinge laufen nicht wie geplant und wohl oder übel muss Matthias plötzlich Verantwortung für ein fremdes Kind übernehmen. Erst durch die gemeinsame Zeit wird ihm klar, wie sehr er eigentlich sein eigenes Kind vermisst.

Wer spielt mit?

Unter der Regie von Carlos A. Morelli und den Produzenten von „Systemsprenger“ nimmt Mark Waschke, Krimi-Fans bekannt aus dem Berliner Tatort, die Hauptrolle des Vaters ein, Anne Ratte-Polle spielt die Mutter. Die Kinderschauspieler Kasimir Brause und Finnaly Jan Berger verkörpern den siebenjährigen Lukas bzw. Geburtstagsgast Julius.


Auch an Julius Geburtstag sind die angespannten Familienverhältnisse spürbar. 
Filmischer Augenschmaus?

Von der Thematik her – getrennte Eltern, ein schier endloser Berg an Arbeit und eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung – könnte der Film auch mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer & Co. besetzt sein. Aber ganz weit gefehlt! Allein schon durch die Schwarz-Weiß-Bilder hebt sich „Der Geburtstag“ völlig vom sonstigen Standard-Kinoprogramm ab. Die teils düstere Atmosphäre des Genre Film Noir und die dazu passende Jazzmusik verleihen dem Film seinen außergewöhnlichen Touch. Ungewöhnlich ist auch die Gliederung in drei Kapitel (Menschen, Katzen, Elefanten), die uns sonst eigentlich aus Büchern bekannt ist. Auffällig ist zudem die häufig im Großformat von der Kamera aufgenommene starke Mimik der Schauspieler, allen voran von Vater Matthias.

Auf einen Blick
Action: ✪ 
Romantik: ✪ 
Humor: ✪ ✪ 
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪ 
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Gibt's was zu meckern?

Zu meckern gibt es nichts, aber es sollte jedem bewusst sein, dass dieser Film nicht die richtige Wahl für einen entspannten Abend mit Popcorn und Schokolade ist, an dem man sich einfach nur berieseln lassen will.

Braucht man Taschentücher?

Wer nah an Wasser gebaut ist, könnte vielleicht auch mal ein Tränchen verdrücken, bewegend ist der Film allemal.

Mit wem angucken?

Warum nicht einfach mal allein schauen? „Der Geburtstag“ muss man erstmal auf sich wirken lassen.

Was macht man danach?

Darüber nachdenken, ob man den Personen, die man eigentlich liebt, auch diese Liebe zeigt. Und vielleicht auch einfach mal jemanden in den Arm nehmen.

In drei Worten:

außergewöhnlich, nachdenklich, schwarz-weiß

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Definitiv große Leinwand, da kommt die Schwarzweiß-Optik am besten zur Geltung.

Mainstream oder Independent?

Thematisch Mainstream, aufgrund der Umsetzung aber doch Independent!

Der Geburtstag

Regie: Carlos A. Morelli
Darsteller: Mark Waschke, Anne Ratte-Polle, Kasimir Krause, Finnlay Jan Berger
Filmstart: 25. Juni 2020
Filmlänge: 80 Minuten
Genre: Drama
FSK: 6

 

 

Text: Lara-Sophie Radach

Bildmaterial: © W-film / Friede Clausz

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