Kinofeeling

Kinofeeling: Jojo Rabbit

SPIESSER-Autorin Sophia hat von der Satire mit Scarlett Johansson und Rebel Wilson mehr erwartet. Die Story rund um einen Jungen, der in der NS-Zeit lebt und Adolf Hitler als imaginären Freund hat, fasst sie zusammen mit: Albern. Sinnfrei. Nicht ernst zu nehmen.

29. Januar 2020 - 09:13
SPIESSER-Autorin Miss_Sophia_.
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Miss_Sophia_ Offline
Beigetreten: 23.08.2018

Worum geht’s?

Der kleine Jojo Betzler (Roman Griffin) lebt während des Zweiten Weltkriegs und ist ein überzeugter Hitlerjunge. In einem Ferienausbildungslager für kleine Nazis lernt er, wie man Granaten richtig wirft, Hasen tötet, einen Angriff plant oder Bücher verbrennt. Jojo ist begeistert und will selbst bald Soldat für den Führer und Mitglied der Partei werden. Immer an seiner Seite: sein imaginärer bester Freund: Adolf Hitler (Taika Waititi). Adolf steht dem kleinen Jungen immer mit Rat und Tat zur Seite. Bald schon findet Jojo heraus, dass seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) im Haus versteckt. Um die Wahrheit über Juden herauszufinden, plant Jojo ein Buch über sie zu schreiben.

Wer spielt mit?

Die bekanntesten Gesichter in dieser Anti-Kriegs-Satire sind eindeutig Scarlett Johansson und Rebel Wilson, letztere vor allem für ihre komödiantischen Auftritte in Hollywood-Filmen. Mit Scarlett Johansson verbinde ich anspruchsvolle und gut gemachte Filme wie „Marriage Story“ und „Ghost in the Shell“, in diesem Fall schafft es ihr Auftritt leider nicht, dem Film Seriosität zu geben. Wirklich getragen wurde der Film von keinem Darsteller und keiner Darstellerin, einzig die schauspielerische Leistung des Jojo-Darstellers ist bei dieser Wertung auszuklammern, denn für sein Debüt hat sich Roman Griffin Davis gut geschlagen. Die Chemie zwischen Taika Waititi als imaginärer Hitler und ihm als naiver Jojo gibt dem Film einen Funken an Niveau und gutem Humor.

Filmischer Augenschmaus?

Am Anfang mag der Streifen noch ganz witzig sein, verliert jedoch jeglichen Sinn an Sensibilität für Themen wie Krieg, Tod und die NS-Zeit. Innerhalb der Handlung werden Klischees des Kriegs und der Nazi-Deutschen aufgebaut, aber so stehen gelassen und meist überzogen. Einige der Vorwürfe und Ansichten „böser Nazis“ gehen sogar in kindliche Phantasie über und werden stark überspitzt. Es wirkt etwas albern bis lächerlich. Im Film wird zudem mit einseitigen Stereotypen gespielt: die liebevolle Mutter als Widerstandskämpferin, das naive Kind als Anhänger vom Führer, der grausame und böse Nazi, sowie der gute Soldat mit einem Gewissen. Die Motivation, jeglichen Sinn des Zweiten Weltkriegs ad absurdum zu führen, ist zwar da, wird aber meiner Meinung nach ohne Spannung und Elan umgesetzt.

Auf einen Blick
Action: ✪
Romantik:
Humor: ✪ ✪
Niveau: ✪
Bildungsfaktor: ✪
Gibt’s was zu meckern?

Wirklich jeder, bis auf die Amerikaner, bekommt bei dieser Nazi-Parodie sein Fett weg. Anfänglich noch ganz lustig, wird das Kriegsdrama mit der Zeit viel zu albern, sodass man schnell übersättigt ist. Einzig die parodistischen Einlagen von Taika Waititi als imaginärer Hitler mögen noch das Beste an dem Film sein. Achtung Spoiler: Emotionale Szenen wie die Hinrichtung der Mutter oder das Elend der Zivilbevölkerung während eines Beschusses gehen in der Satire unter. Natürlich ist der Film als Parodie zu betrachten, also als verzerrende, verspottende Nachahmung und nicht ganz so ernst zu nehmen, aber es gibt weitaus anspruchsvollere Hitler-Satiren wie „Er ist wieder da“ von David Wnendt von 2015.

Meiner Meinung nach beschreibt eine Szene gegen Ende von „Jojo Rabbit“ diese Anti-Kriegs-Satire perfekt: Im Kugelhagel vor dem Einmarsch der Amerikaner merkt der kleine Jojo, wie sinnlos der Krieg eigentlich ist und wie sinnfrei es war, ein guter Nazi sein zu wollen. Genauso ist der Film: Es wurde alles genommen, was an Stoff da war, und von den Filmemachern verpulvert, um eine gute Nazi-Satire zu machen und am Ende wurde alles verspielt.

Braucht man Taschentücher?

Nicht wirklich.

Mit wem angucken?

Damit der Kinobesuch doch noch gut wird, schnappt euch eure beste Freundin oder euren besten Freund und schaut euch die amerikanische Tragödie einer Nazi-Parodie zusammen an.

Was macht man danach?

Nicht weiter drüber nachdenken.

In drei Worten:

Albern. Sinnfrei. Nicht ernst zu nehmen.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Für diese Parodie reicht ein kleiner Bildschirm.

Mainstream oder Independent?

Das Kriegsdrama versucht eindeutig sich in die Mainstream-Schiene einzureihen. Allein anhand der Machart merkt der Zuschauer, dass der Film der Hollywood-Manier gerecht werden will.

Jojo Rabbit

Regie: Taika Waititi
Darsteller: Taika Waititi, Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Stephen Merchant, Scarlett Johansson, Sam Rockwell, Alfie Allen, Rebel Wilson
Kinostart: 23. Januar 2020
Filmlänge: 108 Minuten
Genre: Kriegsfilm, Satire
FSK: 12

 

 

Text: Sophia Förtsch
Bildmaterial: © 2019 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc. All Rights Reserved.

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Ich hatte den Film in der Preview gesehen (also ohne bewusste Entschuldigung, noch mit irgendeiner Erwartung)
    Er ist von der Idee her erfrischend gewagt.
    Das war es auch schon fast mit den positiven Dingen die man zu diesem Film sagen kann.
    Er ist ein Story-technisch ziemlich oberflächlicher Film, mit seltsam unpassenden und übertriebenen Stilmitteln, Genre Crossover und Rebel Wilson die, wie in jedem ihrer Filme, die selbe übertriebene Rolle spielt. (und meiner Meinung nach nur ein Indikator für einen schlechten Film ist)
    Mich würde interessieren wie der Film in anderen Ländern ankommt, denn wir haben ja einen anderen Blick und historischen Bezug auf dieses Thema.

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