Kinofeeling

Kinofeeling:
Space Dogs

Auf den Spuren der Straßenhunde Moskaus – am 24. September erscheint der Dokumentarfilm „Space Dogs“ in den deutschen Kinos. Er begleitet die Vierbeiner auf ihren Streifzügen bei Tag und Nacht und verknüpft die Aufnahmen mit historischem Filmmaterial der sowjetischen Weltraumforschung. SPIESSER-Autorin Lara ist hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Abscheu.

24. September 2020 - 12:49
SPIESSER-AutorIn rasolara.
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rasolara Offline
Beigetreten: 08.06.2020

Worum geht’s?

Die meisten Menschen kennen Laika – die Straßenhündin aus Moskau, die im Jahr 1957 als erstes Lebewesen für sowjetische Versuche ins Weltall geschickt wurde. Doch schon nach kurzer Zeit schwebte nur noch der leblose Körper der Hündin durch den Weltraum. Als die Raumkapsel schließlich die Erdatmosphäre berührte, verglühte Laikas Körper. Legenden besagen, dass in diesem Moment ihr Geist zurück auf die Erde kehrte und seitdem durch die Moskauer Straßen wandelt.

Unter der Regie von Elsa Kremser und Levin Peter greift der Dokumentarfilm „Space Dogs“ diese Thematik auf und begleitet in faszinierender Nähe ein Rudel Straßenhunde in Moskau.Zusätzlich zeigt der Film Originalbilder der sowjetischen Raumfahrtversuche und stellt ungeschönt die grausamen Tierversuche der damaligen Zeit dar. So entsteht eine ganz besondere Symbiose aus historischen Hintergründen und beeindruckenden Aufnahmen der Straßenhunde.

Wer spielt mit?

Da es sich bei „Space Dogs“ um einen Dokumentarfilm handelt, gibt es keine Schauspieler, sondern die Moskauer Straßenhunde stehen im Fokus. Lediglich ein Sprecher, Alexey Serebryakov, kommentiert die Bilder aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers.

Auf einen Blick
Action: ✪ 
Romantik: 
Humor: 
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Auf jeden Fall! Der Dokumentarfilm begleitet die Hunde auf ihren Streifzügen durch die Straßen Moskaus und ist dabei ganz nah dran an den Tieren. Das besondere daran: Die Kamera ist fast durchgängig auf Augenhöhe mit den Straßenhunden, sodass man das Gefühl hat, die Umgebung aus der Perspektive der Tiere wahrzunehmen. Sie folgt den Tieren auf Schritt und Tritt, daher ist es umso erstaunlicher, dass sich die Hunde scheinbar nie von der Kamera beirren lassen. Die Kamera nimmt dabei überwiegend eine beobachtende Perspektive ein, Großaufnahmen einer Szene gibt es selten.

Zudem gibt es nur sehr wenige Aufnahmen, die musikalisch unterlegt sind. Dafür nimmt man jegliche Geräusche, sei es das Hecheln der Hunde, Straßenlärm, Vogelgezwitscher oder das Klicken der Ampeln, umso intensiver wahr.

Neben der Dokumentation des alltäglichen Lebens der Moskauer Straßenhunde werden Originalaufnahmen der sowjetischen Raumfahrt in schwarz-weiß gezeigt. Sie zeigen die grausamen Tierversuche, bei denen die Hunde auf das Weltall vorbereitet und schließlich in Raketen dorthin geschossen wurden. Diese Szenen sind nichts für schwache Nerven!

Gibt’s was zu meckern?

Da die Hunde auf ihren Wegen durch die Moskauer Straßen begleitet werden, passiert oftmals nicht wirklich viel, stattdessen werden die Tiere und ihr Verhalten beobachtet. Teilweise ist der Film dadurch etwas langatmig, die Szenen ähneln sich oftmals auch sehr.

Braucht man Taschentücher?

In den ersten Minuten des Dokumentarfilms erzählt der Sprecher, dass die USA, als Reaktion auf die sowjetischen Versuche mit Laika, Anfang der 1960er Jahre einen Schimpansen ins All geschickt haben. Parallel dazu wird ein Schimpanse mit goldenem Partyhut, weißem Hemd und schwarzer Weste gezeigt, der einen Auftritt in einem Moskauer Club hat und auch auf einem Kindergeburtstag für gute Stimmung sorgen soll. Diese Szenen demonstrieren für mich, wie hilflos ausgeliefert dieses Tier dem Menschen in solchen Situationen ist. Genauso wehrlos, wie die Hunde, Affen oder Schildkröten waren, die für Experimente ins Weltall geschossen wurden. Diese Szenen machen mich so wütend, dass mir Tränen in die Augen schießen. Ich empfehle daher, Taschentücher in greifbarer Nähe zu haben.


Bevor jemals ein Mensch die Reise ins All antrat, mussten Hunde
wie dieser für die sowjetischen Raumfahrtversuche herhalten.
Mit wem angucken?

Mit eurem Geschichtskurs! Wenn ihr gerade den Kalten Krieg und insbesondere den Wettlauf ins All behandelt, bietet „Space Dogs“ gerade durch die Archivaufnahmen einen interessanten, aber auch schonungslosen Einblick in die Thematik.

Natürlich dient der Film aber nicht nur als Anschauungsmaterial für den Geschichtsunterricht, sondern ist auch für alle anderen Interessierten empfehlenswert.

Was macht man danach?

Erstmal tief durchatmen. Die verstörenden Bilder der Tierversuche lassen mich persönlich nicht so schnell los. Da der Geschichtsunterricht schon ein paar Jahre her ist, habe ich definitiv vor, mich nochmal näher mit dem Wettlauf ins All zu beschäftigen – auch wenn mich diese Grausamkeit schockiert.

In drei Worten:

Straßenhunde, Weltall, Tierversuche

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Schwierige Frage. Die besondere Kameraperspektive auf Augenhöhe mit den Straßenhunden ist auf der großen Leinwand sicherlich beeindruckender. Aber auch auf dem Laptop haben die Bilder mich gepackt!

Mainstream oder Independent?

Die Mischung aus den Aufnahmen der Moskauer Straßenhunde und dem sowjetischen Videomaterial, die besondere Kameraperspektive, die allwissende Perspektive des Erzählers – „Space Dogs“ hebt sich vom gängigen Filmportfolio ab und verdient sich damit meiner Meinung nach die Einordnung als Independent-Film.

Space Dogs

Regie: Elsa Kremser & Levin Peter
Sprecher: Alexey Serebryakov
Filmstart: 24. September 2020
Filmlänge: 91 Minuten
Genre: Dokumentarfilm
FSK: keine Angabe

 

 

Text: Lara-Sophie Radach

Bildmaterial: Raumzeitfilm

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