Kinofeeling

Könige der Welt

„Union Youth“ sind Kleinstadtkinder als sie 2001 weltweit mit ihrer Musik erfolgreich werden. Doch wegen Drogen, Kontrollverlust und zerbröckelnder Freundschaft legen sie nur fünf Jahre später ihre Karriere auf Eis. Als „Pictures“ wagen sie nun einen Neuanfang. Doch hat ihr Comeback überhaupt eine Chance?

26. Juli 2018 - 11:53
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
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sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012

Worum geht's?

Vor 17 Jahren formierten Maze, Michael, Jan und Nobse die „Union Youth“ und gründeten damit eine der erfolgreichsten Grunge-Bands aller Zeiten. Heraus aus den beengten Proberäumen ihres provinziellen Heimatortes führte ihr Weg sie auf die größten Bühnen der Welt. Doch Highlife, Ektase und Kontrollverlust liegen bei „Union Youth“ nah beieinander. Dank Drogen-Exzess und impulsiver Emotionalität sind die Bandmitglieder auf dem Gipfel ihres Erfolgs stets nur einen Schritt vom tiefen Fall entfernt. Als schließlich auch ihre Freundschaft zu bröckeln beginnt, löst sich die Gruppe nach fünf Jahren gänzlich auf.

15 Jahre später beginnen die Erinnerungen an die goldenen Jahre des Erfolgs längst zu verblassen, doch die Band beschließt als „Pictures“ ein Comeback. Dabei begleiten die Regisseure Christian von Brockhausen und Timo Großpietsch die Musiker bei ihrer Neufindung. So zeigt „Könige der Welt“ in dokumentarischen Zügen den Weg der ehemaligen Bandmitglieder hin zu neuen Plattenverträgen und ersten Auftritten ihres Neuanfangs – und fasst hierbei einen Moment des Taumels, der Ungewissheit und des Zweifels ein.

Wer spielt mit?

Der Film kommt Dank seines Genre mit den Protagonisten der Realität aus und zeigt Maze, Michael, Markus und Ole auf ihrem steinigen Weg des Comebacks. Gezeichnet durch die Persönlichkeiten seiner Darsteller, lässt der Film wenig Raum für weitere Personen. So spielen alte Bandkollegen und ehemalige Freunde nur in der Erinnerung an vergangene Zeiten eine besondere Schlüsselrolle.

Filmischer Augenschmaus?

„Könige der Welt“ ist ein Drogenfilm, eine Musiker-Doku und ein Drama über tiefe Freundschaften. Damit schafft er es, eine greifbare und sensible Geschichte zu dramaturgisieren, die dem Zuschauer unter die Haut geht, ohne hässliche und schonungslose Frequenzen zu zeigen. Vielmehr schlägt er eine Brücke zwischen Zuschauer und Band, die ein Verstehen und Eintauchen in eine Welt des früheren Ruhms ermöglicht. Die Doku verläuft hierbei in ihrer eigenen Langsamkeit und fängt Details ein, die sich aufgrund schwieriger Lebensphasen leicht übersehen lassen könnten.

Gibt’s was zu meckern?

Als Dokumentarfilm ist „Könige der Welt“ nicht nur nah am Geschehen, sondern setzt auch einiges an Vorkenntnissen und Wissen voraus ohne das es manchmal etwas verwirrend werden kann.

Braucht man Taschentücher?

Auch wenn die Thematik tief geht, rührt sie definitiv nicht zu Tränen. Taschentücher können daher ruhig beiseite gelegt werden.

Mit wem angucken?

Mit Dokuliebhabern, früheren Fans oder den eigenen musikbegeisterten Freunden, die Lust dazu haben, mit diesem tiefsinnigen Film den eigenen Horizont zu erweitern.

Auf einen Blick
Action:
Romantik:
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Was macht man danach?

Durchatmen und in das neue Album „Promise“ hineinhören.

In 3 Worten:

Anrührend, Emotional, Ehrlich.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

„Könige der Welt“ lebt von seiner Tiefe und Ernsthaftigkeit. Da es die Thematik nicht hergibt, im Anschluss an das Sehen lauthals mit anderen über den Film zu lachen, kann man es ruhig beim kleinen Bildschirm belassen.

Mainstream oder Independent?

Definitiv ein Independent-Film, der nicht darauf ausgelegt ist, den Geschmack der großen Massen zu catchen, um anschließend die Kinokassen klingen zu lassen. Vielmehr kommt er in seiner Ehrlichkeit nah an die Protagonisten heran und erzählt einfühlsam und hoffnungsvoll ihre persönliche Geschichte.

KÖNIGE DER WELT

Regie: Christian von Brockhausen, Timo Großpietsch
Darsteller: Maze Exler, Michael Bowritzky, Markus Krieg, Ole Fries
Kinostart: 19. Juli 2018
Filmlänge: 94 Minuten
Genre: Dokumentation
FSK: ab 12 Jahren

 

Text: Jonathan Auer
Teaser: © NFP marketing & distribution* / Foto: Giora Bejach

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