Anzeige
Schwerpunkt

Lebendig und zum Anfassen

Wem die Begriffe Endoplasmatisches Retikulum und DNA normalerweise einen Schauer über den Rücken jagen, der sollte sich im phaeno Wolfsburg umsehen, so wie SPIESSER.de-Autorin Bine.

06. September 2010 - 15:38
SPIESSER-Autorin Bine.
Noch keine Bewertungen
Bine Offline
Beigetreten: 01.02.2010

Für alle, die Biologieunterricht als einzigen Graus empfinden, habe ich eine gute Nachricht: Es muss nicht immer unverständlich und langweilig sein. Im November hat im Wolfsburger phaeno die Ausstellung „Bausteine des Lebens“ ihre Pforten geöffnet, die mit vielen Exponaten und Experimenten zum spielerischen Entdecken von Genen, Zellen und DNA einlädt. Die habe ich mir einmal genauer angesehen.

Station 1: Siehst du aus wie ich?

Da ich vor allem viel anfassen und selber machen will, schaue ich mich nach meiner ersten Experimentierstation um. Mein Blick fällt auf eine seltsame Holzsäule, an der verschiedene Haarsträhnen, Augen in unterschiedlichen Farben, Nasenmodelle und Spiegel angebracht sind. Hier darf sich jeder Besucher einmal genau anschauen – und dann herausfinden, wie viele Menschen genauso aussehen wie man selbst. Ich mache also den Test, gebe meine Augenfarbe und Haarfarbe in einen Computer ein und versuche als nächstes meine Nasenform zu bestimmen: Gerade, krumm oder gebogen? Ich entscheide mich für gerade und stehe schon wieder vor der nächsten Hürde: Ist mein Ohrläppchen angewachsen? Nachdem ich den PC mit all meinen Merkmalen gefüttert habe, bin ich gespannt auf das Ergebnis. Genau 26 von rund 30.000 Besuchern sehen aus wie ich. Viele sind das nicht.

Station 2: Die Augen hast du von Mama

Aber warum sehe ich eigentlich so aus? An der nächsten Station erfahre ich, wie Gene vererbt werden. Ein weiterer Computer fragt mich nach meiner Augenfarbe – und der meines Ehepartners. Da ich noch nicht verheiratet bin, nehme ich einfach meine Eltern als Beispiel. Meine Mama hat blaue Augen, mein Papa auch. Das heißt für mich ganz klar: 100-prozentige Wahrscheinlichkeit für blaue Augen. Stimmt ja auch. Aber was wäre, wenn mein Papa grüne Augen hätte? Oder meine Mama braune? Dann hätte ich keine Chance auf blaue Augen – sagt der Computer jedenfalls. Wahrscheinlichkeiten kann man übrigens nicht nur für die Augenfarbe, sondern auch für die Blutgruppe, Milchzuckerintoleranz oder Farbsehschwäche errechnen lassen. Ein schönes Spielzeug und ich weiß jetzt auch, dass meine Kinder wahrscheinlich mal grüne Augen haben werden, nicht farbenblind sind, Blutgruppe 0 haben und Milch sehr gut vertragen.

Station 3: Hilfe! Meine Zellen sind lila!

Computer sind schön und gut, aber nach zwei Bildschirmstationen will ich jetzt selber ein bisschen hantieren – und dafür kommt mir das Biolabor gerade recht. Untersuchungsobjekt sind meine Mundschleimhautzellen. An einem kleinen Tisch mit kleinen Fläschchen, Objektträgern und Mikroskop mache ich es mir gemütlich und beginne mit meinem Versuch. Erst den Objektträger nehmen, einen Tropfen Wasser draufgeben und dann mit einem Zahnstocher an der Innenseite meiner Wange umherschubbern. Danach rolle ich den Zahnstocher auf dem Objektträger umher, lasse das Ganze von einer Maschine trocknen und darf dann eine lustige lila Flüssigkeit auf meine getrockneten Zellen tropfen. So kann ich die eingefärbten Zellen unter dem Mikroskop besser erkennen. Besonders der Zellkern sieht ziemlich interessant aus. Und sowas wuselt in meinem Mund herum?

Hier gehts zur Bildergalerie

SPIESSER-Autorin Bine war im phaeno in Wolfsburg unterwegs. Was es dort alles zu sehen gab, hat sie mit ihrer Kamera für euch festgehalten.

Station 4: Die Zeitmaschine

Meine letzte große Station in der „Bausteine des Lebens“-Ausstellung, ist die Zeitmaschine. Leider kann man damit nicht in die Zukunft oder Vergangenheit reisen, aber so etwas in der Art. Ich lasse von einer Kamera ein Foto von mir machen, bestimme genau wo meine Augen und mein Mund sind und schon einige Minuten später habe ich drei Bilder von mir: Eines als Kind, als Jugendlicher und als alte Frau. Da ich noch Jugendlich bin, interessiert mich vor allem, wie ich wohl in 50 Jahren aussehen werde. Das Ergebnis ist ein kleiner Schock. So sehe ich aus, wenn ich alt bin? Graue Haare, braune Flecken im Gesicht und von den Falten will ich gar nicht erst anfangen. Da hüte ich mich doch lieber vorm Altern – oder werde demnächst sicher die beste Kundin der Anti-Falten-Industrie.

Natürlich war das noch längst nicht alles. In den restlichen zwei Stunden meines Aufenthalts habe ich Termiten beim Holz fressen zugeschaut, eine Zelle zusammengebastelt, mit einem Roboter gesprochen und vor einer gestreiften, schwingenden Wand versucht auf einem Bein zu stehen. Ich habe Luft durch die Gegend geschossen, Wasser mit Tönen zum Umherwirbeln gebracht, Rauchzeichen gegeben und mich wie ein Fakir auf ein Nagelbett gelegt. Am Ende habe ich mich zwar so gefühlt, wie ich auf dem Zeitmaschinen-Bild ausgesehen habe, dafür habe ich aber auch viel gelernt. Und das war garantiert nicht langweilig.

Weitere Informationen findet ihr hier:

Artikel und Bilder: Sabine Gurol

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der Initative „MINT-Zukunft schaffen“ erstellt.

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Sag' uns deine Meinung!
Mehr zum Thema „Tour de MINT
  • Anzeige
    Coline
    Schwerpunkt

    Musik aus keiner Hand: Ein MINT-Instrument

    Ein Instrument, das man zum Spielen nicht anfassen darf – klingt komisch, gibts aber. Was das genau ein Theremin ist, wie es funktioniert und wie man es sich selber basteln kann, erfahrt ihr hier.

  • Anzeige
    Khaled Awad
    Schwerpunkt

    Deutsches Erdöl: aus dem Wattenmeer in den Tank

    Erdöl kommt nicht immer aus fernen Ländern. Auch vor der deutschen Nordseeküste wird Öl gefördert. SPIESSER-Autor Khaled zeichnet den Weg des Öls nach.

  • Anzeige
    Katja Schmieder
    Schwerpunkt

    Auf Vettels Spuren: Studenten im Rennfieber

    In der Formula Student sitzen Studenten hinterm Lenkrad ihres selbstgebauten Rennwagens. Sarah-Kristin vom Team Elbflorace und Georg-Friedrich vom Team TUfast erzählen, wie bei ihnen eine Rennsaison aussieht.

  • Anzeige
    Tobit
    Schwerpunkt

    FORSCHA in München: Wenn Roboter tanzen

    Letztes Wochenende war die FORSCHA-Messe in München. SPIESSER.de-Autor Tobias hat sich dort Augen und Ohren offengehalten. Denn wo sonst kann man Roboter tanzen sehen und noch was dabei lernen?

  • Anzeige
    KieselaStein
    Schwerpunkt

    Sonnenstrahlen machen glücklich – Röntgenstrahlen retten Leben

    Diesmal macht die Tour de MINT in Hamburg Halt. Die 18-jährige medizinisch-technische Radiologieassistentin Lea aus Großenrade hat uns erzählt, was sie in ihrer Ausbildung lernt, worauf es ankommt und wie man selbst MTRA werden kann.

  • Anzeige
    Coline
    Schwerpunkt

    Schiffe verschieben

    Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind langweilig?! Lasst euch mit einem kleinen Spiel vom Gegenteil überzeugen.

  • Anzeige
    Coline
    Schwerpunkt

    MI(N)T Migrationshintergrund punkten

    Mit Migrationshintergrund in einen MINT-Beruf – könnte das die Leiter zum sozialen Aufstieg sein?

  • Anzeige
    Bine
    Schwerpunkt

    Autorost ist Chemie

    In der Autostadt in Wolfsburg werden nicht nur Autos an ihre neuen Besitzer ausgeliefert. Gemeinsam können Schüler aller Altersklassen interessante Workshops besuchen und völlig neue Seiten an sich entdecken.

  • Anzeige
    Coline
    Schwerpunkt

    Der schwere Weg zur Biotechnologie

    Lena ist 21 und studiert Biotechnologie. Bis dahin war es ein schwerer Weg. Doch sie hat sich durchgekämpft. Mit SPIESSER.de redet sie über ihre Studienwahl, die Schwierigkeiten und ihre Wünsche.

  • Anzeige
    dunkelbunt
    Schwerpunkt

    Physik lernt man doch nicht in der Schule!

    SPIESSER-Autorin Tine war beim „MäTa“, dem Techniktag für Mädchen in Rostock. Dort traf sie auf fußballspielende Roboter und Jean Pütz.

  • Anzeige
    klutti94
    Schwerpunkt

    Wie kann man Naturwissenschaften interessanter machen?

    Naturwissenschaften gelten bei vielen als langweilig und spießig. Doch gerade diese Berufe in den naturwissenschaftlichen Bereichen werden in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt immer gefragter sein.

  • Anzeige
    Zimmerpflanze07
    Schwerpunkt

    „Mikrotechnologie wird sehr gefragt sein“

    Johannes Flex ist 23 Jahre und arbeitet bei Bosch Solar Energy in Erfurt. Dort steht er am Ende seiner Ausbildung im Bereich Mikrotechnologie und erzählt, was ihn an diesem Beruf reizt.

  • Anzeige
    Bine
    Schwerpunkt

    Warten auf den Windkanal

    Ein Abitur in Luft- und Raumfahrt. Das klingt ungewöhnlich, gibt es aber seit 2006 an zwei Gymnasien in Bremen.

  • Anzeige
    Bine
    Schwerpunkt

    Wenn Meerestiere Lachgas pupsen

    Auch Lachgas kann zum Weinen bringen. Wieso wir unsere Gartenpflanzen künftig weniger düngen sollten, hat SPIESSER.de im Gespräch mit einer Biologin des Max-Planck-Institutes Bremen herausgefunden.

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Durchstarten mit Fraunhofer

    Wer Karriere in einem MINT-Beruf machen möchte, ist auf der „MyTalent“-Website  und in den Nachwuchsförderprogrammen des Fraunhofer-Instituts bestens aufgehoben. SPIESSER.de-Autorin Eva hat sich auf deren Portal umgesehen und mit einer Teilnehmerin des „Talent Take Off" gesprochen.

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Was hat Mathe mit Seifenblasen zu tun?

    Was genau hat World of Warcraft eigentlich mit Zahlen zu tun? Wenn es nach den Wissenschaftler bei „MathInside“ geht, eine ganze Menge. Mehrere hundert Schüler konnten sich in Berlin davon überzeugen.

  • Anzeige
    Janatorium
    Schwerpunkt

    Auf Kurs

    Roxana* arbeitet neben ihrem Studium bei der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. Wie es dazu kam und was sie dort macht, hat sie SPIESSER.de-Autor Jan in einem Interview verraten.

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Die richtige Chemie bei ThyssenKrupp

    Jan Koepernik, 21, macht bei ThyssenKrupp in Essen eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Im Interview mit SPIESSER.de-Autorin Eva erzählt er von seiner vielfältigen Ausbildung.

  • Anzeige
    Fabienne Kinzelmann
    Schwerpunkt

    Einstein kennt man – aber wer ist bloß Mendelejew?

    Gibt es einen schlauen Kopf, eine besondere Person oder einen beutetenden Wissenschaftler, den ihr bewundert? SPIESSER.de wollte es genau wissen ...

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Südwestmetall macht in MINT!

    Südwestmetall will uns  von Kindesbeinen an für Natur und Technik interessieren. SPIESSER.de-Autorin Eva hat sich die Website start2000plus.de angesehen und mit Geschäftsführer Stefan Küpper über MINT in allen Altersgruppen gesprochen.

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Naturwissenschaften bis zum Abi – doof oder gut?

    Seit 2008 ist in Sachsen das Wahrheit geworden, was für viele wie der pure Alptraum klingt: Die Naturwissenschaften – Physik, Chemie, Biologie – müssen bis zum Abitur belegt werden. Wahlmöglichkeiten gibt es nicht mehr. Doch wie finden das die, die es etwas angeht? SPIESSER.de-Autorin

  • Anzeige
    Onlineredaktion
    Schwerpunkt

    Bettina und die Wirtschaftsinformatik

    Bettina, 22, studiert an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim Wirtschaftsinformatik. Das Studium umfasst neben den Theoriephasen im dreimonatigen Wechsel Praxisphasen beim Software-Riesen SAP in Walldorf.

  • Anzeige
    epsle
    Schwerpunkt

    Zwei Studenten – gleiche Gedanken?

    Autos, Autos, Autos – und zwei junge Studenten aus Baden-Würrtemberg stecken bei Daimler Stuttgart mittendrin. Michael Schalk, Student der Inormationstechnik, und Daniela Oefele, angehende Wirtchaftsingenieurin, machen beide ein duales Studium bei der BA Stuttgart – ihre Praxisphasen

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    Mein Roboter schmeißt den Haushalt

    Wird unsere Welt in Zukunft von Robotern regiert? SPIESSER.de traf Doktor Rashid Nawaz und Diplom-Ingenieur Christoph Lehmann von der Fakultät für Maschinenbau, Verfahrens- und Energietechnik der TU Freiberg. Die beiden arbeiten für das Institut für Automatisierungstechnik im Bereich Robotik.

  • Anzeige
    gelöschter Nutzer
    Schwerpunkt

    Superschnell in Leipzig

    Er hat den Job, von dem viele Jungs träumen: Andreas Spichalski ist mit 27 Jahren der jüngste Ingenieur im Porsche-Werk Leipzig.SPIESSER.de Autorin Melanie hat ihn über seine Arbeit ausgequetscht.

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    "Kinder sind kleine Lernmaschinen"

    Alle sächsischen Abiturienten müssen die MINT Fächer bis zum Abi belegen. SPIESSER.de fragte den sächsischen Staatsminister für Kultus und Sport, Professor Doktor Wöller, warum das so wichtig ist.

  • Anzeige
    Lilientiger
    Schwerpunkt

    Mein Auto hat keine Abgase

    Leonardo diCaprio hat eins und alle anderen vielleicht auch bald: Ein Hybridauto. SPIESSER.de Autorin Larissa hat mit Hakim Halimi, Product Planer bei Toyota, gesprochen und sich die Hybridtechnik erklären lassen:

  • Anzeige
    donka
    Schwerpunkt

    Talente gesucht!

    Die Deutsche Telekom hat die Un-Konferenzen „Technology meets Talent“ ins Leben gerufen, eine Veranstaltungsreihe, bei der junge Technik-Interessierte mit erfahrenen Experten zusammenarbeiten. SPIESSER.de-Autorin Katrin hat sich auf einer dieser Konferenzen umgesehen.

  • Anzeige
    gelöschter Nutzer
    Schwerpunkt

    Eine Liebeserklärung an die Dampfturbine

    Gute Bezahlung, frauenfreundliches Arbeitsumfeld, Auslandserfahrungen:  Mechatronik-Ingenieurin für Turbo-Antriebe bei MAN in Oberhausen,  Angela Lohberg, erklärte im Interview mit Spiesser-Autor Moritz, warum für sie Weihnachten nicht immer auf den 24. Dezember fällt.

  • Anzeige
    Westerngitarre
    Schwerpunkt

    Ein vollautomatischer Frühstücksapparat

    Alle reden von "neuster Technik". Wir haben uns umgehört. Was sollte denn endlich mal erfunden werden?