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Lichtblicke: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Finanzkrise hat Misstrauen gesät. Zeit für einen Besuch im Vertrauenszentrum. Teil 4 aus der Reihe „Lichtblicke.“ des SPIESSER-Spezials.

29. Oktober 2010 - 13:53
von SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

04441 ist die Vorwahl Vechtas. Was Vechta ist? Eine deutsche Stadt. Dort steht das Zentrum für Vertrauensforschung. SPIESSER-Autorin Lara, 17, hat mit dessen Chef Martin Schweer gesprochen. Weil sie wissen wollte: Was ist denn Vertrauen nun eigentlich? Und: Werden wir das durch die Finanzkrise entstandene Misstrauen wieder los?

Radio an. Wieder Silbermond. „Und dann leg‘ ich meine kleine große Welt in deine schützenden Hände.“ Hundertmal rauschte dieses Songzitat an meinem Ohr vorbei, kaum wahrgenommen.

Heute ist das anders, heute denke ich über diesen Satz nach. Was steckt dahinter? Vertrauen. Ein großes Wort.

Vertraue ich jemandem oder in etwas? Wie hoch ist der Wert des Vertrauens und wie schnell ist es zunichte gemacht? Fragen fluten meinen Kopf. Ich bin Generation Internet. Wikipedia also. Ich ahne schon: Vertrauen ist nicht leicht zu definieren. „Unter Vertrauen wird die Annahme verstanden, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen“, lautet der erste Satz. Nein, finde ich: Vertrauen ist mehr als das.

Woran denke ich bei diesem Wort? An den Blick eines kleinen Kindes, wenn es seine Mutter ansieht, an Blindenhunde und an Verliebte. Doch je mehr ich über die Bedeutung des Wortes nachsinne, desto mehr zeigt sich die Komplexität dieses Begriffs: Ohne nachzudenken, vertraue ich jeden Tag nicht nur meiner besten Freundin, sondern wildfremden Autofahrern beim Überqueren eines Zebrastreifens, ja sogar der Naht meiner Hose. Die Zielgruppe meines Vertrauens ist also groß. Gefährlich groß?

Und wenn ich Vertrauen definieren müsste? Vertrauen ist, sich fallen lassen und aufgefangen werden. Irgendwie romantischkitschig, das muss doch pragmatischer gehen. In Vechta gibt es das Zentrum für Vertrauensforschung. Professor Martin Schweer, Chef dieses Zentrums des Vertrauens, wird wissen, womit er es zu tun hat. Ich rufe an.

Der Professor meint: „Wenn Sie mich nötigen würden,“ (würde ich...), „eine Definition zu geben, würde ich sagen: Vertrauen ist die subjektive Sicherheit, sich in die Hand einer anderen Person oder auch eines sozialen Systems zu begeben.“ „Gefällt mir“, denke ich. Und wie wichtig ist es? „Vertrauen ist quasi ein Mechanismus, um Unsicherheiten zu beseitigen. Ohne wären wir nicht lebensfähig“, lautet seine Antwort. Und: „In dem Moment, in dem wir vertrauen, fühlen wir uns wohler.“ Und wenn dieses wohlige Gefühl missbraucht wird? Betrug? Geheimnis nicht für sich behalten? Jemanden blamiert? „Vertrauen wiederherzustellen ist möglich, jedoch ein langer und schwerer Prozess, er hängt stark vom Verhalten desjenigen ab, der etwas falsch gemacht hat“, sagt Herr Schweer. Doch auch in einem anderen Kontext spielt Vertrauen eine große Rolle: Denn nur, wenn wir in den Wert des Geldes vertrauen, ist ein Euro auch einen Euro wert.

Milliardenhilfspakete, Profitgier, mangelnde Kontrolle: Wurde das Vertrauen von Millionen Bürgern durch das Chaos der Finanzkrise sogar missbraucht und zerstört? Wieso sollte ich überhaupt noch an dieses instabile Finanzsystem glauben? Weil ich keine andere Möglichkeit habe?

Ich rufe wieder an. Diesmal bei Werner Hansmann, Professor für Volkswirtschaft an der Uni Hamburg. Er sagt, im Grunde könne man in Geld vertrauen. Auch dem gesamten Finanzsystem in Europa – „wenn die Länder den starken Willen besitzen, das System zu verteidigen, so wie im Frühjahr 2010.“ Er meint die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott. Gutes Zeichen, find ich.

Herr Schweer sagt zum Vertrauensverlust: „Dahinter steckt kein fehlendes Vertrauen in das Geld an sich, in den Tauschwert, sondern in die Frage: Was wird damit gemacht?“ Also kein Misstrauen in die Währung, sondern in Banken und in die Regierung? Können die das wieder gutmachen?, frage ich. „Es ist möglich“, sagt Herr Scheer. „Vertrauensfördernd wirkt sich momentan aus, dass sich die ökonomische Lage erheblich verbessert.“ Also Aussicht auf Besserung. Wer will schon in Unsicherheit leben.

Weiterlesen

„Lichtblicke.“ haben wir das Spezial aus dem SPIESSER 130 genannt. Komisch eigentlich, denn in diesem Heft geht es um verlorenes Geld und Vertrauen – um das, was seit letztem Jahr als so genannte Finanzkrise die Welt bewegt. Und trotzdem „Lichtblicke.“ Weil es uns um Klarheit geht, um Aufklärung. Weil hier sieben SPIESSER-Autoren sind, die Licht ins Dunkle der Krise bringen. Weil sie aufgeschrieben haben, wie alles kam und weil ihr hier lesen könnt, warum Vertrauen in Geld am Ende doch nicht verloren ist. Deshalb „Lichtblicke.“ 

Das komplette SPIESSER-Spezial „Lichtblicke.” findet ihr hier

Gewinnen

Bis zum 15. November könnt ihr 1 x 10.000 Euro und 5 x 1.000 Euro gewinnen. Die Volksbanken Raiffeisenbanken unterstützen euch auf dem Weg zu euren Zielen.

Das SPIESSER-Spezial entstand in Zusammenarbeit mit den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken.

Projektbegleitung: BVR – Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V.

 

Teaserfoto: Klaus Gigga

Text: Lara Gahlow

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