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Lichtblicke: Was kostet die Welt?

3093.000.000.000 Euro hat die Finanzkrise vernichtet. Teil 3 aus der Reihe „Lichtblicke.“ des SPIESSER-Spezials.

21. Oktober 2010 - 15:27
von SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

3093.000.000.000 Euro – so viel Geld ist mit der Finanzkrise futsch. Wie viel Geld das ist? SPIESSER-Autor Felix, 24, reiste in die Finanzmetropole Frankfurt zum Wirtschaftsjournalisten Harald Freiberger. Der ist Geldexperte der Süddeutschen Zeitung und wenns ums Geld geht, weiß er, wovon er redet. Und Felix hat gelernt: Wie das nun war, die Sache mit der Finanzkrise.

Banktower schrauben sich bis zu 300 Meter in den Frankfurter Himmel, die Wertpapierbörse nicht weit. Dazwischen arbeitet Harald Freiberger, Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung. Neben einem Regal, gefüllt mit Wirtschaftsbüchern, steht ein PC in Freibergers Büro. Und ein weinrotes Rennrad. Er selbst telefoniert gerade mit einem Informanten. Einem Banker, der seinen Namen im Artikel nicht genannt haben will. Ein Banker mit krisensicherem Job – die sind nicht sonderlich beliebt in Zeiten der Krise.

Ob Freibergers Job auch so sicher ist? Da hatte er in den letzten Jahren manchmal Zweifel: „Wirtschaftskrise – das ist, wenn viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Weil es den Unternehmen, für die sie arbeiten, schlecht geht. Auch die Süddeutsche Zeitung hat Mitarbeiter entlassen“, erzählt er.

SPIESSER-Autor Felix

Spricht man mit Freiberger und liest seine Artikel, dann taucht ein Wort immer wieder auf: „Blase“. In Amerika entwickelte sich die Krise aus einer Immobilienblase. Freiberger erzählt: „Die Bank lieh jedem Bürger Geld, der sich ein Haus bauen wollte. Sie hat den Menschen ihr gesamtes Haus bezahlt“. Die Banken pokerten. Spieleinsatz waren die Häuser der Leute, die einen Kredit dafür aufgenommen hatten. Die Hauspreise entwickelten sich gut in den USA, waren schnell doppelt so hoch: Die Hauspreise blähten sich auf wie eine „Blase“. „Für die Bank war das ein gutes Geschäft: Weil sie das Haus mit dem Kredit ja bezahlt hatte, gehörte es ihr“, erzählt Freiberger.

Damit die amerikanischen Banken einen Kredit gewähren konnten, liehen sie sich das Geld selbst erst einmal: unter anderem bei Bürgern und Banken in Deutschland. Die Deutschen kauften also Anteile an den Immobilien in den USA – weil sie auf Wertsteigerung der Häuser hofften. Banken und Kunden, die die Papiere zum richtigen Zeitpunkt kauften und verkauften, machten Millionengewinne.

Als 2007 plötzlich viele Eigentümer ihre Häuser in den USA zu hohen Preisen verkaufen wollten, war niemand mehr bereit, die Summen zu bezahlen. Die Häuser waren viel weniger wert, als sie die Banken in ihren Bilanzen vermerkt hatten. „Die Hausbesitzer bemerkten den Wertverfall, zogen aus und schickten den Schlüssel an die Bank. Der gehörte das Haus ja noch, weil der Kreditnehmer seinen Kredit noch nicht bezahlt hatte – auch wenn das Haus inzwischen eigentlich fast wertlos war“, erklärt Freiberger. Die Banken saßen nun auf fast wertlosen Häusern. Banken und Kunden, die die Papiere im großen Stil gekauft hatten, waren pleite.

Mehr Finanzkrise

Meinung: Finanzkrise ist immer, Vom Zaster zum Desaster

„Bankenpleite: Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass kein Geldautomat mehr Scheine spuckt, weil die Bank keins mehr hat“, sagt Freiberger. Der internationale Währungsfond hat letztes Jahr die Gesamtverluste der Finanzkrise geschätzt: 3093 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bundesregierung gibt für ihren Haushalt 2010 rund 320 Milliarden Euro aus. Vom Geld, das mit der Finanzkrise verschwunden ist, hätte Deutschland also mehrere Jahre seine gesamten Ausgaben bestreiten können.

Vieles Weitere ist Psychologie: „Wenn ich Geld verloren habe, kaufe ich mir kein neues Auto, dann geht es den Autoherstellern schlechter. Die müssen wiederum Leute entlassen, weil keine Autos mehr gekauft werden“, sagt Freiberger. So wirkt sich die Krise auf viele Bereiche der Wirtschaft aus.

Freiberger selbst investiert nur in sichere Anlagen. Dass der Redakteur kein Zocker ist, merkt man: Nachdem ihm innerhalb von zwei Jahren drei Fahrräder geklaut wurden, steht sein weinrotes Rennrad in seinem Büro neben dem Schreibtisch. Sicherlich kein günstiges Fahrrad. Wäre ja schade, wenn der Traum vom neuen Fahrrad schon wieder platzt.

Weiterlesen

„Lichtblicke.“ haben wir das Spezial aus dem SPIESSER 130 genannt. Komisch eigentlich, denn in diesem Heft geht es um verlorenes Geld und Vertrauen – um das, was seit letztem Jahr als so genannte Finanzkrise die Welt bewegt. Und trotzdem „Lichtblicke.“ Weil es uns um Klarheit geht, um Aufklärung. Weil hier sieben SPIESSER-Autoren sind, die Licht ins Dunkle der Krise bringen. Weil sie aufgeschrieben haben, wie alles kam und weil ihr hier lesen könnt, warum Vertrauen in Geld am Ende doch nicht verloren ist. Deshalb „Lichtblicke.“

Das komplette SPIESSER-Spezial „Lichtblicke.“ findet ihr hier

Gewinnen

Bis zum 15. November könnt ihr 1 x 10.000 Euro und 5 x 1.000 Euro gewinnen. Die Volksbanken Raiffeisenbanken unterstützen euch auf dem Weg zu euren Zielen.

 Das SPIESSER-Spezial entstand in Zusammenarbeit mit den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken.

Projektbegleitung: BVR – Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V.

 

Teaserfoto: Klaus Gigga

Text: Felix Scheidl

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