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Lichtblicke: Wem kann man trauen?

Vertrau ihm nicht, er ist Bankberater. Richtig so? Teil 5 aus der Reihe „Lichtblicke.“ des SPIESSER-Spezials.

05. November 2010 - 10:01
von SPIESSER-AutorIn RubenKarschnick.
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RubenKarschnick Offline
Beigetreten: 22.09.2010

 

0 VERTRAUEN scheinen die Banker nach der Finanzkrise zu genießen. Haben ja auch schön eins drauf bekommen. Berechtigt?

SPIESSER-Autor Ruben, 18, hat nachgefragt bei Gerd Gigerenzer. Der Professor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin trainiert Richter und Manager, besser mit Risiken und Unsicherheiten umzugehen.

Herr Gigerenzer, Vertrauen und Wirtschaft: Hat das miteinander zu tun? Ist das wichtig?

Essentiell wichtig. Und noch wichtiger ist, dass man sich davor schützt, Vertrauen zu verlieren.

Warum betonen Sie das so?

In der Finanzkrise ist viel Vertrauen verloren gegangen.

Vertrauen Sie denn ihrem Bankberater noch?

Nicht unbedingt.

Warum nicht? Schlechte Erfahrungen gemacht?

Meine eigene Beraterin hat mir jüngst undurchsichtige Papiere angeboten. Daraufhin habe ich ihr auf der Stelle gesagt, dass ich mit ihr keine Geschäfte mehr machen werde.

Solche Reaktionen müssten doch das Verhalten der Berater ändern...

Das Problem ist, dass die meisten Kunden nicht so reagieren wie ich. Wenn sie das tun würden, würde sich die Mentalität der Berater ändern. Die stärkste Waffe sind Bürger, die eine gesunde Skepsis haben.

Haben die Berater das Vertrauen zu Recht verloren?

Sicher gibt es wirkliche schwarze Schafe. Aber der Vertrauensverlust kommt auch dadurch zustande, dass viele Kunden naiv waren.

Warum naiv? Ist der Berater nicht zu hundert Prozent dem Kunden verpflichtet und bekommt von ihm „seinen Auftrag“?

So sollte das sein. Aber viele Kunden haben nicht realisiert, dass Berater mitunter angehalten werden, nur ganz bestimmte Angebote zu machen, von denen in erster Linie die Bank profitiert. Die Berater sind eben auch ihrem Arbeitgeber verpflichtet. Hier haben wir eine Bildungslücke auf der Seite der Öffentlichkeit. Die Menschen müssen einfach besser verstehen, wie sich die Situation in einer Bank darstellt, und welche Ziele die Bank selbst verfolgt.

Der Berater hat also keine andere Wahl und kann gar nichts dafür?

Es ist einfach eine Illusion vieler Kunden, dass der Angestellte unabhängig von den geschäftlichen Zielen seiner Bank agieren darf.

Trägt man also auch selbst Verantwortung für das Vertrauen in andere?

Der Kunde ist nicht ganz unschuldig, wenn er nicht gelernt hat, nachzufragen. Denn erst dann kann er leicht manipuliert werden.

Wie könnte man dem entgegenwirken?

Man muss von den Bürgern verlangen, dass sie mehr mitdenken. Mehr Verantwortung übernehmen. Wir müssen uns auch selber überlegen, warum wir immer noch so wenig verstehen von Finanzen. Man darf die Schuld nicht einfach nur den Beratern und Banken zuschieben, die sind nicht perse „böse“ oder „gut“.

Soll das bedeuten, die Leute sind schuld an der Finanzkrise?

Man darf nicht sagen, es sind die einen oder die anderen. Das Problem liegt im ganzen System. Wenn man versteht, wie das Bankgeschäft funktioniert, dann ist man auch nicht leicht zu manipulieren.

Sollte man seiner Bank nicht Vertrauen entgegenbringen dürfen?

Schon. Aber man sollte in kein Geschäft blind vertrauen. Wir brauchen beides: Ehrlichkeit auf Seiten der Banken, UND Kompetenz auf Seiten der Bürger. Man kann leicht auf die Banken schimpfen, aber das hilft ja nichts. Was man machen kann: an sich selber arbeiten. Umso besser ist es, wenn junge Leute das tun. Die möchte ich ermuntern, es selbst in die Hand zu nehmen.

 

Weiterlesen

„Lichtblicke.“ haben wir das Spezial aus dem SPIESSER 130 genannt. Komisch eigentlich, denn in diesem Heft geht es um verlorenes Geld und Vertrauen – um das, was seit letztem Jahr als so genannte Finanzkrise die Welt bewegt. Und trotzdem „Lichtblicke.“ Weil es uns um Klarheit geht, um Aufklärung. Weil hier sieben SPIESSER-Autoren sind, die Licht ins Dunkle der Krise bringen. Weil sie aufgeschrieben haben, wie alles kam und weil ihr hier lesen könnt, warum Vertrauen in Geld am Ende doch nicht verloren ist. Deshalb „Lichtblicke.“

Das komplette SPIESSER-Spezial „Lichtblicke.“ findet ihr hier

 

Gewinnen

Bis zum 15. November könnt ihr 1 x 10.000 Euro und 5 x 1.000 Euro gewinnen. Die Volksbanken Raiffeisenbanken unterstützen euch auf dem Weg zu euren Zielen.

 

Das SPIESSER-Spezial entstand in Zusammenarbeit mit den deutschen Volksbanken Raiffeisenbanken.

Projektbegleitung: BVR – Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V.


Foto: Klaus Gigga
Text: Ruben Karschnick

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