Mach dein Ding!

„Mach dein Ding,
aber sei vernünftig!“

Er referiert über Businesspläne und Wettbewerbsanalysen, vertreibt Basilikum-Limos, kreiert eine Promi-App – und ist ganz nebenbei ein absoluter Vollblutmusiker. Der Sänger Robert-Redweik fühlt sich in zahlreichen Bereichen pudelwohl. Mit SPIESSER-Redakteurin Mireille hat er über BWL, Musik, sein Dozentenleben und aktuelles Solo-Projekt gesprochen.

26. Juni 2015 - 14:52
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Beigetreten: 25.08.2014

Wie verlief deine bisherige Musiker-Karriere?

Angefangen hat das alles in meiner Kindheit: Mit acht Jahren habe ich begonnen, Gitarre zu lernen und war im Knabenchor. Mit 13 kam dann die Schulband dazu. Später habe ich eine eigene kleine Booking-Agentur gegründet. Mit meiner damaligen Band habe ich außerdem zwei Alben in Eigenregie veröffentlicht.

Seit knapp neun Jahren bin ich nun im deutschsprachigen Bereich unterwegs. Vor vier bis fünf Jahren ist das Ganze größer geworden, mit Major-Management und der Major-Plattenfirma, damals alles noch in Bandformation. Seit kurzem bin ich nun mit meinem Soloprojekt unterwegs. Außerdem schreibe ich auch viel für andere Künstler, von Indie bis hin zu Pop oder auch Rock.


Robert Redweik ist unter seinen Studenten nicht
für seine Musik, sondern vor allem für sein Wissen
rund um Marktanalysen und Businesspläne bekannt.
Trotzdem hast du nach der Schule nicht Musik studiert, sondern BWL und Chemie. Warum?

Ganz einfach: Mir hat Chemie schon in der Schule Spaß gemacht. BWL fand ich aufgrund meiner Arbeit mit der Booking-Agentur spannend, weil ich dabei schon mit Organisation und Management zu tun hatte. Außerdem habe ich etwas gewählt, was mir genug Flexibilität lässt. Zusätzlich beschäftige ich mich auch gern mal mit anderen Dingen als nur der Musik. Ich habe bei mir die Gefahr gesehen, dass ich bei einem Musikstudium nicht mehr so wahnsinnige Lust auf das Musik machen haben würde.

In BWL habe ich dann übrigens auch noch promoviert. Da war es ähnlich, dass ich mir überlegt habe, wie ich möglichst viel Zeit für die Musik haben kann und trotzdem noch etwas mache, was ich spannend finde.

Bist du mittlerweile Vollzeitmusiker oder auch noch im BWL-Bereich aktiv?

Ich halte noch Vorlesungen an der Uni in München, z.B. Geschäftsplanung. Die Veranstaltung ist für alle Nicht-BWLer, die von mir einen Einblick bekommen wollen, wie man beispielsweise von einer Idee zu einem Produkt kommt oder wie eine Marktwettbewerbsanalyse funktioniert.

Außerdem halte ich Gastvorlesungen an der Musik- und der Filmhochschule. Da geht es dann häufig um Fragen à la: Wie kann ich als Künstler einen eigenen Businessplan aufstellen? Wie kann ich mich finanzieren? Das meiste erkläre ich dann am Beispiel meiner eigenen Person oder befreundeter Künstler.

Wissen deine Studenten also von deiner Tätigkeit als Musiker?

Ich bin da ganz offen. Ich arbeite ja auch nicht bei einer großen Versicherung, sondern in einem jungen, kreativen Umfeld mit zahlreichen Start-ups.

Was hat es denn mit deinen beiden Start-ups auf sich?

Das Erste ist im Getränkebereich in Zusammenarbeit mit einem Münchner Gastronom: Es dreht sich alles um eine Basilikum-Limonade.

Das zweite ist ein Startup im Social Media-Bereich. Hier entwerfen wir im Team eine Foto- und Content-App für Promis. Damit können Stars Fotos und andere Inhalte hochladen und die Presse kann im Hintergrund darauf zugreifen und das Material für ihre Beiträge verwenden. Dafür zahlen sie einen bestimmen Preis, ähnlich wie bei anderen Fotodatenbanken. Einen Teil dieser Gelder wird dann an Charity-Projekte gespendet.

Aktuell bist du ja mit deiner ersten Solo-Single unterwegs. Worum geht es bei „Der Letzte macht das Licht aus“?

Ende 2014 ist Alexander Gerst, der Astronaut, auf die Erde zurückgekommen und ich habe mir das Ganze live im TV angeschaut. Ein Satz von ihm ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Alexander meinte, wenn wir die Welt von oben sehen könnten, wie schön sie ist, dann würden wir uns alle etwas anders aufführen. Daraus entstand dann für mich diese Songzeile „Der Letzte macht das Licht aus“. Was machen wir hier eigentlich? Warum laufen denn die Dinge so, wie sie laufen? Und hey, unsere Welt ist schön, macht euch das mal bewusst!

Würdest du einem Nachwuchsmusiker nahe legen, in der Hinterhand immer ein zweites Standbein zu haben, so wie es bei dir auch der Fall ist?

Absolut, aus einem ganz einfachen Grund: Wir sind nicht mehr in den 80er und 90er Jahren und können uns nicht mehr sicher sein, dass ein Major-Plattenvertrag einen für die nächsten Jahre durchfüttert. Die Musiklandschaft wird immer härter. Ein zweites Standbein wie bei mir die Start-ups oder das Studium beruhigt einfach und lässt einem viel mehr kreativen Freiraum. Also, mach dein Ding, egal was die anderen meinen, aber sei vernünftig!

Interview: Mireille Huditz
Fotos: Hergen Schimpf

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