Kinofeeling

Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

In „Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste“ prallt die Welt der gehobenen Pariser Gesellschaft mit der, der auf der Straße lebenden Mitbürger zusammen. SPIESSER-Autorin Amelie hat die französische Winterkomödie für euch gesehen, anfangs gefroren und sich dann warmgelacht.

15. Februar 2017 - 15:48
SPIESSER-AutorIn pumpkinprincess.
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pumpkinprincess Offline
Beigetreten: 22.09.2016

Worum geht's?

Es ist kalt in Paris. Sehr kalt. So kalt, dass die Regierung händeringend nach Wohnraum für Obdachlose und Geringverdiener sucht, um sie vor dem Kältetod zu bewahren. Kurzerhand werden große Wohnungen, die zu wenige Bewohner aufweisen, beschlagnahmt.

Auch Christine Dubreuil, ihr egozentrischer Mann Pierre und ihre Tochter leben in einer für drei Personen viel zu großen Traumwohnung. Pierre, ein erfolgreicher Bauunternehmer, der sich den lieben langen Tag über Arbeitslose, Ausländer und „Gutmenschen“ wie die Nachbarsfamilie Brétzel aufregt, versucht um jeden Preis zu verhindern, dem Notstandsgesetz nachkommen zu müssen. Und auch die Brétzels, die Möchtegern-Aktivisten von nebenan, versuchen sich vor dem großen Zusammenrücken zu drücken.

Nur Madame Christine, die schon lange genug vom Egoismus ihres Mannes und der Rolle als Unternehmergattin hat, plagt das schlechte Gewissen. Kurzerhand denunziert sie Pierre und auch die Nachbarn Brétzel beim Amt. Schnell stehen die ersten fremden Gäste vor der Tür, die das Leben der gut betuchten Pariser ordentlich aufmischen.


Neue Mitbewohner ziehen ein.
Wer spielt mit?

Die bekannte französische Schauspielerin Karin Viard verkörpert die Madame Christine als eine so klischeehafte, urtypische Französin einer besseren Gesellschaftsklasse, dass es eine wahre Freude ist. Viard war unter anderem im Film „Verstehen Sie die Béliers?“ als Gehörlose Gigi Bélier zu sehen. Eine Rolle, für die sie sogar Gebärdensprache lernte.

Didier Bourdon („Liebe auf Französisch“) spielt Christine Dubreuils egozentrischen Mann Pierre als einen sehr unangenehmen Zeitgenossen, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Béatrice und Gregory Brétzel, sie eine Pseudo-Aktivistin, er fahriger Bestsellerautor, werden von Valérie Bonneton („Love etc.“) und Michel Vuillermoz („Zwei ungleiche Schwestern“) wunderbar komisch auf die Leinwand gebracht. Die rassistische Hausmeisterin, die eine lukrative Website betreibt, auf der man „seine Bedürftigen“ einfach tauschen kann, wird von Josiane Balasko („Willkommen im Hotel Mama“) gespielt – schön kratzbürstig und garantiert nicht liebenswert. Alles in allem eine überzeugende Besetzung!

Filmischer Augenschmaus?

Die gezeigten Bilder sind nicht wirklich herausragend, es gibt keine Specialeffects oder unglaubliche Szenerien zu sehen. Alles in allem ist der Film aber sehr schön komponiert und enthält ein paar schöne Aufnahmen vom dick verschneiten Paris.

Gibt’s was zu meckern?

Der Film erfüllt natürlich ein gewisses Klischee, auch, dass es ein Happy End gibt, ist relativ vorhersehbar. Teilweise ist die Rollenverteilung, wer jetzt gerade „Gutmensch“ oder doch reicher Schnösel ist, manchmal etwas undurchsichtig und verwirrend. Die scharfzüngigen, sehr komischen Dialoge machen das aber wieder wett.

Braucht man Taschentücher?

Nein, eigentlich nicht. Weder zum Lachen, noch zum Weinen. Der Film ist zwar sehr lustig, allerdings eher so, dass man vielleicht mal kichern muss.

Mit wem angucken?

Mit Freunden, der Mutter, dem Partner – allen, die die französische Komödie lieben. Wer lieber Actionmovies schaut, wird vielleicht ein bisschen gelangweilt sein.

Auf einen Blick
Action:  
Romantik: ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau:  ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪
Was macht man danach?

Sich in ein gemütliches Café setzen, etwas Heißes trinken und sich freuen, dass man keine kalten Nächte auf der Straße verbringen muss. Oder einem Obdachlosen etwas in den Hut werfen, um sein Gewissen zu beruhigen, falls man sich während des Films dabei ertappt hat, dass vielleicht ein kleiner Pierre Dubreuil in einem schlummert.

 

In 3 Worten:

Komisch. Beklemmend. Liebenswert.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Eine große Leinwand ist nicht zwingend notwendig. Keine spektakulären Bilder, dafür die Schauspieler, die dem Film eine unvergleichliche Würze verleihen. Der Wortwitz der Dialoge und die gebotene Schauspielkunst kommen aber sicher auch auf dem heimischen Bildschirm gut rüber.

Mainstream oder Independent?

Kann man französische Filme im Allgemeinen nicht eher als Independent betiteln? Wie dem auch sein, ein Blockbuster ist „Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste“ sicher nicht. Dennoch ist es ein Film, dessen komödiantischer Aspekt etwas für die breite Masse sein könnte. Man sollte ihn also nicht ganz in die Independent-Ecke stellen, sondern eher auf halbem Weg zu Mainstream.

Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

Regie: Alexandra Leclère
Schauspieler: Karin Viard, Didier Bourdon, Josiane Palasko
Kinostart: 09.02.2017
Länge: 102 Minuten
Genre: Komödie
FSK: 0

 

 

Text: Amelie Englert
Bildmaterial: ©SquareOne/Universum

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