Polimika – die Kolumne

Mädchen-Mädchen-Tag

Liebe Freundinnen des Rosas und Pinks, der Blumen und Schokolade – der Valentinstag ist mit seinem Kitsch und seinen Klischees mal wieder über uns geschwappt. Und wisst ihr was? Ihr könnt ihn haben, euren Prinzessinnen-Tag. Besser gesagt: Haltet ihn uns ja vom Leib!

17. Februar 2017 - 08:35
SPIESSER-Autorin Individuot.
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Individuot Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Es gibt diese „Mädchen-Mädchen“, also Frauen, die auf Mädchen tun und sich auch noch toll dabei fühlen. Sie essen aus Prinzip nicht auf, weil sie ja ach so sehr auf ihr Figürchen achten. Sie können nichts Schweres tragen, weil sie ja ach so schwach sind. Und frieren gehört bei ihnen sowieso zum guten Ton. Diese „Frauen“ fordern es mit Schmollmund und künstlichen Wimpern heraus, dass man ihnen hilft, ihnen möglichst alles abnimmt, womit sie sich – Gott bewahre! – herausfordern und überanstrengen könnten. Für genau solche Mädchen ist der Valentinstag geschaffen worden.

Ein Rosenblüten-Beet, eine Schachtel Pralinen und ein Gläschen Sekt – so könnte der perfekte vierzehnte Februar für diesen Teil der Damenwelt aussehen. Floristen erreichen an diesem Tag sagenhafte Umsätze und sicherlich sind auch schon unzählige Heiratsanträge am 14. Februar gemacht worden. Der Feiertag mit der angelsächsischen Tradition schwappt jedes Jahr mehr und mehr zu uns rüber. Und es wäre ja alles schön und gut an dieser gefakten Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, wenn es da nicht die Schattenseite und die bemitleidenden Blicke gäbe, für alle, die den Valentinstag nicht nur albern, sondern auch lächerlich finden.

Auf der Schattenseite des Ganzen stehen für Mädchen-Mädchen nämlich all die Frauen, die angeblich vollkommen verzweifeln, weil sie kein Date, keinen Freund, keinen Mann haben. Das Vorurteil heißt: Sie tun nur so als würden sie über dem globalen Tag des Süßholzraspelns stehen und sitzen aber abends alleine oder mit ihren ebenfalls schrecklich einsamen Freundinnen zuhause, gucken dumme Romantic Comedies und essen sehr seeehr viel Süßkram. Äh nein, tun wir nicht. Aus dem einfachen Grund, weil wir keine Mädchen-Mädchen sind. Natürlich mögen wir trotzdem Männer, sei es als Partner oder als Freunde, verbringen auch gerne Zeit mit ihnen. Aber das tun wir, weil wir es wollen, und nicht, um Dinge erledigt zu bekommen und unser Prinzessinnen-Image aufrecht zu erhalten. Deswegen überlassen wir euch auch gern den Valentinstag für Kitsch, Romantik und Sonnenuntergänge.

Natürlich könnte man nun fragen, wie Mädchen-Mädchen eigentlich zu Mädchen-Mädchen werden und dann könnte man mit Gesellschaft, Erziehung und Disney Filmen loslegen. Aber im Grunde ist es sehr viel einfacher: Es gibt Männer, die Mädchen-Mädchen mögen. Die wiederum ein Mädchen brauchen, das sie wie eine Prinzessin behandeln können. Eine, die die Welt nicht selbst erobern kann oder will, sondern sie zu Füßen gelegt haben möchte. Am Valentinstag kriegen alle Nicht-Prinzessinnen diesen traurigen Umstand vielleicht besonders stark unter die Nase gerieben, aber die rümpft man einfach einmal mehr und geht sich die verdammten Rosen selber kaufen, wenn man sie so dringend braucht.

Text: Polina Boyko
Foto-Collage: Anja Nier

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