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Mauern einreißen!

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!“ Diesen Satz sagte der damalige DDR-Staatschef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961. Zwei Monate später stand das Ding: Rund 160 Kilometer lang trennte sie über 28 Jahre lang Berlin in zwei Teile. Heute ist die Teilung Deutschlands längst Geschichte, oder?

09. Juli 2014 - 17:20
SPIESSER-Redakteurin Frit.zi.
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Frit.zi Offline
Beigetreten: 15.10.2013

Ich bin ein Wessi – das habe ich zumindest erfahren, als ich vor einigen Jahren aus Süddeutschland nach Sachsen zog. Schnell lernte ich, dass die Mauer, die ich bisher nur aus dem Geschichtsunterricht kannte, in meiner Wahlheimat gar nicht so weit weg ist. Viele meiner Bekanntschaften haben die Teilung Deutschlands durch Erzählungen ihrer Eltern so gut wie miterlebt.

Sie erzählen mir Geschichten davon, dass sie kein Telefon hatten, dass Bananen tatsächlich etwas Besonderes waren und dass ich ja keine Ahnung habe, wie junge Leute im Osten des Landes groß geworden sind. Stimmt, ich habe tatsächlich keine Ahnung davon. Ich war ja nicht dabei. Gott sei Dank, denke ich.


Die Stasi castet Lindenberg-Double für eine
vorgetäuschte Tour bei HINTERM HORIZONT

Foto: Sascha Radke / Eventpress

Ich finde Geschichte spannend, ich lasse mir gern erzählen, wie es damals war in der DDR und fange langsam auch an, nachvollziehen zu können, warum dieses Ossi-Wessi-Ding immer noch so präsent ist:
Nachdem sich hunderttausende DDR-Bürger mit ihrem Leben dafür eingesetzt hatten, dass Deutschlands Teilung endlich aufgehoben und die DDR-Diktatur abgesetzt wird, der Mauerfall am 9. November 1989 in einem rauschenden Fest gefeiert wurde, sich die Berliner euphorisch in den Armen lagen, kam auch schnell die Ernüchterung.

Die Wiedervereinigung ist bis heute ein Prozess, der dauert. Die beiden völlig unterschiedlich entwickelten deutschen Staaten sollten eins werden und das möglichst schnell. Dass das aber nach 40 Jahren Kommunismus hier und 40 Jahren Kapitalismus da nicht so einfach ist, ist ja irgendwie auch klar.

Zum Thema "Mauern einreißen" veranstaltet Stage Entertainment
einen Schülerkunstwettbwerb
mit einem Hauptgewinn im Wert von 2.500 €. Alle Infos dazu weiter
unten im Text und hier!

So. Und da fängt es an. Das mit dem Ossi-Wessi-Gequatsche, was mich zugegebenermaßen ziemlich nervt. Die einen ärgern sich, dass in Dresden jetzt alles so schön ist, dafür aber in ihrem Dorf irgendwo im Westen die Schlaglöcher nicht gestopft werden. Die anderen ärgern sich, dass sie genauso hart arbeiten, wie ihre Kollegen in den alten Bundesländern, aber immer noch nicht auf dem gleichen Lohnniveau angekommen sind. Und wiederum andere machen sich einfach nur darüber lustig, dass die einen Fleischpflanzerl sagen, die anderen Beefsteak und die dritten Fleischküchle. Mmh. Mir ist an diesem Ding ausschließlich wichtig, dass das ein lecker Hackfleischklos ist. Wie er heißt, geht mir – ich bitte um Verzeihung – am Allerwertesten vorbei!

Irgendwie ist es doch bescheuert, wenn wir – 25 Jahre nach dem Mauerfall – immer noch mit diesen ganzen Vorurteilen einfach so weitermachen, oder? Kennt ihr solche Mauern? Mauern in den Köpfen? Ich meine, wir sind doch jung. Es geht doch auch anders. Wir sind ein Land mit ganz wunderbaren Varietäten an Mentalitäten und Vergangenheiten und wir alle leben eine gemeinsame Zukunft. Ich will kein Wessi sein, und ich will auch nicht, dass mein Kollege ein Ossi ist. Wir sind ein Volk!


HINTERM HORIZONT - Das Musical
um die Liebe von Udo und Jessy.
Bild: Stage Entertainment

Genau darum geht es im Berlin-Musical HINTERM HORIZONT. Jeden Abend erzählt es deutsch-deutsche Geschichte. Mitten in Berlin. Dort, wo die Berliner Mauer verlief, gibt es Geschichte im Rockformat. Wie war das damals eigentlich, als diese – für junge Leute unwirklich wirkende – Mauer zum Leben der Leute dazugehörte? Wir kennen die deutsch-deutsche Grenze nur aus dem Schulbuch und von seltenen Klassenfahrten an die letzten Mauerreste. Welche Bedeutung hat die Mauer für euch heute? Könnt ihr euch eine unüberwindbare Grenze durch eine Millionenstadt heute überhaupt noch vorstellen? Könnt ihr jene Mauer im täglichen Miteinander auch noch spüren, in den Köpfen und Herzen der Menschen aus Ost und West? Macht mit beim Wettbewerb von Stage Entertainment und zeigt, wie ihr Mauern einreißt.

HINTERM HORIZONT ruft alle Schulklassen und Schüler in ganz Deutschland auf, ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Mauern in den Köpfen in einem Kunstwerk festzuhalten. Es können Arbeiten in den Kategorien Malerei, Foto, Zeichnung, Skulptur oder Kurzfilm eingereicht werden. Teilnehmen könnt ihr als Klasse, Projektgruppen oder auch alleine. Einsendungen sind vom 1. September bis zum 30. November 2014 möglich. Wohin und wie ihr eure Beiträge einsenden könnt, erfahrt ihr rechtzeitig hier auf SPIESSER.de

GEWINN UND JURY

Schirmherr und Vorsitzender der Jury des Schülerkunstpreises ist Udo Lindenberg. Die Kunstpreis-Jury vergibt einen ersten (2.500 €), zweiten (1.500 €) und dritten Platz (500€).

Die Gewinner werden in die Udo Lindenberg-Dauerausstellung im Stage Theater am Potsdamer Platz integriert und für begrenzten Zeitraum im Theater von HINTERM HORIZONT dem Publikum zugänglich gemacht.

Die Preisverleihung findet am 13. Januar 2015 im Stage Theater am Potsdamer Platz in Berlin statt.

Teaserbild: Tine Acke, Szenenbild aus dem Musical HINTERM HORIZONT
Text: Nora Stankewitz

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Kommentare

Drei Kommentare
  • Hast ja Recht: wenn es ernst gemeint ist, dann fragt man sich schon, was das soll.

  • Klar müssen wir drüber reden, sonst hätte ich das ja nicht geschrieben. Was ich eben schade finde ist, dass die Klischees auch unter jungen Leuten nicht abreißen, obwohl wir ja alle schon Bundesbürger sind - zumindest die nach 1990-Geborenen :-)

    Wie gesagt, ich liebe die deutschen Varietäten, und finde gut, dass man in jeder Region einen anderen "Menschenschlag" kennen lernen kann. Trotzdem, diese alten Ost-West-Vorurteile haben einen gaaaanz langen Bart und sind manchmal ganz schön nervig, wenn's halt irgendwie ernst gemeint ist.

  • Hey,

    und trotzdem: die neue Leipziger Mensa heisst bei uns die "West-Mensa", weil sie so schön und neu ist. Wir Ossis haben ja einen kleinen Minderwertigkeitskomplex, deshalb müssen wir euch Wessis immer erstmal erzählen wie verdammt hart es damals war! Verdammt hart war in dem Fall wie die Küchenfrauen damals das Essen direkt auf das Tablett mit den Vertiefungen geklatscht haben. Heute gibt es auch Teller...
    Aber mal im Ernst: Das ist ein unerschöpfliches Thema, da muss man auch 25 Jahre danach noch drüber reden dürfen. Sonst wissen doch gerade so geschichtsinteressierte Leute wie du, gar nicht was Fakt war. Mein Vater zum Beispiel konnte den Film "NVA" gar nicht gucken, ich fand ihn einfach lustig. Das ist doch schonmal ein Fortschritt, oder?

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