Nebenjob

Mehr als nur „Klinken putzen“...

Gutes tun und dabei noch Spaß haben – das geht nicht zusammen? Und ob das geht! SPIESSER-Autorin Tanja wirbt in ihrem Nebenjob Mitglieder für eine Hilfsorganisation. Nur der Job eines „Klinkenputzers“ oder steckt mehr dahinter?

11. Dezember 2014 - 15:31
SPIESSER-Autorin Musiclady.
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Musiclady Offline
Beigetreten: 11.06.2012

„Und immer müssen wir für dich alles bezahlen!“ Diesen Satz hatte ich oft von meinen Eltern zu hören bekommen. Ich dagegen wollte endlich auf eigenen Beinen stehen. was hab ich gemacht? Na klar – nach einem Ferienjob gesucht. Dabei begegneten mir viele unseriöse Angebote und Jobs, die erst ab einem Alter von 18 Jahren vergeben werden. das war also alles nix für mich. Nach einiger Zeit stieß ich auf eine Promotionagentur, die Sommerferienjobs für renommierte Hilfsorganisationen anbietet. Bewerben kostet ja nichts – also schrieb ich an die Agentur und bekam auch gleich einige Tage später eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dann ging alles ganz flott: Gespräch via Videotelefonie, zwei Wochen später die Zusage und die Info, welcher Stadt ich zugeteilt bin.

Zwischen WG-Leben und Straße

In meinem Nebenjob wohne ich jetzt mit fünf Leuten in einer WG zusammen. Unserer Tag beginnt morgens beim Frühstück. Wir besprechen die wichtigsten Dinge für den Tag. Im Anschluss haben wir eine Art Kommunikationstraining, bei dem man lernt, überzeugend, offen und selbstbewusst mit Menschen zu reden. Im Anschluss fahren wir gemeinsam in das Gebiet, in dem wir die neuen Mitglieder anwerben wollen.

Ich werbe in Witten (Nordrhein-Westfalen) – den Job kann man aber in Städten in ganz Deutschland machen. Und so läuft's ab: Man geht in die ihm zugeteilten Straßen, klingelt an den Türen der Menschen und überzeugt sie im besten Falle, ein Fördermitglied des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu werden, welches monatlich einen Beitrag an die Organisation spendet. Dazu stellen wir den Leuten die neuen Projekte vor und erklären ihnen, wie wichtig diese Organisation für ihren Wohnort ist. Anschließend schließen wir Förderverträge mit ihnen ab.

Ich arbeite von Montag bis Samstag – der Sonntag ist zur freien Verfügung gedacht. An unserem freien Tag unternehmen wir, also mein Team und ich, dann ganz oft etwas zusammen, wie beispielsweise Klettern oder Kart fahren.

Von Mensch zu Mensch, von Tür zu Tür

Beim über die Kartpiste brettern wird der Team-
zusammenhalt gestärkt.

Die meisten Schüler und Studenten bleiben zwischen drei und vier Wochen in einem Team. Diese Zeitspanne ist auch empfehlenswert, da man in der ersten Woche grundlegende Abläufe lernt, bis man ab der zweiten Woche richtig eingearbeitet ist. Am Anfang begleitet der Teamleiter die neuen Mitarbeiter, um ihnen Tipps zu geben und sie bei den Gesprächen zu unterstützen.

Während meiner Touren habe ich auch schon eine Menge außergewöhnlicher Leute kennengelernt. Da ist es natürlich wichtig, mit Menschen generell gut klarzukommen. Einmal war ich bei einer Frau mit ungefähr 20 Katzen, die mich in ihre Wohnung bat. Ein anderes Mal hatte ich es mit einer Person zu tun, die solche Angst vor mir hatte, dass sie mir mit ihrem Kampfhund drohte, wenn ich das Gelände nicht sofort verlasse. Vom kleinen Kind, über den Studenten bis hin zu Menschen, die den Krieg noch miterlebt haben – man trifft echt jeden Typ Mensch. Mit älteren Menschen rede ich oft eine längere Zeit. Meist bieten sie mir etwas zu trinken an und ich setze mich zu ihnen in die Küche.

Man sollte für den Job auf jeden Fall gerne reden, denn das macht man den ganzen Tag über. Auch sollte man kritikfähig sein, denn man lernt täglich im Training und in der Praxis dazu. Alle anderen Fähigkeiten kann man direkt im Job erlernen. Bezahlt wird das Ganze übrigens auf Provisionsbasis – also danach, wie viele Förderanträge man abschließt. Das ist zwar erst einmal eine Umstellung, aber wer wirklich viel arbeitet und schnell lernt, wird auch belohnt. In meiner ersten Woche habe ich dadurch circa 500 Euro verdient.



Tanja hilft mit ihrem Nebenjob
letztlich auch anderen Menschen
.
Viel mehr als „Klinken putzen“?

Einige mögen behaupten, wir seien Klinkenputzer, die den Menschen vielleicht etwas aufschwatzen wollen. Vergessen darf man aber nicht, dass wir gerade für Hilfsorganisationen wie das DRK wichtig sind, da die Fördergelder der Leute dringend für Projekte gebraucht werden.

Bei meinem ersten Einsatz war ich vier Wochen dabei und die Zeit ist schnell vergangen. Wenn man diesen Job für mindestens vier Wochen ausübt, bekommt man am Ende eine Praktikumsbescheinigung, die gut für Bewerbungen eingesetzt werden kann. Man nimmt außerdem eine ganze Reihe an neuen Fähigkeiten und Selbstbewusstsein mit – alles Dinge, die man nicht kaufen oder erzwingen, sondern nur erlernen kann. Man gewinnt Menschenkenntnis, hat Spaß im Team und schließt neue Freundschaften mit Leuten aus ganz Deutschland.

Text: Tanja Kioschis
Teaserfoto: Uta Herbert  / pixelio.de
Fotos: Flickr-User DSLr Book (CC BY-ND 2.0)/ Privat

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