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Melanie Bayer: „Affen in meinem Kopf“

Mit „Affen in meinem Kopf“ veröffentlichte Autorin Melanie Bayer im Grunde ihre Biografie. Es geht zwar um Charly Fuchs, eine junge Frau mit mehr Downs als Ups in ihrem Leben. Das Mobbing in der Schule als Lesbe und später im Beruf im medizinischen Bereich kommt allerdings direkt aus dem echten Leben der Autorin.

11. Dezember 2019 - 10:50
SPIESSER-Autorin teaserette.
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teaserette Offline
Beigetreten: 12.07.2010

Worum geht’s?

„Affen in meinem Kopf“ liest sich tatsächlich wie ein Tagebuch oder Blog. Die junge Charly erzählt davon, wie ihre Eltern sie geächtet und ihren jüngeren Bruder vergöttert haben. In ihrer Jugend verbieten sie ihr sogar ihr großes Hobby, das Schreiben. Ausgerechnet das Mittel, mit dem sie all ihre schlechten Erfahrungen verarbeiten konnte – und jetzt gerade tut! Nicht nur wegen ihrer roten, dichten Lockenmähne wird Charly gemobbt: „Es war also nicht gerade vorteilhaft, zu all dem auch noch lesbisch zu sein.“ Denn mit 16 verliebt sie, die Jungsschwärmereien nie nachvollziehen konnte, sich in ein Mädchen. Zu einem Zeitpunkt, als Homosexualität noch als „abartig“ gilt. Ab dem Coming-out bei den Eltern setzt die Autorin vermehrt auf Dialoge. Offen und ehrlich schildert sie, wie die beste Freundin aus der Schule Charly fallen lässt. Sicherlich für viele Leserinnen eine authentische Begebenheit. Früh heiratet Charly Andrea, „eine typische ‚Butch‘, also eine sehr maskuline Lesbe, die sich dementsprechend kleidete“. Die Ehe der beiden ist alles andere als ein Märchen. Aber auch im Berufsleben fügt sich nicht alles zum Guten. Charly entscheidet sich für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten. Schwierige Chefs und Chefinnen sollen sie bis zur letzten Station im Pflegedienst begleiten. Mit diesen Charakteren umgehend wird Charly zunehmend selbstsicherer. Ob sie, auch Dank ihrer neuen Liebe, über die Affen, die sie in ihrem Kopf terrorisieren, hinwegkommen kann?

„Affen im Kopf“

Autor: Melanie Bayer
Veröffentlichung: 31. Oktober 2019
Seitenzahl: 161

„Affen in meinem Kopf“ gibt viele gute Ratschläge zum Outing, zum Thema Freundschaft und zum Handwerk Schreiben. Zudem besticht das Buch mit interessanten Wortschöpfungen („Orangenakupunktur“) und schönen Formulierungen („Als ich mich endlich wie ein Sushi eingerollt hatte“). Zwischendrin lockert die Autorin die Geschichte mit Auflistungen auf, wie zum Beispiel die fünf besten Kommentare, die sie zu ihrer sexuellen Orientierung in der Berufsschule hören musste („Als wäre eine Lesbe ein Weltwunder“).

Wer steckt dahinter?

Melanie Bayer stammt aus Mannheim und lebt heute mit ihrer Frau in Baden-Württemberg. Sie war in ihrer Jugend Mitglied einer Showgruppe. Hier schließen sich Schauspiel- und Tanzbegeisterte zusammen, um zumeist auf Conventions für japanische Popkultur Stücke aufzuführen. Über dieses Leben und vor allem Zusammenleben berichtet sie in „Affen in meinem Kopf“ ein wenig. Der Einblick in den Probenalltag ist durchaus spannend.
Wer der Autorin auf Instagram folgt, wird ihre sommerlichen Gartenpostings schon bemerkt haben. Schnell wird der Zusammenhang klar: Mit der Widmung an die Großeltern, mit der Erinnerung an deren paradiesisches Stück Grün. Ihr Account heißt heldin_on_tour84 – denn das ist es, was man im Pflegedienst ist.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit 161 Seiten ist „Affen in meinem Kopf“ nicht der dicke Schinken, der vermutlich das Nachfolgewerk der Autorin wird (sie arbeitet derzeit an einer Fantasytrilogie). Das ist aber auch überhaupt nicht schlimm, denn das Buch liest sich ohnehin so zügig weg, dass man sich danach ein Update wünscht. Am besten so in fünf Jahren, sodass man erfährt, was seitdem mit Charly passiert ist.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Für die Mittagspause, damit man sich bei möglichem Stress auf der Arbeit oder in der Schule nicht allein fühlt.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

7. Charlys Weg wird eingerahmt vom Tag eines PUR-Konzerts, so sind die Stunden davor, die Anfahrt und das Konzert jeweils Abschnitte in Charlys Leben zugeordnet. Das macht es einfach, das Buch wegzulegen, wenn ein Kapitel vorbei ist.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Freunden, die ebenfalls an Schule, Job oder Familie zu knabbern haben.

Lieblingszitat:

„Warst du denn mit Frauen zusammen, bevor du verstanden hast, dass du auf Männer stehst?“

In drei Worten:

Zum selbstbewussten Leben.

 

Text: Simone Bauer
Teaserbild & Coverfoto: Melanie Bayer

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