Anpacken für unsere Welt

Milch genießen
für den guten Zweck

„Die Milch macht’s!“ – Eine Redewendung, ein alter Werbespot, eine Weisheit von Oma. Ja, Milch ist gesund. Warum Milch für die Menschen in Burkina Faso aber wichtiger ist als wir glauben und wieso das mit der EU zusammenhängt, weiß SPIESSER-Redakteur Tom.

10. Februar 2017 - 10:24
SPIESSER-Redakteur Onlineredaktion.
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Onlineredaktion Offline
Beigetreten: 25.04.2009

Die Fastenzeit
Während der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern treten viele von uns etwas kürzer, um sich auf die relevanten Dinge im Leben zu besinnen. Dies schließt nicht nur die Ernährung des Einzelnen mit ein. Jeder kann in dieser Zeit neue Lebensweisen ausprobieren. Auch dafür liefert die Jugendaktion tolle Ideen: www.jugendaktion.de/2017/fasten-tipps

Für uns ist Milch etwas ganz Alltägliches. Sie ist überall zu haben, kostet nicht viel und ist gesund und lecker. Dadurch entgeht den meisten von uns, dass dieses Produkt für viele Menschen die Existenzgrundlage bedeutet. Da Milch ein weltweites Grundnahrungsmittel ist, wird sie überall produziert und vertrieben. Auch im fernen Burkina Faso in Westafrika ist die Milchproduktion eine wichtige Einnahmequelle der Bauern. Das Problem ist, dass der Markt dort von billigerer Importmilch in Form von Milchpulver aus dem Ausland, insbesondere aus der EU, überflutet wird. Dadurch bleiben die Bauern auf ihrer lokal produzierten Milch sitzen.

Das MISEREOR-Partnerprojekt PASMEP hat sich diesem Problem angenommen und gehandelt. Durch die Finanzierung und den Bau einer kleinen Molkerei kann die Milch vor Ort abgegeben und weiterverarbeitet werden, sodass die Verkaufsmöglichkeiten verbessert werden.

 

Jugend in Aktion

Das Problem der Milchbauern Burkina Fasos ist aber kein regionales Phänomen. Auch in Deutschland bereiten das Überangebot an Milch und der damit einher gehende Preisverfall vielen Milchproduzenten seit langem Sorgen. Mit jedem verkauften Liter Milch machen die Milchbauern hierzulande Verlust. Profit machen nur die großen Milchkonzerne. Auch darauf möchte die im Rahmen der Fastenaktion entstandene Jugendaktion „BASTA! Die Milch ist es wert!“ von MISEREOR hinweisen.

Erfahrt die Lebenswirklichkeit der einfachen Milchbauern bei der Milchproduktion und setzt euch mit den globalen Zusammenhängen auf dem Milchmarkt auseinander. Ihr werdet die Milch mit anderen Augen sehen und euer Konsumverhalten verändern. Zudem seid ihr natürlich auch jederzeit eingeladen selbst aktiv zu werden. Dafür haben sich MISEREOR und der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) eine neue Aktion ausgedacht: „Milk Stop“.


Bild: © Kopp / MISEREOR
Milk Stop

Mit der „Milk Stop“-Aktion könnt ihr auch politisch aktiv werden, indem Ihr die Forderungen von MISEREOR an die EU unterstützt:

  • die Berücksichtigung und den Schutz der Milchwirtschaft in den Ländern Afrikas in den Handelsabkommen zwischen der EU und afrikanischen Ländern
  • die Weiterentwicklung von Instrumenten (Intervention, Preisuntergrenze) zur Regulierung des innereuropäischen Milchpreises, um die Existenz von kleinen und mittleren Betrieben zu sichern.
  • gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Überproduktion in der EU eindämmen und so ausländische Märkte vor der Konkurrenz durch Billig-Milch schützen.

Auch ihr könnt sowohl Milchproduzenten in der Region als auch Milchbauern in Burkina Faso unterstützen. Wie das geht? Ganz einfach! Zusammen mit euren Freundinnen und Freunden oder der Klasse könnt ihr einen „Milk Stop“ veranstalten. Verkauft auf eurem Pausenhof, auf dem Elternfest oder in der Innenstadt einfach leckere Milchprodukte wie Kakao, Bananenmilch oder Milchkaffee von Milchbauern aus der Region. Der Erlös aus den Einnahmen geht an die Milchbauern in Burkina Faso. Falls ihr Materialen braucht, um euren Stand optisch aufzupeppen, könnt ihr euch jederzeit auf www.jugendaktion.de bedienen.

 

Burkina Faso

Foto: © Conrads / MISEREOR

Wer nicht gerade ein Geo-Ass ist, wird mit dem Namen Burkina Faso nicht viel anfangen können. Burkina Faso ist ein Land in Westafrika. Die Hauptstadt des Landes trägt den interessanten Namen Ouagadougou. Auf einer Fläche von 267.950 km² leben in Burkina Faso etwa 19 Millionen Burkinabès, wie sich die Einwohner selbst bezeichnen. Der Bevölkerung gehören über sechzig verschiedene ethnische Gruppen an. Sie alle haben Französisch als gemeinsame Amtssprache. Zusätzlich werden im Land aber auch Mooré und Fulfuldé gesprochen.

Rund 80 % der Burkinabès leben von Ackerbau und Viehhaltung und das, obwohl das Land in der von Dürreperioden geplagten Sahelzone liegt. Das Wetter in dieser Gegend ist für unsere Verhältnisse extrem. Es gibt eine Regenzeit von Juni bis Oktober und eine Trockenzeit. Vor allem im Norden des Landes ist die Dürreperiode deutlich länger als die sechs Monate der Trockenzeit. Umso erstaunlicher ist es, dass die Burkinabès die Produktion von Sorghum, Mais, Maniok und Augenbohnen in den letzten Jahrzehnten stetig steigern konnten.

PASMEP „Aktionsplattform zur Sicherung weidewirtschaftlicher Haushalte“

Foto: © Kopp / MISEREOR

Das MISEREOR-Partnerprojekt PASMEP (Plate-Forme d'Actions à la Securisation des Menages Pastoraux) unterstützt die in Burkina Faso lebende Minderheit der Peulh. Die Peulh sind größtenteils Halbnomaden, die mit ihren Viehherden durch die Region ziehen. Die Tiere sind dabei für die Peulh Statussymbole und wichtige Partner im Leben.

In einem Land wie Burkina Faso, in dem jeder Zweite unterhalb der Armutsgrenze lebt, sind die Tiere natürlich auch wertvolle Geldquellen. Für das tägliche Einkommen der sesshaften Frauen ist die Milchproduktion der Tiere entscheidend. Hier setzt PASMEP an.

Im Mai 2015 wurde im Dorf Tambolo eine Minimolkerei errichtet, um die Milch vor Ort zu Joghurt weiterverarbeiten zu können. Der Betrieb der Molkerei von der Leitung bis zur Produktion ist größtenteils Frauensache. Eine Buchhalterin regelt, welche Milchbäuerin wieviel Milch anliefert. PASMEP lieferte den Peulh zusätzlich neues Wissen bei der Futterproduktion für die Tiere, was die Milchmenge seit Beginn des Projektes beträchtlich erhöhen konnte.

Die Minimolkerei bedeutet neben der finanziellen Stabilität aber auch mehr Lebensqualität für die Dorfbewohner. Heute können die Milchbäuerinnen ihre Milch bei der Molkerei im Dorf abgeben, ohne sie kilometerweit bis in die nächste Stadt tragen zu müssen. Auch das Dorf selbst ist seit dem Bau der Molkerei weiter gewachsen und weitere Verkaufsläden wurden eröffnet.

BASTA! Die Milch ist es wert!

Auf www.misereor.de, www.fastenaktion.de oder www.jugendaktion.de findet ihr noch viele weitere Informationen und Videos über die Lebensbedingungen im diesjährigen Partnerland Burkina Faso.

Folgt der Jugendaktion im Netz auf:

facebook.com/jugendaktion.de
youtube.com/user/Jugendaktion
twitter.com/jugendaktion

 

 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Misereor e.V. und dem BDKJ.

 

 

Text: Tom Göpfert
Bildmaterial: © Kopp / MISEREOR

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