Anpacken für unsere Welt

Mit gutem Journalismus
Vorurteile abbauen

Medien übernehmen in Konfliktregionen eine wichtige Rolle. Durch die Berichterstattung kann die Wahrnehmung eines Konflikts nämlich massiv beeinflusst werden. Als „negativ“ wird die Berichterstattung dann aufgefasst, wenn sich eine der Konfliktparteien benachteiligt oder missverstanden fühlt. Auf den Philippinen ist diese Spannung besonders sichtbar.

09. Dezember 2016 - 11:18
SPIESSER-Autorin Gradl mim Radl.
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Gradl mim Radl Offline
Beigetreten: 23.08.2016

Am 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung ist in der Erklärung der Menschenrechte im Artikel 19 festgehalten. Der Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes garantiert uns hier in Deutschland zudem die Meinungs- und Informationsfreiheit, die Presse-, Rundfunk und Filmfreiheit sowie die Freiheit von Wissenschaft und Kunst. Das heißt, wir dürfen unsere Meinung kundtun und die Presse informiert uns ausgiebig, objektiv und wahrheitsgemäß über konkrete Sachverhalte. Aber diese Gesetze gelten nicht in allen Teilen der Welt und nicht jede Regierung lässt Journalisten frei arbeiten, wie das Beispiel der Philippinen zeigt, wo sich die MISEREOR Partnerorganisation PECOJON für konfliktsensiblen Journalismus einsetzt.

Tag der Menschenrechte

Der Tag der Menschenrechte wird seit 1948 jedes Jahr am 10. Dezember gefeiert. Die UN will damit jährlich an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erinnern.

Dabei einigten sich 56 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erstmals auf einen gemeinsamen Katalog von Grundrechten basierend auf Gleichheit, Gerechtigkeit und  Rechtsstaatlichkeit. Dieses Wertesystem gilt seitdem für alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, Alter, sozialem Status oder politischer Gesinnung.

Zudem nehmen Nichtregierungsorganisationen wie MISEREOR diesen Tag als Anlass, um die Menschenrechtssituation weltweit kritisch zu betrachten und auf Brennpunkte hinzuweisen. Denn auch über 60 Jahre nach der Verabschiedung der Menschenrechte, kommt es immer wieder zu schweren Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierungen oder Misshandlungen.

Journalisten als „Mittel zum Zweck“

Seit über 40 Jahren kämpfen die philippinische Armee und verschiedene bewaffnete Gruppen gegeneinander. Die Kolonialisierung durch Spanien und die Ansiedlung christlicher Siedler durch die philippinische Regierung hatten dazu geführt, dass die vorher regierende, muslimische Bevölkerung in ihren Rechten eingeschränkt wurde. Nun kämpfen seit über 40 Jahren Muslime in Mindanao einen Kampf gegen die Regierung, um ihre Rechte zurück zu bekommen. Folgen des Krieges für die Bevölkerung sind Verarmung, Vertreibung und tiefes Misstrauen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen untereinander.


PECOJON klärt die Journalisten vor Ort über guten
Journalismus auf.

Die Medienlandschaft auf den Philippinen ist von hartem Wettbewerb geprägt. Journalisten sind meist schlecht bezahlt, schlecht ausgebildet und wollen ihr Gehalt durch parteiische Berichterstattung aufbessern, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Zudem führt der Konkurrenzdruck dazu, dass mehr über die Konflikte als über Frieden oder eine sachliche Darstellung geschrieben wird. „Nachrichten sind ein Geschäft, sie müssen brandaktuell sein. Anschläge oder Gefechte verkaufen sich gut und schaffen es daher leicht in die Schlagzeilen, getreu dem Motto ´If it bleeds, it leads`“, erklärt Karlon Rama vom Peace and Conflict Journalism Network (PECOJON), einer Partnerorganisation von MISEREOR auf den Philippinen. Zudem erklärt er, dass die „Sensations-Berichterstattung“ mehr als fragwürdig ist, denn sie sei stark vereinfachend, unausgewogen und schüre die Ängste der Parteien voreinander.

PECOJON (Peace and Conflict Journalism Network)

PECOJON ist ein internationales Netzwerk von Journalisten verschiedener Mediengattungen, die sich für eine verantwortungsvolle und qualitativ hochwertige Berichterstattung über Konflikte, Krisen und Kriege einsetzen.

Besonders in den Krisengebieten werden Journalisten häufig verfolgt oder dazu gezwungen, falsche Wahrheiten zu verbreiten. Hier setzt PECOJON an, indem sie sich für Journalisten stark machen und unter anderem auch Schulungen auf dem Gebiet Konfliktanalyse und konfliktsensitiver Journalismus anbieten.

PECOJON wurde 2004 als philippinisch-deutsches Partnerschaftsprojekt gegründet und wuchs schnell zu einem internationalen Netzwerk.
Mehr Infos bekommt ihr hier unter www.pecojon.org.

Konfliktsensibler Journalismus

Workshop für Konfliktsensiblen Journalismus
auf den Philippinen.

Hier setzt die Arbeit von PECOJON an. Die Partnerorganisation von MISEREOR bietet auf den Philippinen und in weiteren Ländern Südostasiens Training für konfliktsensiblen Journalismus an. „Dabei geht es nicht um Lobbyarbeit für den Frieden, welche die teilenden Faktoren eines Konfliktes ausblendet und nur über friedensfördernde Maßnahmen berichtet. Dann würden Journalisten erneut darin bestärkt, Ereignisse unausgewogen darzustellen und Informationen nicht zu hinterfragen“, so Rama. Vielmehr gehe es darum, dass die Journalisten sich ihrer Verantwortung als Meinungsmacher bewusst werden und den Konflikt richtig einordnen.

In seinen Weiterbildungen zum Thema „Konfliktsensitive Berichterstattung“ regt der MISEREOR-Partner PECOJON genau diese Rückbesinnung auf journalistische Grundprinzipien an. Die teilnehmenden Journalisten lernen zudem die grundlegenden Werkzeuge für konfliktsensible Berichterstattung. Und die Unterstützung ist sehr willkommen: Bisher nahmen schon über 300 Journalisten auf den Philippinen an diesen Workshops teil.

Plattform für guten Journalismus

Doch auch geschulte Journalisten können nur dann einen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten leisten, wenn die konfliktsensiblen Berichte auch an die Öffentlichkeit gelangen. Das Problem auf den Philippinen ist, dass es keine öffentlich-rechtlichen Medien gibt. Und der Wettbewerb auf dem privaten Medienmarkt führt oft zu übertriebener, sensationeller Berichterstattung, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Auch hier setzt PECOJON an. Der MISEREOR-Partner bietet seit Kurzem eine alternative Medienplattform an, auf der Journalisten ihre Artikel in Originalform und ungekürzt veröffentlichen können. „Konfliktsensibler Journalismus kann die Ursachen von Gewalt begreifbar und die Interessen und Bedürfnisse hinter bestimmten Positionen nachvollziehbar werden lassen. So wird ein bedeutender Beitrag zum Abbau von Vorurteilen, zum Verständnis und friedlicher Koexistenz geleistet“, ist sich Rama sicher.

Mehr Infos zu dieser und weiteren Partnerorganisationen von MISEREOR sowie zahlreichen Projekten erfahrt ihr auf www.misereor.de!

 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Misereor e.V.

 

Text: Franziska Gradl
Fotos:
©Thomas Kuller/MISEREOR

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