Mach dein Ding!

Mit leichtem Gepäck um die Welt

Mit zwei kleinen Rucksäcken in die große weite Welt: Elisa und John reisen für ihr Filmprojekt „Mit leichtem Gepäck“ rund um die Erde. SPIESSER-Autorin Mireille hat die zwei über fehlende Sprachkenntnisse, den deutschen Herbst und Privatsphäre ausgequetscht.

13. November 2014 - 10:16
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Beigetreten: 25.08.2014

Seit Mai reist ihr durch die Welt und produziert dafür kurze Fernsehbeiträge. Euer nächstes Reiseziel dürfen jedes Mal eure Zuschauer bestimmen.  Warum wolltet ihr das Projekt machen?

Seit einem halben Jahr reisen die Berliner Marie Elisa Scheidt, 28, und John Koster, 32, um die Welt. Immer mit dabei: Ihre Videokamera. Die filmischen Ergebnisse gibt’s wöchentlich auf ihrer Webseite.

Elisa: Ich habe vorher schon Dokus gedreht, da ich Dokumentarfilmregie studiere, und ich fand die Herausforderung ziemlich cool, in solch einem schnellen Tempo produzieren zu müssen. Es ist einfach cool, sich selbst in einem so kleinen Format über einen längeren Zeitraum auszuprobieren.

Mit welchem Equipment reist ihr?

Elisa: Wir haben eine kleine Videokamera, ein externes Mikro und dann noch ein weiteres Mikro zum Aufnehmen von Extra-Tönen. Zu Beginn hatten wir einen Rechner, mittlerweile sind es zwei, um parallel arbeiten zu können. Außerdem schicken wir alle drei Monate eine Festplatte nach München, um ein Backup unserer gefilmten Daten zu machen. So müssen wir nicht die ganzen Festplatten mit uns rumschleppen.

Wie lange seid ihr immer ungefähr an einem Ort?

Elisa: Es kommt  immer darauf an, wie viel wir gedreht haben. Wenn viel Material zusammen kommt, muss das ja auch geschnitten werden. Da verbringen wir längere Zeit an einem Ort, bauen unser mobiles Produktionsbüro auf und sind fleißig am Schneiden. Es gibt aber auch Zeiten, z. B. als wir in Madagaskar unterwegs waren, da sind wir an einem Ort angekommen, haben am nächsten Tag geschnitten, hochgeladen und dann ging es schon wieder weiter.

Sprecht ihr viele Sprachen oder wie kommuniziert ihr mit Einheimischen?

Elisa: Ich kann ganz gut Französisch und Englisch, aber ich würde so gerne in jedem Land, in dem wir sind, die Sprache richtig lernen. Das ist aber nicht möglich. Du reist so schnell von einem Land zum nächsten. Da wünsche ich mir, länger irgendwo zu verweilen, dass sich das, was man lernt, eben auch setzen kann und nicht gleich wieder von etwas neuem im Gehirn überschrieben wird.


Nicht immer ist es für die beiden einfach, sich mit den
Einheimischen zu verständigen.

John: Es ist eine große Einschränkung mit diesem Projekt, wenn du nur einen Monat in jeweils einem Land bist und nicht zehn Sprachen sprichst.  Wenn ich so ein Auslandsprojekt noch einmal machen würde, dann würde ich das Reiseziel auf ein Gebiet einschränken, in dem ein und dieselbe Sprache gesprochen wird. Sonst gibt es eine Oberfläche, die du einfach nicht durchdringen kannst.

Habt ihr Heimweh?

Elisa: Heimweh würde ich nicht sagen, aber ich freue mich darauf, wieder sesshaft zu sein, eine normale Routine zu haben, etwas Privatsphäre zu genießen und meine Freunde zu treffen. Schwierig ist es, in der Zeit der Reise, einen frischen Blick, auch fürs Filmen, zu bewahren. Deshalb finde ich es immer ziemlich cool, wenn die Zuschauer erneut abgestimmt haben, wo es als nächstes hingehen soll. Da geht man dann mit neuem Elan an das nächste Ziel heran.

Was war die bisher interessanteste Begegnung auf eurer Reise?

John: Ein Highlight war der Kumpel, der uns in Madagaskar in den Westen begleitet hat und extrem gut Deutsch gesprochen hat. Es gibt wenige Menschen, die bereit wären, spontan für zwei Wochen mit uns abzuhauen und uns zu helfen.

Elisa: Eine unvergessliche Begegnung hatten wir in Marokko. Da haben wir jemanden über Couchsurfing kennengelernt und wurden bei ihm zuhause aufgenommen, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir sind dann eines Nachts um Mitternacht in die Wüste gefahren und haben bei Mondlicht Kampfsport geübt, machten Lagerfeuer, haben Melone gegessen, gesungen und saßen bis fünf Uhr morgens zusammen. Das werde ich nie vergessen. Aber problematisch ist, dass man, wenn man Leute kennenlernt und bei ihnen schläft, seine Privatsphäre aufgibt. Da sehne ich mich dann nach meinem eigenen Zimmer und würde mich gerne einmal zurückziehen, um mein eigenes Ding zu machen.

Wo möchtet ihr noch hinreisen?

Das nächste Reiseziel ist für Elisa und John stets
ungewiss.

John: Das ist den Zuschauern überlassen. Klar haben wir Traumziele, aber diese zu vertreten, geht gegen das Prinzip des Projektes.

Elisa: Was mir zur Zeit fehlt, ist die Kälte, der Regen und diese Herbstmelancholie. Wir haben endlosen Sommer seit mehreren Monaten. Ich wäre manchmal gern wieder einen Nachmittag in Berlin und würde durchs Herbstlaub spazieren. Aber das zu denken, ist eigentlich absurd. Wir waren kürzlich im Regenwald, da gab es riesige Laubblätter, die so groß waren wie mein Oberkörper. Da kannst du eigentlich kein Herbstlaub vermissen, weil du dort Herbstlaub deluxe hattest.

Hattet ihr nach einer Abstimmung mal keine Lust auf das nächste Reiseziel?

John: Dadurch, dass wir nur ziemlich kleine Rucksäcke dabei haben, war es nicht möglich, Winterkleidung einzupacken. Somit waren winterliche oder nördliche Ziele von vornherein ausgeschlossen. Also nicht, dass wir kein Bock darauf gehabt hätten, aber das war einfach nicht drin. Aber im Prinzip gibt es für mich keinen Ort, den ich nicht besuchen möchte, gesetzt, es herrscht dort momentan kein Krieg.

Wie geht es nach dem Ende von „Mit leichtem Gepäck“ für euch weiter?

Elisa: Ich werde den Langfilm schneiden, der aus dem Projekt entstehen soll. Danach werde ich meinen Abschlussfilm für die Filmhochschule produzieren.

John: Ich weiß es noch nicht genau. Ich werde eine Übersetzung von einem philosophischen Buch fertig stellen und dann will ich auch ein neues Filmprojekt starten. Es steht aber noch nichts genaues fest. Bei mir ist alles noch etwas abenteuerlicher.

Text: Mireille Huditz
Fotos: Mit leichtem Gepäck

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