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Nur noch kurz die Welt retten?

An Bäume ketten und auf Schienen legen –  das hilft vielleicht dem guten Gewissen, aber doch nicht wirklich der Umwelt, oder? Die SPIESSER-Autoren Tine und Annika sind sich da nicht wirklich einig. Während die eine meint, dass Demonstrationen sinnlos sind, hält die andere sie für ein wichtiges Instrument, das auch wirklich helfen kann. Und welche Argumente überzeugen euch?

13. November 2014 - 13:54
SPIESSER-Autorin Pinguwatschel.
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Pinguwatschel Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Die große Frage:
"Was bringen Demonstrationen wirklich?"

Tine:  Es mutet so ehrenvoll an: sich auf Schienen ketten, um einen Castortransport aufzuhalten oder an Bäume , um gegen Waldsterben vorzugehen. Ketten scheinen echt oft das Mittel der Wahl zu sein, wenn es um Demos geht. Woher bekommt man die Dinger heute eigentlich noch? Im Baumarkt? Unüberbrückbare Barrieren sind die jedenfalls nicht: Die Polizei schneidet sie durch oder zersägt sie und dann wird der Baum am Ende doch gefällt.

Ich frage mich: Was bringt dieser Protest? Wäre die Umwelt mit ein paar Worten und Versammlungen zu retten, lebten wir längst in einem Paradies. Und tun wir das? Nein – es klappt also ganz offensichtlich nicht.

Symbolisch ohne Durchschlagskraft

Versteht mich nicht falsch, ich bin auch dafür die Umwelt zu retten. Aber ich bin für sinnvolle Aktionen. Was bringen die Demonstrationen außer Verhaftungen, Anzeigen und folgenden Protesten gegen die Polizei, weil diese sich erdreistet hat, ihrer Arbeit nachzukommen? Gegen den Walfang vor der japanischen Küste nützt auch die größte Kundgebung in Berlin nichts. Auch nicht, wenn sie vor der japanischen Botschaft stattfindet, wie im Februar dieses Jahres.


Tine hält nichts vom Rumsitzen und Anketten -
sie findet, dass es sehr viel wirksamere Aktionen
gibt. Petitionen zum Beispiel. Foto: Takver,
flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0)

Die vielen Demonstrationen wirken fast schon scheinheilig. Sich zu versammeln und zu schreien, kostet meistens nicht mehr, als die Pappe für das selbstgebastelte Schild. Und dennoch ist das Gewissen beruhigt – man hat etwas für die Umwelt getan.

Na und? Viel ergiebiger wäre es doch, etwas Geld an eine wirklich große Organisation zu spenden oder ihr beizutreten, um dann vor Ort gegen Delfin- und Walfang vorzugehen – an Bord eines Schiffes. Solche Schiffe und auch die Aktivisten müssen bezahlt werden. Doch wovon? Moral und guter Willen reichen da leider nicht. Es gilt, die Energien zu bündeln und nicht nur auf die symbolische Kraft zu setzen.

Politik unter Druck

Nehmen wir zum Beispiel Petitionen. Die sind oft sehr viel wirksamer- Durch sie  können wir die Demokratie an ihrer Basis packen und so die Politiker ein Stückchen unter Druck setzen. Petitionen haben keinen sehr guten Ruf, weil sie oft nicht mit genügend Nachdruck vorgebracht werden und zu wenig Leute unterschreiben. Eine Unterschrift zu leisten dauert aber auch bei Weitem nicht so lange, wie ein Sit-In oder sich an Bäume zu fesseln. Die Unterschrift wirkt dadurch nicht so heldenhaft. Könnte das nicht am Ende vielleicht der Grund für die fehlenden Unterschriften sein? Wollen die Demonstranten Helden sein – und das geht am Schreibtisch nicht?

In Dresden haben Eltern und Lehrer 2012 allein mit einer Petition die Schließung einer Umwelt- und Naturgrundschule verhindert. Sie haben mit Verantwortlichen im Sächsischen Landtag direkt gesprochen und Unterschriften gesammelt – erfolgreich, ganz ohne Ketten.

Im Kleinen und im Großen

Auf der Landes- und auch auf der Bundesebene ist es meiner Meinung nach viel sinnvoller, es der Politik unbequem zu machen und den Bürgerwillen mit Petitionen zu zeigen. Konstruktive Aktionen wie die der Eltern und Lehrer 2012 in Dresden, die auch Alternativen aufzeigen, haben hier viel mehr Chancen auf Erfolg. Und international gibt es ohnehin bereits genug Freiwillige und Aktivisten. Hier braucht es nicht immer mehr Menschen, die auch hier für den Regenwald auf die Straßen gehen, sondern oft einfach mehr Mittel, damit nicht an unzähligen kleinen Baustellen wirkungslose Versuche betrieben werden müssen. Also:Für die Umwelt?Ja! Aber bitte richtig.

 

Text: Tine Heynatz
Teaser-Bild: "Jan-Henrik Wiebe" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Ich stimme andrew zu. Ich glaube nicht, dass das Problem unserer heutigen Generation ist, dass wir uns zu wenig informieren aber gleich "drauflosdemonstrieren". Meiner Meinung nach ist eher das Gegenteil der Fall. Das Wort "Demo" hat doch für die meisten Menschen so einen negativen Beigeschmack nach "Öko" oder "Möchtegernweltverbesserer". Klar, durch Demos kann man schwer direkten Einfluss auf ein Problem (in der Politik) ausüben - aber indirekt! Durch Demos gelangt ein Thema eben erst zu Aufmerksamkeit, wie Annika schon sagt. Dadurch befassen sich mehr Leute mit einem Thema, das ihnen vorher völlig unbekannt war. Und wenn die breite Öffentlichkeit sich plötzlich mit etwas beschäftigt, dann kann dadurch schon Druck auf die Poltik ausgeübt werden! Petitionen usw. können ja zusätzlich dazu beschlossen werden - das eine schliesst das andere ja nicht aus.

  • Ich habe nicht den Eindruck, dass Demonstrationen zur Zeit besonders "hipp", ganz zu schweigen "inn" sind. - Im Gegenteil! Viele halten sich aus dem politischen Geschehen raus aus den unterschiedlichsten Gründen! Es ist ja auch schwer sich eine Meinung zu bilden, weil die Themen komplex, schwierig und undurchschaubar geworden sind. Trotz - oder wegen! - der Medien- und Informationsvielfalt ist es erst einmal Arbeit durch-zusteigen und sich umfangreich zu informieren. Zudem kümmern sich viele um ihr Privatleben, ihren persönlichen Sorgen und Ängste, und zeigen wenig Solidarität mit den noch Ärmeren, Flüchtenden, Behinderten, Alten und diskriminierten.
    Erst dann kann man auf die Straße gehen und sich engagieren. Und dabei kommt es meines Erachtens auch nicht darauf an ob man sich nun ankettet und wie viel es bringt. Eine gewaltfreie Aktion kann schon etwas bringen, solange man andere Menschen zum Nachdenken bringt: "Warum macht sie das?" "Warum lässt er sich wegtragen?" "Warum gehen sie den Ärger mit der Justiz ein?"
    Je phantasievoller eine Aktion ist und Fronten aufbricht, um so besser. Wie z.B. Am Wochenende wurde ein Ort in Oberfranken zum Schauplatz einer gewitzten Guerilla-Kampagne: Aktivisten funktionierten einen Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel in eine Spendenaktion für die Aussteigerorganisation Exit um - ohne Wissen der rechten Demonstranten. Eine super- nachzuahmende Aktion! Oder?

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