Kinofeeling

Offline

Online trifft auf Offline, real auf digital. „Offline“ klingt ganz cool, bringt neue Filmelemente ins deutsche Kino, aber kann durch diese, die diffuse und banale Handlung leider trotzdem nicht überdecken.

24. Februar 2017 - 08:35
SPIESSER-Autorin cucumber.
Noch keine Bewertungen
cucumber Offline
Beigetreten: 17.11.2016

Worum geht's?

Jan ist siebzehn, steckt theoretisch im Abitur und verbringt seine Zeit im Online-Rollenspiel „Die Schlacht um Utgard“. Währenddessen gehören die Realität des trauten Heims, der Schulpflicht oder soziale Kontakte dabei eindeutig nicht zu seinen Stärken.

Innerhalb der Welt des Spiels hat es Jan mit seiner Figur Fenris zu einigem Erfolg und Bekanntheit gebracht, was er im alljährlichen Online-Turnier des Spiels unter Beweis stellen will. Während der Vorbereitungen dazu wird jedoch sein Account gehackt und weder sein Handy noch seine Geldkarte sind funktionstüchtig. So macht sich Jan, ganz offline, auf den Weg zu seinem Online-Erzfeind Loki und sucht diesen in der realen Welt auf.

Begleitet wird er von Karo, einer weiteren Gamerin des Spiels, die ebenso von Loki ihrer virtuellen Identität beraubt wurde. So beginnt die Reise des schüchternen Jan und der blauhaarigen, unkonventionellen Karo. Mehr und mehr müssen sich die beiden der Realität stellen und ihre Teamfähigkeit außerhalb des Rollenspiels testen, während die Zeit bis zum Turnier immer knapper wird.

Wer spielt mit?

Moritz Jahn und Mala Emde spielen die beiden Hauptfiguren. Jahn kennt man aus Fernsehfilmen und der Fernsehserie „Die Pfefferkörner“. Emde, bisher zu sehen in Rollen bei diversen deutschen Kriminalserien, wurde 2015 mit ihrer Hauptrolle als Anne Frank im Fernsehfilm „Meine Tochter Anne Frank“ bekannt.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪
Filmischer Augenschmaus?

Der Film besticht durch die enge Verstrickung der realen Welt und des Rollenspiels. Immer wieder setzten sich virtuelle Elemente im Leben der Charaktere durch und werden wie online vor dem inneren Auge desjenigen abgespielt. Die Vermischung von Realfilm und Elementen des Gamings ist, zugegeben, sonst selten im deutschen Film. Jedoch ist eben dies eine Sache für Liebhaber oder Spieler, die selbst wissen, wie es ist, wenn die virtuelle Welt Einzug in den banalen Alltag der Realwelt hält.

Gibt's was zu meckern?

Wenn man von der Aufmachung des Films einmal absieht, bleibt noch immer eine Handlung übrig, die in ihren Motiven ebenso diffus und banal erscheint. Dieses Manko ist auch mit allen Specialeffects nicht wett zu machen. Die Figuren sind überzeichnet, die Klischees geben sich die Klinke in die Hand und die Handlung bleibt vorhersehbar.

Braucht man Taschentücher?

Für den emotional stabilen Zuschauer sollte der Abend eigentlich tränenlos ausgehen. Im Grunde gibt es kaum Gelegenheit, aus der Fassung zu geraten.

Mit wem angucken?

Eindeutig mit jemandem, der etwas mit der Gamerwelt anfangen kann! Oder zumindest bereit ist sich dafür zu öffnen.

Was macht man danach?

Gute Frage … Allgemein würde ich beinahe sagen: der Sucht frönen. Entweder der eigenen Spielesucht des Rollengamertums oder Chips, Schokolade, Kaffee oder die Lieblingsserie.

In 3 Worten:

Insider. Gamer. Platt.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Kleiner Bildschirm. Eine größere Leinwand würde den Film wohl auch nicht besser machen.

Mainstream oder Independent?

In Anbetracht der Tatsache, dass der Inhalt des Films ein eher kleines Publikum anspricht, würde schon beinahe Independent passen. Jedoch ist die filmische Aufmachung eher in Richtung Mainstream-Deutscher-Film-am-Mittwochabend zuzuordnen.

Offline

Regie: Florian Schnell
Schauspieler: Moritz Jahn, Mala Emde
Kinostart: 23. Februar 2017
Länge: 83 Minuten
Genre: Mischung aus Realfilm und Animation
FSK: 12

 

 

Text: Annika Bäse
Bildmaterial: © 2017 - Little Dream Entertainment

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Jetzt bist du dran!
Mehr zum Thema „Kinofeeling
  • Individuot
    Kinofeeling

    „Ich bewerte meine Figuren nicht.“

    In „Einmal bitte alles“ verkörpert Luise Heyer die sehr liebenswerte, manchmal aber auch etwas rücksichtslose Isi. SPIESSER-Redakteurin Polina hat mit Luise Heyer über diese Rolle, ihre Schauspielkarriere und zukünftige Projekte gesprochen.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Einmal bitte alles

    Jung, verträumt, voller Hoffnung und Idealismus durch das Leben schreiten. Diese ambitionierten Zeiten sind für Isi längst vorbei und nur noch Erinnerungen. Zwischen Anti-Hipstertum und dem hundertsten unbezahlten Praktikum muss sie sich der Gegenwart stellen.

  • Kalendermensch
    Kinofeeling

    Das Pubertier

    Der Film „Das Pubertier“ soll eigentlich genau die Zeit skizzieren, die SPIESSER-Autor Vincent gerade durchläuft. So sollte er der deutschen Komödie eigentlich viel abgewinnen können. Eigentlich. Was er hingegen herausfindet, ist, wie ein guter Plot gnadenlos in die Hose gehen kann.

  • filmfreak
    5
    Kinofeeling

    Film ab!

    Roter Teppich, Promis und Weltpremieren. Auch auf dem 35. Münchner Filmfest gab es mehr zu sehen, als nur Filme. Ein Erfahrungsbericht von SPIESSER-Autor Jonathan.

  • juli_yuki
    Kinofeeling

    Axolotl Overkill

    Die 16-jährige Mifti erlebt so einiges: Sie geht eher auf Partys als in die Schule, nimmt Drogen und hat mit fast doppelt so alten Frauen und Männern Sex. Die Buchverfilmung ist verwirrend. Ob das gut oder schlecht ist, verrät euch SPIESSER-Praktikantin Juliane.

  • BibiBernhard
    Kinofeeling

    Sommerfest

    Schon das Filmplakat betitelt „Sommerfest“ als einen Film „Für alle Jugendlieben“. Ob er als Hommage an die ersten Schmetterlinge im Bauch mithalten kann, weiß SPIESSERin Bianca.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Der wunderbare
    Garten der Bella Brown

    Ein sonderbares Mädchen und ihr verwilderter Garten. Die Kollision von Bella mit ihrem geordneten Umfeld geschieht unvermittelt: Plötzlich sind da Menschen, die in ihrem Garten stehen. Nach und nach blüht etwas, wenn auch krumm, schief, verrückt und unverhofft.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Verborgene Schönheit

    Ein Drama über die großen Gefühle, zwischen Trauer, Schicksal, Freundschaft und der gezogenen Notbremse dreier Kollegen, die ihrem Freund die Rückkehr ins Leben auf unkonventionelle Weise ermöglichen wollen.

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kinofeeling

    Born To Be Blue

    In „Born To Be Blue“ zeigt Ethan Hawke die ganze Klaviatur der Schauspielkunst und der Film beweist, dass es auch Sex, Drugs und Jazz sein kann, nicht immer nur Rock'n'Roll.

  • juli_yuki
    Kinofeeling

    Embrace – Du bist schön

    Der Körper – etwas, über das fast jede Frau meckert. Auch die Autorin und Produzentin von „Embrace“ Taryn Brumfitt fühlte sich unwohl mit ihrem Körper und versuchte abzunehmen. Aber erst als sie aufhörte, ihren Körper zu bemängeln, begann sie glücklich

  • juli_yuki
    Kinofeeling

    Before I Fall

    Was würdest du an einem sich immer wieder wiederholenden Tag tun? Das erlebt das It-Girl Sam genau an ihrem Todestag und versucht alles, um den Teufelskreis zu durchbrechen. Ob es sich rentiert, den langen deutschen Filmtitel „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“

  • cucumber
    Kinofeeling

    Rosemari

    Ein neugeborenes Baby auf dem Boden der Hoteltoilette, eine untreue Frischvermählte, der andere Mann und die Hochzeitsgesellschaft samt Angetrautem eine Etage höher. Ein gefühlvolles, norwegisches Drama entspinnt sich aus diesem skurrilen Situationskonglomerat.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Zwischen den Stühlen

    Drei ambitionierte Lehramtsstudenten, drei verschiedene Charaktere im Referendariat. Drei Geschichten vom Lehrerwerden und den Hürden des Alltags in deutschen Schulen.

  • Individuot
    Kinofeeling

    Möge das Nerdwissen mit euch sein

    1977 kam der erste Star Wars-Film „Star Wars Saga” in die Kinos und eröffnete mit einem Paukenschlag den Beginn einer zeitlosen, mythologischen Geschichte von Gut gegen Böse. 40 Jahre später wollen wir euer Wissen rund um die Star Wars Filme testen: Is the Force with you?

  • cucumber
    Kinofeeling

    Honigfrauen

    Balaton, 1986. Das Paradies für die beiden jungen Schwestern Maja und Catrin aus der DDR. Ihre heile Welt voller Träume und schwesterlicher Einigkeit bleibt jedoch nicht lange bestehen, denn schnell entdecken die beiden Mädchen, dass ihre „heile Welt“ auch unter Sonne und Strand Risse bekommt.

  • Kirschblütenrot
    5
    Kinofeeling

    Guardians of the
    Galaxy Vol.2

    Turn the Music up! Wenn zu abgedrehter Weltraumaction rockige 70er Jahre Musik ertönt, wissen wir: Die wohl populärsten Helden der Galaxie sind wieder da! Ob Teil zwei der rasanten Weltraumkomödie mit dem Erfolg des ersten Films mithalten kann, weiß SPIESSER Autorin Stephanie.

  • judith.itright
    Kinofeeling

    The Founder

    „McDonald’s“ ist uns allen ein Begriff – die einen lieben es, die anderen verachten es. Aber wie ist die Kette eigentlich entstanden? „The Founder“ erzählt die interessante Geschichte leider nicht ohne einige Längen.

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Kinofeeling

    Verleugnung

    In postfaktischen Zeiten, in denen wir die Freiheit der Meinung als Deckmantel von Fake News enttarnen müssen, zeigt „Verleugnung“ wie es gehen kann.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Ein Dorf sieht schwarz

    1975: Eine Familie zieht in ein nordfranzösisches Dorf. Klingt zuerst eher unspektakulär, wäre da nicht der kleine aber feine Unterschied, dass die Familie Zantoko heißt und aus dem Kongo stammt. So sehen die Einheimischen Schwarz und das gleich bei einer ganzen Familie.

  • juli_yuki
    5
    Kinofeeling

    Tiger Girl

    Mit „Tiger Girl“ kommt ein deutscher Film in die Kinos, den es noch nie zuvor so gab. Das Team von „Love Steaks“ arbeitete auch bei dieser Produktion wieder mit improvisierten Dialogen. Daraus entstand eine fiktive, Gewalt und Action geladene Story, die das neue Genre „Martial

  • annaweigelt
    Kinofeeling

    Free Fire

    Schieß oder stirb! Mit „Free Fire“ bringt Ben Wheatley einen Film in die Kinos, der nur so vor schwarzem Humor und Hülsenpatronen trieft. Mit Martin Scorsese als Co-Produzent kann der Film gar nicht anders als ein voller Erfolg werden, findet SPIESSER-Autorin Anna.

  • Onlineredaktion
    Kinofeeling

    Power Rangers

    Fünf High School-Besucher unterschiedlicher Gesellschaftsschichten treffen aufeinander und entdecken zufällig fünf verschiedenfarbige Steine, die ihnen außerirdische Kräfte verschaffen. Mit den neu erworbenen Superkräften müssen die Schüler die Welt retten. SPIESSER-

  • kleinesinsekt
    Kinofeeling

    Mit Siebzehn

    Dem 78-jährigen Regisseur André Téchiné ist mit „Mit Siebzehn“ ein Film gelungen, der vor Jugendlichkeit nur so sprüht und die leichten aber auch die nicht so leichten Seiten des Erwachsenwerdens liebevoll zeigt. Warum es sich auf jeden Fall lohnt, für

  • Gradl mim Radl
    Kinofeeling

    Bailey – Ein Freund
    fürs Leben

    Hundefans aufgepasst! Ihr wolltet schon immer wissen, was sich euer Hund eigentlich während seines ganzen Lebens so denkt, wenn er mit euch spielt oder ihr ihn doch mal in die Schranken weisen müsst? In „Bailey“ erfahrt ihr so einiges darüber. Ob der Film auch für Nicht-Hundefanatiker

  • cucumber
    Kinofeeling

    Into the Forest

    Ellen Page in einer neuen, alten Rolle der Nell. Die in den verlassenen Wäldern Kanadas ohne Strom, ohne Zugang zur Außenwelt, nur mit ihrer Schwester gegen das Ungewisse eines Gesellschaftswandels ausharrt und ums Überleben kämpft.

  • BibiBernhard
    Kinofeeling

    Elle

    Gleich drei Oscar-Nominierungen untermauern die Qualität des Films „ELLE“. Der Thriller ist aber auch harter Tobak, in dem nicht nur die Filmcharaktere eine ganze Menge verarbeiten müssen, findet SPIESSERin Bianca.

  • pumpkinprincess
    Kinofeeling

    Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

    In „Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste“ prallt die Welt der gehobenen Pariser Gesellschaft mit der, der auf der Straße lebenden Mitbürger zusammen. SPIESSER-Autorin Amelie hat die französische Winterkomödie für euch gesehen, anfangs gefroren und sich dann warmgelacht.

  • cucumber
    Kinofeeling

    Was hat uns bloß so ruiniert?

    Der leise Film aus Österreich über die neue Generation der BoBo (bourgeois und bohémien), das Elternsein und die Neusortierung von Träumen. Ein Gesellschaftsstandbild für die Freunde des dokumentarischen Krittelns und des alltäglichen Scheiterns.

  • cana
    Kinofeeling

    The Salesman

    Mit „The Salesman“ ist dem iranischen Star-Regisseur Asghar Farhadi ein Meisterwerk gelungen, das viel Raum für Interpretationen lässt. Warum ihr euch den Film unbedingt ansehen solltet, verrät SPIESSER-Autorin Cana.

  • Gradl mim Radl
    Kinofeeling

    Volt

    Flüchtlingskrise, Polizeigewalt und politische Korruption – mit dem neuen Kinofilm „Volt“ hat Tarek Ehlail einen packenden Thriller gedreht, der wohl kaum themenaktueller sein könnte. Ob es sich lohnt, den Film zu sehen, weiß SPIESSERin Franzi.