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Pimp your waste!

Wie Recycling funktioniert, das lernen wir oft schon im Kindergarten. Wer daheim keine drei Mülltonnen hat, der gilt ja fast schon als Umweltsünder. Inzwischen kann Müll aber noch mehr: Upcycling nennt sich ein neuer Müll-Trend. Aber was bitte soll das sein? Bloggerin Annemarie hat sich das Phänomen für euch näher angesehen und es selbst ausprobiert.

20. Januar 2015 - 17:46
SPIESSER-Redakteurin Annemarie Walter.
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Annemarie Walter Offline
Beigetreten: 20.01.2011

Dieser Beitrag entstand
in Zusammenarbeit mit RWE.

 

Müll gehört in die Mülltonne. Und zwar hübsch getrennt, damit aus Pappe wieder Blöcke und Toilettenpapier, aus Flaschen wieder Flaschen und  aus Käseverpackungen Wurstverpackungen werden können. Das ist das schlichte Prinzip von „Recycling“. Doch immer mehr Menschen finden: Man muss den Müll gar nicht wegwerfen, damit er aufbereitet und wiederverwendet werden kann. Man kann ihn, ohne (energie)aufwändige Zerkleinerungs- und Wiederaufbereitungsprozesse einfach selber weiternutzen. Dann ist der Müll auch auf einmal gar kein Müll mehr, sondern Ausgangsstoff für etwas Neues, etwas Hochwertigeres – beispielsweise Deko, Kleidung, Schmuck oder sogar Möbel. Alles ist erlaubt.


Müll ist nicht gleich Müll. Gerade Plaste-
flaschen lassen sich super wiederverwenden -
zum Beispiel als Blumentopf.
Foto: Emma Craig, flickr.com, CC-Lizenz (by 2.0)

Das heimische Rumgebastel schimpft sich dann neumodisch „Upcycling“ – und ist im Grunde eine ganz alte Idee. Schließlich wurden schon viel früher Wollreste zum Schuhpolieren genommen, alte Kleidungsstücke zerschnitten und als Putzlappen weiterverwendet oder alte, zu klein gewordene Wollpullover aufgetrennt und zu einem neuen verstrickt. Oma sprach halt bloß kein Englisch, für sie war das Wiederverwenden selbstverständlich.

Upcycling professionell

Heute gibt es viele Unternehmen, die sich auf Upcycling spezialisiert haben – einige sicher, weil bio „hip“ ist und andere, weil sie wirklich hinter der Idee stehen. Aber egal, aus welchen Gründen sie das machen, ihr Ziel ist das gleiche: Müll gar nicht erst Müll werden lassen. Bei der Umsetzung gehen sie allerdings mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen an die Arbeit – und sie wollen ihre neuen Müllwaren verkaufen. Im Geschäft wird die alte Idee der Wiederverwertung so ganz schnell zum Projekt, der etwas besser Betuchten. Egal, ob bei Möbeln aus alten Bodenplatten oder Taschen aus LKW-Planen – Upcycling-Waren kosten. Eigentlich eine ganz schöne Frechheit – man kauft schließlich einfach nur Müll. Allerdings muss man sich vom Gedanken lösen, dass das doch „im Grunde nur Müll“ ist. Ich habe bei meiner Recherche nach dem Upcycling-Prinzip erfahren,  dass die Unternehmen echt viel Arbeit in die Suche nach dem „passenden“ Müll-Material und dessen Verarbeitung stecken. Klar LKW-Planen gehören ja nicht gerade zum Hausmüll und alte Reifen oder Euro-Paletten auch nicht.

Aber: Es gibt natürlich nicht nur große Produzenten, sondern auch kleine, die ihre Waren dann beispielsweise in einem Dawanda-Shop anbieten. Hier steigen natürlich die Chancen, dass nicht nur das Objekt, sondern auch die Idee ein Unikat ist. Wer dem guten Willen der kommerziellen Produzenten – egal, ob groß oder klein – trotzdem nicht über den Weg traut, kann sich nach Projekten umschauen, die nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen sozialen Anspruch haben. Da gibt es beispielsweise das Berliner Projekt CUCULA – ein Projekt für und mit Flüchtlingen aus Afrika. Hier werden aus Lampedusa ankommende Flüchtlings-Boote in Designer-Möbel verwandelt.

Upcycling für zu Hause

Auch Annemarie hat Gefallen an Upcycling ge-
funden. Diese Dose eignet sich beispielsweise
ideal, um Gewürze darin aufzubewaren.
Foto: privat

Allen, die gerne basteln oder finden, dass Upcycling nicht kommerzialisiert werden sollte, seien Schere, Kleber oder auch eine Nähmaschine wärmstens ans Herz gelegt. Es gibt eine Vielzahl an Blogs, die zeigen, wie man Dinge aufbereiten kann, die normalerweise im Antiquariat verstauben, auf dem (Sperr-)Müll landen würden.

So, genug recherchiert! Ich will es jetzt genau wissen: Wie einfach ist dieses Upcycling? So richtig nach Müll „suchen“ will ich dafür nicht und auch Sperrmüllshoppen ist nicht so meins – also laufe ich einfach mal mit offenen Augen durch meine WG. Und plötzlich entdecke ich ganz viel, das meine Mitbewohner und ich eigentlich wegschmeißen wollten und obwohl es noch „gut“ ist, wie meine Oma sagen würde.

Als erstes sind mir die ausgelesenen Zeitungen auf dem Altpapierstapel ins Auge gesprungen. Die könnte man doch super als Malunterlage zweitverwerten. Da ich gerade weder künstlerische Ambitionen habe noch kleine Geschwister, die mit Wassermalfarben rumklecksen, suche ich weiter. Ich sehe gleich neben dem Altpapier eine schöne, leere Glasflasche – eigentlich zu schade, um sie wegzuwerfen. Ich entferne kurzerhand das Etikett und fertig ist meine neue Vase. Sieht richtig schick aus mit einem Nadelbaum-Zweig darin! Langsam bin ich richtig in Fahrt!

Mein nächster Blick fällt auf einen alten Ledergürtel. Der ist nicht mehr sehr schön und der Verschluss ist kaputt. Ich nehme mir vor, daraus bald ein paar Schlüsselanhänger zu basteln – eine super Geschenkidee übrigens. Zurück in der Küche, erblicke ich leere Keks- und Teedosen. Auch die kann ich super gebrauchen. Die Teedosen bieten ab sofort eine neue und schmucke Heimat für Gewürze und die Keksdose nutze ich ab sofort, um meinen Schmuck zu  verstauen – praktisch.

Jetzt gönne ich mir eine Pause. Wie in der Winterzeit üblich, esse ich gerade sehr viele Orangen. Ich schäle sie vorsichtig rundherum ab, beginne zu essen und dann kommt mir ein Geistesblitz: Die Schalen sind eine ideale Deko für meinen Adventskranz – und sie riechen auch noch richtig, richtig gut. Kann man sicher auch an den Weihnachtsbaum hängen, wenn man so wenig Weihnachtsdeko hat wie ich. Wo wir schon bei Weihnachten sind – die alten Kalender müssen nicht in den Müll fliegen, daraus lassen sich prima Briefumschläge basteln.

Ihr wollt euch jetzt auch mal am Upcycling versuchen? Super! Alles, was ihr braucht ist Müll – beziehungsweise Dinge, die ihr nicht mehr braucht – und etwas Bastelkram. Kleber und Schere sollten dabei zur Upcycling-Grundausrüstung gehören. Alle Fortgeschrittenen können auch zu einer Nähmaschine greifen oder mit Folien, Lack oder anderem Equipment arbeiten – euer Fantasie sind echt keine Grenzen gesetzt.

Text: Annemarie Walter
Teaserbild: Garry Knight, flickr.com, CC-Lizenz (by SA 2.0)

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Das ist ja schön und gut-ich schätze diese Methode echt. Aber ist es nicht besser, wenn man einfach schon darauf achtet, dass erst gar nicht so viel Mül entsteht, als den Haufen an Müll zu "verwerten"?

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