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Plaste? Nein Danke!

Kunststoff ist böse: Tiere verfangen sich darin oder fressen Kleinteile und verenden elendig. Auf den Meeren bilden sich riesige Plastestrudel in der Größe ganzer Länder und viele Inhaltsstoffe von Kunststoff sind giftig für Pflanzen, Tiere sowie uns Menschen. Genügend Gründe für Bloggerin Annemarie sich von dem bunten Zeug fernzuhalten. Zumindest eine Woche lang, denn ein ganzes Leben ohne Plaste ist dann doch eine echte Herkulesaufgabe.

27. August 2014 - 08:57
SPIESSER-Redakteurin Annemarie Walter.
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Annemarie Walter Offline
Beigetreten: 20.01.2011
Tag vier – Wer ist eigentlich dieser Kunststoff?

Ich frage mich: Was ist eigentlich so schlimm an der Plaste, dass es spektakulär ist, wenn ich eine Woche darauf verzichte? Während ich meinen Obstsalat in mich hineingabele, google ich „Kunststoff Umwelt“. Beim Durchklicken wird mir klar, dass ich schon als kleines Kind eine wandelnde Umweltsünde war: Lego, Playmobil, Trinkpäckchen. Doch woher kommt das Zeug eigentlich?


Etwa fünf Prozent des weltweit geförderten Eröls
wird verbraucht um Kunststoff herzustellen.
Foto: uschi dreiucker, pixelio.de

Kunststoffe werden aus Erdöl hergestellt. Ungefähr fünf Prozent des weltweit geförderten Erdöls werden dafür verbraucht. Das klingt erst mal wenig, doch wenn „das schwarze Gold“ in weniger als einem Jahrhundert alle ist, sind fünf Prozent plötzlich doch ziemlich viel. Erst recht, wenn sie als falsch „entsorgter“ Müll in unseren Flüssen landen und so in die Meere wandern. Durch die Strömungen entstehen hunderte Quadratkilometer große Kunststoffteppiche. Wenn die Tiere sich nicht in unserem Müll verfangen oder kleine Teile davon fressen, dann nehmen sie den Kunststoff spätestens dann auf, wenn sich die Plaste zu mikrokleinen Krümeln zerrieben hat. Es dauert nämlich ein paar hundert Jahre, bis das Zeug sich von allein abbaut. Mal abgesehen von dieser Horrorstory stehen die Weichmacher in der Plaste – die wie Hormone wirken können – im Verdacht, krebserregend zu sein.

Doch ich erfahre auch, dass Plaste nicht grundsätzlich schlecht ist: Autos etwa werden mit Kunststoffteilen leichter und verbrauchen damit weniger Benzin – also weniger Erdöl. Die Alternative heißt „Bioplaste“ und wird aus Maisstärke, Zuckerrohr oder Lignin (bleibt bei der Papierherstellung übrig) hergestellt. Doch hier stellt sich mir die gleiche Frage wie beim Biokraftsstoff: Ist es moralisch richtig, in den ärmsten Regionen der Welt potenzielles Essen anzubauen und es dann nicht zu verzehren? Ich bin mir unsicher.

Tag fünf – Ist da jemand?

All die Informationen aus dem Internet verunsichern
Annemarie. Sie fühlt sich allein mit ihren Sorgen um
die Umelt. Foto: Peter von Bechen, pixelio.de

Ich fühle mich allein. Eine einsame Heldin auf der Mission zur Weltrettung. Aber irgendwo auf dieser Welt muss doch noch jemand diese ganzen Artikel im Internet gelesen und der Plaste abgeschworen haben. Ich recherchiere wieder. Es gibt zahlreiche Berichte von Selbstversuchen wie meinem. Auf einer Seite lese ich mich fest. Der Blog „Leben ohne Plastik“ berichtet über den kunststofffreien Alltag, es gibt Kochrezepte, Tipps zum Waschen mit Waschnüssen, zum Einkauf von Zahnbürsten und vor allem: Ganz viele Vorschläge, wie man Sachen selber machen kann. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man Deo ohne Chemie-Diplom herstellen kann. Ich finde sogar Läden, die sich auf Produkte ohne Kunststoff spezialisiert haben, etwa Plasticarian.

Abends kuschle ich mich – hungrig auf mehr Informationen zu dem Thema – mit Möhren und Laptop auf mein Bett. Auf dem Abendprogramm steht die Doku „Plastic Planet“. Die habe ich vor einigen Jahren im Kino gesehen – und es ist Zeit für eine Wiederholung.

 

Tag sechs – Ich bin nicht allein!

Heute bin ich verabredet zur Bank gehen. Als ich herauskomme, bleibe ich einen Moment  wie angewurzelt stehen. Vor mir steht ein riesiges Ding. Und dieses Ding besteht durch und durch aus Plastetüten. Mein ganzer Körper beginnt zu jucken, als ob ich Läuse hätte. Das Ding lebt. Es spricht Menschen an, die aus dem Supermarkt kommen und packt ihren Einkauf von Plastetüten in Stoffbeutel um. Die Plastebeutel befestigt das Ding – also der Mensch, der darin steckt – anschließend an sich selbst. Fast niemand lehnt ab. Mehrere Minuten lang beobachte ich das Spektakel. Das Läuten der Glocken weckt mich aus meiner Starre, ich bin zu spät und laufe zu meiner Verabredung, ohne mich mit dem riesigen Plasteknäuel zu unterhalten. Das ist schade, aber nicht schlimm. Immerhin weiß ich jetzt: Auch hier in Litauen bin ich nicht allein.

Tag sieben – Plaste alle, alles alle?


Annemarie hat es geschafft. Beim Schreiben der
Einkaufsliste wird ihr klar: Sie muss weiter auf
Plaste verzichten, aber nicht mehr so extrem.
Foto: günther gumhold, pixelio.de

Während ich den Müll wegbringe (keinen gelben natürlich – woher auch?), denke ich darüber nach, wie es weitergehen soll mit mir und der Welt. Morgen gibt es auf jeden Fall wieder Müsli und Tee. In Gedanken schreibe ich eine Einkaufsliste. Streiche. Schreibe wieder drauf. Ganz ohne Kunstoff geht es leider nicht mehr.

Meine plastefreie Woche war mühsam und erkenntnisreich. Kunststoff ist wunderbar bunt, kann alle Formen annehmen, ist leicht, flexibel, stabil und günstig herzustellen. Wertvoll für die Unternehmen, wertlos für die Verbraucher – das ist der Teufelskreis. Die Konsequenz wäre, auf alles mit Kunststoff zu verzichten. Kein Laptop, kein mp3-Player, keine Regenjacken, keine Radtaschen? Das mit dem Plasteverzicht hatte ich mir echt viel leichter vorgestellt.

 

 

 

Text: Annemarie Walter
Teaserbild:
Carsten Raum, pixelio.de

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Im letzten Satz ist ein kleiner Fehler: es muss Energie anstatt Öl heißen!

  • Netter Artikel, ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer bis fast unmöglich ist ohne Plastik auszukommen. Sicher sollte man sich überlegen die verbrauchte Plastikmenge so gut wie möglich zu reduzieren. Allerdings muss man auch hinzufügen, dass der Kunststoffmüll, solange er fachgerecht entsorgt wird, und das ist in Deutschland die Regel, nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Zum einen lassen sich sortenreine Kunststoffe wieder aufschmelzen und recyceln und sparen somit Rohstoffe. Zum anderen bestehen die Kunststoffe, wie im Artikel beschrieben, hauptsächlich aus Erdöl. Bei einer thermischen Verwertung, die prinzipiell ja auch beim Heizen mit Öl passiert, kann somit eine ganze Menge Öl gewonnen werden, denn der Brennwert von Polypropylen ist dank der Verarbeitung sogar höher als der von Rohöl.

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