Das Streben nach Glück

„Raus mit dir!“

Es gibt viele Studien und philosophische Diskussionen zum Thema Glück – und alle versuchen das einzufangen, was Menschen dauerhaft so richtig glücklich machen kann. Familie, enge Freunde oder eine Gemeinschaft, in der man sich wohlfühlt, können das am Besten. SPIESSER-Leser Nathan erzählt, warum er glücklich ist – und das obwohl er Gründe genug hätte, damit zu hadern.

19. Januar 2016 - 10:59
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Wie ich lebe

Ich stehe kurz vor meinem Abitur. Wenn ich also nicht gerade für meine Leistungskurse Deutsch oder Chemie büffle, verbringe ich am liebsten Zeit mit meinen Freunden. Generell bin ich viel unterwegs, gehe sehr gern ins Kino oder durchstreife die Läden auf der Suche nach den Alben meiner Lieblingsmusiker. Um mir die Kinotickets und CDs leisten zu können, jobbe ich ein bis zweimal die Woche im Schwimmbadimbiss meiner Heimatstadt. Wenn ich dann doch mal daheim bin, verschlinge ich Krimi- oder Fantasybücher, höre die neuerworbenen Platten rauf und runter und genieße die Zeit mit meiner Familie. Nach der Schule möchte ich Medizin studieren, so wie mein Vater. Falls mein Abischnitt nicht ausreicht, werde ich mich erst einmal zum Rettungssanitäter ausbilden lassen. Mit einigen Wartesemestern klappt’s dann hoffentlich auch mit dem Traumstudiengang.

Warum ich glücklich bin

Es gibt so viele Dinge, die mich glücklich machen. Sei es mein Leibgericht Lasagne, eine neue Platte meines Lieblingsmusikers The Weeknd oder, wenn von meiner Lieblingsserie Game of Thrones neue Folgen ausgestrahlt werden. Oder wenn ich mit meinen Freunden wie fast jede Woche in die Sneak Preview gehe und wir rätseln, welcher Film wohl gleich läuft. Meine Freunde, und vor allem meine Freundin, machen mich generell sehr glücklich und sind immer für mich da. Außerdem habe ich eine tolle Familie, die mir sehr nahe steht und auf die ich mich immer verlassen kann. Obwohl ich zwei jüngere Geschwister habe, verstehen wir uns sehr gut – und ich würde es ganz furchtbar finden, ein Einzelkind zu sein. Ich weiß, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann, so ein Leben zu führen. Klar, auch ich habe mal Liebeskummer oder schlechte Laune, aber was bringt es, sich im Zimmer einzusperren und zu jammern, wie schlecht alles ist? Das macht doch keinen Sinn. Dafür ist das Leben viel zu schön.

Warum andere denken, ich könnte unglücklich sein

Ich bin schwarz, dunkelhäutig, braun oder auch farbig – mir ist die Bezeichnung völlig egal. Meine Eltern stammen aus Äthiopien, ich selbst bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Auch wenn wir jedes Jahr Urlaub in der Heimat meiner Eltern machen, fühle ich mich als Deutscher. Ich bin hier groß geworden, hier möchte ich studieren und alt werden. In meinem Freundeskreis bin ich der einzige mit einer dunklen Hautfarbe. Das war bisher kein Problem für mich und ich denke darüber nicht groß nach. Ich merke nur, dass meine Mitmenschen manchmal nicht wissen, wie sie sich korrekt ausdrücken sollen, wenn es um meine Hautfarbe geht. Dabei sehe ich das ganz entspannt. Zum Glück haben weder meine Geschwister noch ich Probleme in unserem Alltag – vielleicht spielt meine Hautfarbe deshalb in meinem Leben keine große Rolle. Nur einmal kam es zu einer beängstigenden Situation: Am Männertag im vergangenen Jahr bin ich spätabends mit der Straßenbahn gefahren. Um mich herum waren dementsprechend viele angetrunkene Leute. Ich war ganz in mein Buch vertieft, als ein Mann an mir vorbeiging, um auszusteigen – und mir dabei eine Kopfnuss verpasste. Es ist nichts Schlimmeres passiert, meine Mitfahrer haben mir auch direkt geholfen und gefragt, ob alles okay sei. Aber das „Raus mit dir“, welches mir der Betrunkene hinterherrief, hallte noch lange in meinem Kopf nach.

Text: Mireille Huditz
Fotos: Anja Nier

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