Anpacken für unsere Welt

Rettet das Klima!

Zwei Wochen lang trafen sich Vertreter aus 195 Staaten sowie tausende Klima- und Umweltexperten zur Weltklimakonferenz in Paris. Herauskommen sollte ein Masterplan, wie die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann. Warum das so wichtig ist und was am Ende herausgekommen ist, verrät euch SPIESSER-Redakteurin Vicky.

15. Dezember 2015 - 15:49
SPIESSER-Redakteurin MissFelsenheimer.
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Beigetreten: 04.05.2009


Schon jetzt nehmen Dürreperioden in vielen Teilen der
Welt zu.

Kurz gesagt: Es ist fünf vor Zwölf. Dieses Jahr 2015 ist das mit Abstand heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung – wahrscheinlich ist euch das an dem heißen Sommer und dem milden Winter selbst aufgefallen. Und überhaupt ist seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert die weltweite Temperatur schon um 0,8 Grad Celsius angestiegen. Was sich für euch vielleicht nach Peanuts anhört, hat gravierende Folgen: Allein in den letzten zehn Jahren gab es im Schnitt jährlich 355 Naturkatastrophen – also fast jeden Tag Stürme, Fluten, Hitzewellen oder Dürren irgendwo auf der Erde. Am stärksten von den Unwettern betroffen waren die USA, China und Indien.

Doch damit nicht genug: Im letzten Jahrhundert ist der Meeresspiegel bereits um 19 Zentimeter angestiegen, für dieses gehen Forscher von einem weiteren Anstieg um 25 Zentimeter aus. Was das für die Erde bedeutet, ist klar: Ganze Küsten und Städte drohen im Meer zu verschwinden – und Tiere verlieren ihren Lebensraum, sterben aus.

Was wurde in den letzten Jahren in Sachen Klima beschlossen?

Die wohl wichtigste Entscheidung der letzten Jahre in Sachen Weltklima ist das „Kyoto-Protokoll“. Darin verpflichteten sich 1997 die Vereinten Nationen zum ersten Mal, ihre umweltschädlichen CO2-Emissionen zu verringern. Klingt soweit super, gäbe es nicht einen Haken: Die Vereinbarung endet 2020 und nicht alle Staaten, wie die USA als einer der größten CO2-Emittenten, haben dem Protokoll überhaupt zugestimmt. Kein Wunder also, dass sich der weltweite CO2-Ausstoß sogar noch mehr als verdoppelt hat. Überhaupt gehen 50 bis 60 Prozent des CO2-Ausstoßes auf das Konto der reichsten Milliarde der Welt. Zum Vergleich: Die der Ärmsten drei Milliarden produzieren weniger als fünf Prozent der Emissionen – müssen aber unter den Folgen der Klimaerwärmung am meisten leiden.

Der weltweite Klimaschutz ist allerdings schon etwas älter. 1992 beschlossen die Vereinten Nationen die Klimarahmenkonvention. Ihr Ziel: Eine gefährliche und von den Menschen verursachte Klimaveränderung verhindern. Was genau darunter zu verstehen ist, steht allerdings nirgendwo schwarz auf weiß. Bei der Konferenz 2010 in Cancún einigten sich die Staaten aber darauf, die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu beschränken.

Doch mittlerweile meinen Forscher, dass zwei Grad nicht reichen, sondern die Obergrenze bei 1,5 Grad Celsius liegt. Denn für Staaten wie die Philippinen könnte eine Erwärmung um zwei Grad den Untergang bedeuten.

Klimaschutz ist nicht nur Sache der Politiker, sondern von jedem einzelnen. Um ein Zeichen zu setzten, pilgerten darum viele tausende Menschen aus allen fünf Kontinenten und aller Weltreligionen vier Wochen lang unter dem Motto „Geht doch!“ nach Paris, um sich für ein gerechtes Klima einzusetzen. Misereor hat diese Pilgerreise unterstützt und mit möglich gemacht.

Ihr wollt wissen, mit welchen Projekten ihr euch gegen den Klimawandel einsetzen könnt? Hier erfahrt ihr mehr über Projekte von Misereor. Wenn ihr sofort aktiv werden wollt, holt euch das Klimasparbuch eurer Stadt oder Region. Mit diesen Tipps lebt ihr umwelt- und klimafreundlich.

Warum ist der Gipfel wichtig?

Bleibt alles wie gehabt, warnen Forscher davor, dass sich die Erde bis 2100 um bis zu fünf Grad Celsius erwärmen könnte. Die Folgen wären verheerend und womöglich unumkehrbar für das Weltklima! Deshalb muss dringend etwas unternommen werden. Außerdem läuft 2020 das Kyoto-Protokoll aus. In Paris sollte deshalb ein Vertrag geschlossen werden, der die gemeinsame weltweite Klimaarbeit nach dem Jahr 2020 festlegt – und an den sich dann auch wirklich alle Länder halten. Und das ist im Gegensatz zu den vergangenen Weltklimakonferenzen der entscheidende Unterschied: In Paris haben alle Staaten gemeinsam nach einer Lösung gesucht – auch wenn das alles andere als einfach war. So musste der Gipfel sogar um einen Tag verschoben werden, weil noch nicht alles ausdiskutiert wurde.

Außerdem waren bei den Verhandlungen in Paris auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Misereor mit von der Partie, die sich vor Ort für die Interessen der Öffentlichkeit einsetzen. Diese wollten vor allem die Position der ärmeren Teile der Welt stärken, die schon jetzt sehr stark von den Klimaveränderungen betroffen sind.

Was waren die Ziele der Konferenz in Paris?

Während der Verhandlungen gab es in Paris auch Proteste.

Auf die diesjährige Klimakonferenz wurden schon im Vorfeld große Hoffnungen gelegt. Das große Ziel dabei war die Einigung der Vereinten Nationen auf ein neues Pariser Klimaschutzabkommen. Dieses soll Staaten in die Pflicht nehmen, ihre Emissionen ab 2020 einzudämmen – und damit das Ziel von maximal 1,5 Grad Celsius Erderwärmung bis 2100 einzuhalten. Damit auch die ärmeren Entwicklungsländer mit an diesem Strang ziehen können, sollen die reichen Staaten ihnen finanziell und mit den richtigen Technologien unter die Arme greifen. Soweit die Hoffnungen der Öffentlichkeit an die diesjährige Klimakonferenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzte sich außerdem dafür ein, auf die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas bis Ende des Jahrhunderts komplett zu verzichten – da diese auf der Erde nur begrenzt vorhanden sind und besonders viel CO2 ausstoßen, wenn man sie verbrennt. Die Frage, die daraus resultiert: Was ist mit Staaten wie Saudi-Arabien oder Venezuela, die sich durch den Verkauf dieser Rohstoffe finanzieren? Konnten die Staaten sich schlussendlich dennoch einigen?

Das sind die Ergebnisse der Klimakonferenz

Nachdem die Staats- und Regierungschefs bei den Auftaktveranstaltungen ihre Meinung kundgetan hatten, haben eine Woche lang die sogenannten Unterhändler um verschiedene Streitpunkte gefeilscht. Am Ende haben die circa 20.000 Diplomaten einen Entwurf für den gemeinsamen Klimavertrag zusammendiskutiert.  

So richtig konkret wurde es allerdings erst in der zweiten Verhandlungswoche, denn dann waren die jeweiligen Umweltminister gefragt, um sich auf Inhalte für den großen und so wichtigen Klimavertrag zu einigen. Für Deutschland fuhr Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nach Paris.

Am vergangenen Samstagabend kam dann die erhoffte Meldung: Alle 195 Staaten mit rund 36.000 Teilnehmer haben sich auf einen gemeinsamen Klimavertrag geeinigt, der ab dem Jahr 2020 gelten soll: Die Erderwärmung soll auf unter zwei Grad begrenzt werden. Außerdem dürfen die Staaten bis Mitte des Jahrhunderts nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen wie die Umwelt aufnehmen kann. Und weil Klimaschutz nicht umsonst ist und gerade den Entwicklungs- und Schwellenländern das Geld fehlt, um die passenden Maßnahmen zu treffen, bekommen sie von den alten Industriestaaten ab 2020 jedes Jahr eine finanzielle Unterstützung von 100 Milliarden Dollar.

Auch wenn das Pariser Abkommen als großer Erfolg gefeiert wird, kommt noch ein Haufen Arbeit auf die einzelnen Staaten zu. Das Klima ist noch nicht gerettet!

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Misereor e.V.

Text: Victoria Gütter
Teaser-Foto: jenny downing, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)
Fotos: Anthony Quintano, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0); © CIDSE

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