Mach dein Ding!

Schauspielen,
Schule oder
Schauspielschule?

Von klein auf fernsehvernarrt und als Erwachsene selbst in dem Kasten zu sehen - Cristina do Rego über ihre Anfänge als Bühnencrasher bis zur echten Schauspielerin! SPIESSER-Autorin Marie hat für euch mit ihr telefoniert.

14. Februar 2018 - 08:49
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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Beigetreten: 13.08.2012

Ich kenne sie noch aus „Türkisch für Anfänger“ (die Serie!), viele jedoch als Kim aus „Pastewka“ oder als Polizistin aus „Unter Gaunern“. Cristina do Rego hat jung mit der Schauspielerei begonnen und genug Talent, Durchhaltevermögen und Glück, um es heute hauptberuflich machen zu dürfen. Wie die gebürtige Brasilianerin das gepackt hat und welche Tipps und Kniffe sie rückblickend an andere junge Schauspieler weitergeben kann, erfahrt ihr hier!

Woher stammt dein Interesse zur Schauspielerei?

Als wir noch in Brasilien gelebt haben, war mein Vater Regisseur und Schauspieler. Deshalb bin ich damit praktisch aufgewachsen. Unser Haus war immer voller Leute, die auf der Bühne stehen und ich war immer mittendrin. Schon als Dreijährige bin ich auf die Bühne gerannt und hab die Vorstellung gecrasht. Ich habe eine große Selbstverständlichkeit in die Wiege gelegt bekommen für das Extrovertierte. Später hat sich mein Interesse dann Richtung Film und Fernsehen verlagert, weil ich einfach schon als Kind wahnsinnig viel fern gesehen habe und das auch heute noch leidenschaftlich gerne tue. (lacht)

Hat dich deine Familie in deinem Streben, eine Schauspielerin zu werden, unterstützt?

Mein Vater total! Meine Mutter war am Anfang eher skeptisch. Als ich das erste Mal in der Mini-Playback-Show vor der Kamera stand, habe ich das hinter dem Rücken meiner Eltern getan, weil meine Mutter mir das verboten hatte. Als dann irgendwann der Anruf kam, war meine Mutter beeindruckt von meinem Ehrgeiz. Sie hat dann gemerkt: „Ok, meine Tochter will das so sehr, ich darf ihr das nicht verbieten.“ Von da an hat sie mich auch immer zu Castings gefahren und mich unterstützt.

Wie bist du an deine erste Fernsehrolle gekommen?

Mini-Playback war das erste, was ich im TV gemacht hab. Und dann für das Schulfernsehen im WDR. Ich hab auch viele Castings mitgenommen und bin gescheitert, weil ich einfach zu aufgeregt war. Dann gibt’s da ja noch den Kinderschutz. Ich musste Geduld haben und abwarten bis ich 16 wurde. Dann kamen schon gleichzeitig Angebote von Pastewka und Stromberg rein, da war ich gerade 17 Jahre.

Ich habe in den Fernsehzeitungen nach Adressen der Fernsehsender gesucht und Briefe an die geschrieben: „Wenn ihr das nächste Mal einen Film dreht, dann ruft mich doch an!“ Darauf hat sich natürlich keiner gemeldet, außer RTL. Die haben mir erklärt, dass es Kinder und Jugendagenturen gibt, über die man an Projekte kommt.

Warst du eigentlich auf der Schauspielschule?

Nein, das war ich nicht. Ich hatte das eine Zeit lang vor und habe auch bei einigen Schulen vorgesprochen. Das war für mich aber keine schöne Erfahrung. Ich hatte zu dem Zeitpunkt ja schon etwas Dreherfahrung und mein Gefühl an den großen, renommierten Schauspielschulen war, dass die alles, was ich mitbringe, zerstören wollten, um es dann wieder so aufzubauen, wie sie es für richtig halten. Das hat mir nicht gefallen, weshalb ich mich dagegen entschieden habe. Für mich geht es auch ohne, ich habe es auch nie bereut.

Hast du das Gefühl, es ist vorteilhafter auf der Schauspielschule gewesen zu sein oder schon früh vor der Kamera zu stehen?

Mit frühzeitiger Erfahrung vor der Kamera hat man vielleicht den Vorteil, dass man Drehabläufe kennt und nicht mehr so nervös ist. Erfahrung ist eigentlich immer von Vorteil, aber das heißt ja nicht, dass man schon als Kind angefangen haben muss. Es hängt auch vom Caster ab – einigen ist es sehr wichtig, dass man eine Ausbildung an einer Schauspielschule gemacht hat, andere legen da nicht so viel Wert drauf.

Du hast Schulen gewechselt, um mehr Schauspielern zu können. Was rätst du jungen, engagierten Schauspielern, denen der Weg nicht so leicht gemacht wird?

Das ist total schwierig. Ich verstehe auch die Seite der Mitschüler, für die es komisch ist, wenn jemand Schauspieler werden will. Man sollte seinen Träumen trotzdem treu bleiben. Ich hatte mit meiner Mutter den Deal, das Abi auf jeden Fall zu machen. Ich bin auch froh, dass ich die Schule durchgezogen habe. Es ist wirklich ein schwerer Weg und ich glaube die wenigsten Schauspieler kommen an den Punkt, wo sie davon leben können. Man macht ja keine Ausbildung, sucht sich eine Arbeitsstelle und damit hat sich's.

Es hängt von vielen äußeren Dingen ab: Ob der Caster einen sieht, ob man überhaupt eingeladen wird, etc. Finanziell abgesichert zu sein, gibt einfach Sicherheit und man lebt vielleicht leichter, wenn man nicht nur von der Schauspielerei abhängig ist – aber man soll seinen Träumen trotzdem nachgehen. Ich erlebe in meinem Umfeld, wie schwer es sein kann.

Wie bereitest du dich auf eine Rolle vor? Für die Serie „Unter Gaunern“ hast du beispielsweise eine Zeit lang eine junge Polizistin begleitet.

Wann immer ich sowas machen kann, mach ich das. Ansonten bereite ich mich ganz spießig an meinem Schreibtisch vor. Ich arbeite Drehbücher durch und organisiere mich, schreibe mir die Szenennummern auf, damit ich am Set gut sortiert bin. Ich setze mich intensiv mit dem Text auseinander, schraube an Sätzen, mache mir für jede Figur eine Playlist und hole mir für jede Figur ein Parfum, um es mir leichter zu machen, mich der Rolle anzunähern. Vor jedem Drehtag wiederhole ich dann nochmal die Texte.

Was war denn deine bisher herausforderndste Rolle und warum?

Ich drehe gerade „Arthurs Gesetz“, eine Minisereie für TNT. Ich spiele eine junge Frau... ähhm ich darf gar nicht so viel verraten. (lacht) Jedenfalls ist diese Rolle gerade sehr anspruchsvoll, da sie mich so ziemlich aus allen meinen Komfortzonen bringt. Ich finde das total toll, es macht sehr viel Spaß, auch wenn es anstrengend ist.

Ich habe in mehreren Interviews mit dir gelesen, dass die Menschen, auch Casting-Leute, dich immer wieder als „Kim“, Pastewkas Nichte, wahrnehmen.

Es gibt schon Schubladen, in die man reingepackt wird. Ich glaube, dass man das gar nicht so steuern kann. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ständig nur rotzige Teenager spiele, aber ich habe natürlich auch viele andere rotzige Teenager gespielt. Natürlich gibt es Leute, die sagen: „Ah, da hast du das so cool gemacht, wir brauchen auch sowas!“ Ich fühle mich dadurch aber nicht eingeschränkt.

Was wünschst du dir für deine nahe Zukunft in der Schauspielerei?

Ich drehe dieses Jahr echt viele schöne und vor allem verschiedene Sachen. Das mag ich tatsächlich gerne und wünsche mir, dass es einfach so weitergeht. Es ist ein schönes Gefühl ausgelastet zu sein und für das kommende Jahr planen zu können, weil die Projekte schon feststehen. Es is gerade alles gut in Arbeit. (lacht)

Interview & Text: Marie Robinski
Teaserbild: Mathias Bothor

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