SPIESSER unterwegs

Schönheitswahn an der Schule und Miss Mexiko

Wenn in Mexiko Mister und Miss gesucht werden, ist das ein Riesentrubel. Katharina war live dabei.

16. January 2011 - 13:13
von SPIESSER-Autorin Relja.
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Relja Offline
Beigetreten: 01.05.2010

Miss Mexiko ist Miss Universum
Katharina ist in Mexiko. Dort macht sie einen Schüleraustausch und lebt bei einer mexikanischen Gastfamilie. Regelmäßig schreibt sie, was sie erlebt.

“Miss Universum kommt aus Mexiko!“, ruft meine Gastmutter, nachdem sie schnell die Tür ihres Schlafzimmers aufgerissen hat. Mein Gastvater und ich saßen unten am Wohnzimmertisch. Gerade wurde es im Fernsehen bekannt gegeben und sollte in den nächsten Tagen DAS Gesprächsthema sein, wo sie doch sogar aus Guadalajara, meiner Stadt, kommt.

„Miss Was?“ war jedoch alles was ich in diesem Moment denken konnte. „Miss Universum?“ Wie kann man denn bitte im ganzen Universum...? Egal, davon wollte kein Mexikaner etwas wissen. Die schönste Frau des Universums kam nun offiziell aus Mexiko. Und alle haben sich gefreut.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste in der ganzen ...Schule?

Ein paar Wochen später, ich war gerade in der Schule und wollte meine Hausaufgaben an einem der Schulcomputer ausdrucken, wurde ich erneut überrascht.

Auf dem Desktop wurde Werbung gemacht. Von den Mister und Miss Wahlen in der Schule. Wer gewinnt würde dann den ehrenvollen Titel „Mister TEC“ oder „Miss TEC“ tragen.

Ich dachte zunächst wirklich, das Ganze sei ein Spaß. An einem Abend oder Nachmittag würde man sich in der Schule versammeln, die Kandidaten laufen einmal über eine Bühne, die Gewinner bekommen jeder einen Plastikpokal und fertig.

Ganz so war es nicht. Nach einigen Tagen starteten schon die ersten Kampagnen. Plakate in der Schule mit der Grundbotschaft „Wählt mich!“. Jeder Kandidat hatte ein Motto, denn es sollte nicht nur um Schönheit gehen, auch wenn diese eine große Rolle spielen sollte. Mottos waren zum Beispiel „Freundschaft“ „Ehrlichkeit“ oder „Loyalität“. Außerdem hatte jeder auch seine eigene Farbe, in der die gesamte Werbung seiner Kampagne gestaltet war und ein soziales Projekt, dass er unterstützen musste.

Der Wahlkampf blüht

Einige Wochen später, die Schule war schon ordentlich dekoriert mit Plakaten, gab es eine Stunde Extrapause. „Warum?“, wollte ich wissen. Grinsend sahen meine Freundinnen mich an. „Jetzt werden wir gekauft.“, war ihre Antwort.

In dieser Pause hatte jeder Kandidat die Möglichkeit andere davon zu überzeugen sie zu wählen. Falls bisher nette Worte über ihr Motto und das soziale Projekt, das sie machen mussten, sowie die Flyer nicht geholfen hatten, so sollten es nun Geschenke tun. Fast jeder hatte T-Shirts und natürlich noch viel mehr Flyer (be)drucken lassen, die nun fleißig an jeden, der vorbei ging verteilt wurden. Viel beliebter war jedoch das Essen, das verteilt wurde: Bonbons, Torte, Eiscreme, Tacos, Chips, chinesische Nudeln, Sushi, ein Schokobrunnen, in den man Bananen oder Erdbeeren tauchen konnte, Kaugummi, Pizza und natürlich Getränke.

Ich muss zugeben, dass mir an diesem Tag die Idee der Wahlen durchaus sympathisch wurde.

Wenn das ganze aus dem Ruder läuft...

Andere Dinge hingegen haben mir nicht ganz so sehr gefallen. Denn ab und zu wurde durchaus übertrieben.
Als ich von der Schule nach Hause gefahren bin, sah ich auf einmal eine Kandidatin. An sich nichts Ungewöhnliches, abgesehen davon, dass sie mir von einem riesigen Werbeplakat auf einer monströsen Tafel entgegen lächelte.

Genauso tief fiel die Kinnlade, als ich einen anderen Weg des Plakatierens kennen lernte. Wozu denn ausdrucken und aufhängen, wenn man sie auch von einer Stelzenläuferin über den Schulhof tragen lassen kann?
Oder man lässt sie auf Fernsehbildschirmen anzeigen, die man sich dann mit einem Spezialrucksack auf den Rücken schnallt. Die Bildschirme waren übrigens vom einzigen männlichen Kandidaten. Dafür, dass er keine Konkurrenz hatte, hat er sich ganz schön ins Zeug gelegt.

Weltenbummelei auf SPIESSER.de
Vorherige Artikel von Katharina und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Wibke in Kalifornien, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.
Selber bloggen?
Wenn ihr auch gerade einen Auslands-aufenthalt oder eine Weltreise plant oder schon irgendwo da draußen seid, dann bloggt doch auch auf SPIESSER.de! Schreibt bei Interesse einfach eine Nachricht an Coline (Redakteurin).

Wie das Ganze bezahlt wurde? Wahrscheinlich hat jeder Kandidat auch in die eigene Tasche gegriffen, aber ein großer Teil wurde auch von Sponsoren bezahlt. Und das hat mich wirklich überrascht. Was da für Geld rein investiert wird, was da für ein Tanz drum gemacht wird. Da wählten auch einige Mexikaner den passiven Widerstand und statteten den Wahlurnen keinen Besuch ab. Ich war trotzdem brav wählen, man ist schließlich nur einmal Austauschschülerin in Mexiko.

Wer gewonnen hat, war dann übrigens ziemlich unwichtig. Drei, vier Tage wurde darüber geredet – dann war das Ganze schon vergessen.

Auf ein Neues im nächsten Schuljahr!

¡Viva México!

Gibt es an eurer Schule auch so einen Rummel um das Thema Schönheit?

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