Nachgefragt

#Selfiegott

Der Gute-Laune-Rapper MC Fitti hat den Selfiegott erschaffen und ihm in der Ausstellung EGO UPDATE im NRW-Forum Düsseldorf einen Tempel errichtet. Mit SPIESSER-Autorin Laura sprach er über Gefahren und Möglichkeiten des Selfie-Phänomens und über seine Kunst.

15. Oktober 2015 - 16:24
SPIESSER-Autorin laurelia.
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laurelia Offline
Beigetreten: 17.11.2013

Laura: Im Zuge deiner Kunstaktion #Selfiegott hast du eine nach deinem Antlitz entworfene, lebensgroße Bronze-Büste in Selfie-Pose quer durch Europa geschickt. Jeder  konnte mit dieser Figur ein Selfie machen und es unter den Hashtags #Selfiegott oder #egoupdate auf sozialen Plattformen wie Instagram oder Twitter posten. Wie kamst du auf die Idee für das Projekt?

MC Fitti: Alain Bieber, der künstlerische Leiter des NRW-Forums Düsseldorf, kam auf mich zu und eröffnete mir seinen Plan, eine Ausstellung unter dem Namen EGO UPDATE zu machen, in der er mich als Künstler sehen würde. Er fragte, ob ich Interesse hätte und ich habe sofort zugesagt, weil ich schon immer mal eine Ausstellung mit MC Fitti machen wollte. Bieber wollte auch wissen, ob ich schon eine Idee zum Thema hätte und dann hab ich ihm das mit der Büste vorgeschlagen. Diese Idee schwebte mir schon lange vor.


MC Fittis lebensgroße Büste wurde durch ganz
Europa geschickt.
Bevor diese Büste ihren Platz auf einem Tempel in der Ausstellung fand, hatte sie bereits einen zweimonatigen Weg durch Europa hinter sich gelegt. Hast du sie dabei begleitet?

Nein. Das habe ich bewusst nicht getan, denn der Selfiegott ist ja im Prinzip ich. Da muss ich dann nicht dabei sein. Und ich hatte auch immer eine Verbindung zu ihm und wusste durch die Fotos, wo er sich gerade befindet. Das hat schon was, wenn man so ein Ebenbild von sich hat und es losschickt. Mit diesem Losschicken habe ich es aber auch freigegeben und es sich selbst entwickeln lassen.

Obwohl du mit dieser Aktion zum Selfie-Schießen anstiftest, lassen sich einige Songs vom zweiten Album „Peace“ durchaus kritisch lesen: In „Fotos“ rappst du davon, dass von jedem und allem ein Bild gemacht und ins Netz gestellt wird – „Ich kille jeden Moment mit meiner Cam“ heißt es dort…

Ja, es hatte schon einen leicht kritischen Touch. Allerdings ist es auch normal, dass man das macht, Selfies schießt und Fotos postet. So mache ich es ja auch und habe das einfach aus dem Leben gegriffen. Es ist zur Normalität geworden, also sollen sich die Leute den Song anhören und sich ihre eigenen Gedanken dazu machen. Es ist natürlich auch schade, dass überall alle über ihren Smartphones hängen, egal, wo man hinsieht.

MC Fitti
war bisher vor allem durch seinen Gute-Laune-Rap bekannt. Seit Mitte September ist nun außerdem eine Bronze-Büste des selbsternannten Selfie-Gotts Teil der „Ego Update“-Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf. Diese wurde im Vorfeld durch ganz Europa geschickt – natürlich, um Selfies damit zu knipsen.
Denkst du, dass Selfies zu einer Art Aufwertung des Selbst geworden sind und dass dieses ganze Sich-Zeigen, Teilen und Posten auch eine Kehrseite hat?

Ja, auf jeden Fall. Es wird alles inszeniert, man zeigt nur das von sich, was gut ist. Man bekommt nur Schönes zu sehen und kaum Schlimmes. Auf Fotos sehen die Personen perfekt und in Szene gesetzt aus und in live verschiebt sich dieses Bild komplett, weil sie in Wahrheit ganz anders aussehen. Ich glaube schon, dass das die Leute verändert.

Gibt es denn vielleicht auch eine gute Sache, die man Selfies abgewinnen kann?

Auf jeden Fall! Es hat ja auch was, wenn man so schöne Dinge sieht. Es gibt einem ein schönes Gefühl und lässt einen träumen.

Du bist als Gute-Laune-Rapper bekannt, du machst den Trash zu deinem Elixier und streust überall ein bisschen Glitzer drauf. In deiner Welt geht es stets bunt und lässig zu. Würdest du denn auch gern mal über ernste Themen rappen?

Ja sicher, nur passt das dann nicht zusammen. Manchmal würde ich mich schon gerne über bestimmte Themen auslassen, aber das gehört nun mal nicht zur Figur des MC Fitti. Als dieser möchte ich mich in diese kritischen Themen nicht einmischen. Ich möchte entertainen und für gute Laune sorgen. Ein paar Themen verarbeite ich ja auch in den Songs, aber im Grunde tue ich keinem weh damit und möchte den Leuten nicht auch noch die Ohren volljammern. Das machen schon genug andere.

Wie sehen denn deine Pläne für die Zukunft aus?

Momentan mache ich nebenbei schon wieder ein bisschen Musik und bastele an Songs, aber da die letzten drei Jahre so stressig waren, wollte ich die Sache diesmal locker angehen und denke, dass man zum Sommer 2016 hin wieder was Neues von mir zu hören bekommt.

„Du kannst das Papier auch aufessen“

Wie sich die Figur MC Fitti wohl als Vertretungslehrer machen würde, erfahrt ihr in unserer Vertretungsstunde! Hier geht's lang!

 

Interview: Laura Biewald
Fotos: Pressebilder Another Dimension

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