SPIESSER unterwegs

Seminar, Stockbettchen und Socializing

Heute kehrt Jasmin Deutschland für ein Jahr den Rücken und wendet sich Rumänien zu. Was sie vor ihrer Abreise erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

03. September 2010 - 12:02
von SPIESSER-Autorin zahnfee.
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zahnfee Offline
Beigetreten: 27.04.2009

Die Jasmin

Jetzt sitze ich also gerade in meinem quietschenden Stockbettchen in Halle. Meine beiden Mitbewohnerinnen Anne und Mariella schlafen und träumen von der weiten Welt. Wir sind gerade den zweiten Tag auf dem Ausreiseseminar und von dem vielen Reden und dem pädagogischen Trällerchen schon ziemlich müde. Doch von vorne: Bevor ich noch weiter mit der Tür ins Haus stürze, stelle ich mich erst einmal vor. Gestatten: Jasmin, 19 Jahre jung, aus Ingolstadt, Bayern.

Das bin ich, Jasmin.
Die Organisation

Gerade habe ich erfolgreich aber unter Ächzen mein Abitur hinter mich gebracht und werde ab dem 1. September einen sogenannten „EFD“, das heißt einen „Europäischen Freiwilligendienst“ in Rumänien, Arad, absolvieren. Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was so ein EFD eigentlich ist, werde ich das mal kurz erklären: Es geht bei dem Programm um die Unterstützung eines Europa-Bewusstseins, vor allem aber um soziale Projekte. Aus Europa kann sich prinzipiell jeder bewerben, der ein gewisses Alter erreicht hat und Zeit, Lust und Engagement mitbringt. Man muss auch kein Abitur vorweisen, denn die Teilnahme soll von schulischer Bildung nicht abhängig gemacht werden. Um das Ganze ins Rollen zu bringen, muss man sich bei einer Entsendeorganisation des Heimatlandes bewerben.

Die findet man – wie übrigens auch eine genauere Erklärung und weitere Infos – auf der Seite www.go4europe.de. Dort macht man sich auf die oft langwierige Suche nach einem geeigneten Projekt und Land. Dabei gilt: Eine größere Auswahl an Ländern bedeutet größere Chancen auf einen Platz. Die Organisation, die sich im Ausland dann um den Freiwilligen kümmert, nennt sich Aufnahmeorganisation. Wenn man also Entsende- und Aufnahmeorganisation hat, muss die EU nur noch ihren Daumen nach oben strecken und die Spendierhosen anziehen und man darf sich über eine tolle Zeit im Ausland, Kost und Logis, Sprachkurs und Sachen wie Taschengeld und Travelcard für lau freuen!

Soweit hierzu. Bei mir geht es also bald los und deshalb jetzt auch das Ausreiseseminar. Wir sind hier gerade 26 Personen, die nach Rumänien, Ungarn, Spanien, Holland, Estland, Litauen, Norwegen, England, Polen, Tschechien und Schottland abhauen.

Das Seminar
Gemeinsames Grillen

Der Ablauf des Seminars ist ebenfalls schnell erklärt. Kennenlern-Spiele, Organisatorisches, Infos von einer ehemaligen EFD-lerin, Workshops, gemeinsames Grillen und Essen (alles vegetarisch – für manche schon eine Art Kulturschock im eigenen Land) haben die drei Tage vor allem ausgemacht. Aus irgendeinem Grund, den ich mir nicht erschließen kann, haben wir sogar von selbst angefangen, ständig irgendwelche Spiele zu spielen, die ich das letzte Mal mit Zahnspange in der siebten Klasse mitgemacht habe. Zunächst noch unter dem Workshop-Namen „Was kann man mit Kindern unternehmen?“ getarnt, haben wir voller Elan Spiele wie „Mafia“ gespielt und letztendlich nicht mehr wirklich um des Projekts willen, sondern weil wir einfach einen Mordsspaß hatten und so noch einmal die so geliebte Schullandheimatmosphäre reanimieren konnten. Die Schule ist zwar jetzt für uns vorbei, aber den Spaß muss man sich ja nicht nehmen lassen.

Am Tollsten war aber eigentlich, Gleichgesinnte, die in einer ähnlichen Situation sind, kennenzulernen. Es waren wirklich ganz nette Leutchen dabei. Und die Atmosphäre war super, weshalb wir dann auch gleich unsere Kontaktdaten ausgetauscht haben und uns nach Möglichkeit besuchen wollen. Schottland steht bei mir jetzt jedenfalls schon mal auf der To-do-Liste. Mit Fine, einer anderen Freiwilligen, die auch nach Rumänien fährt, haben Anne (meine zukünftige WG-Mitbewohnerin in Arad, die ich gestern kennengelernt habe) und ich auch ausgemacht, ein Treffen zu arrangieren und eventuell sogar zu ihr in die Ukraine zu reisen.

Weltenbummelei auf SPIESSER.de
Weitere Artikel der Weltenbummler, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Katharina in Mexiko, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.

Selber bloggen?
Wenn ihr auch gerade einen Auslands-aufenthalt oder eine Weltreise plant oder schon irgendwo da draußen seid, dann bloggt doch auch auf SPIESSER.de! Schreibt bei Interesse einfach eine Nachricht an Coline (Redakteurin).

Ständig denke ich über meinen Auslandsaufenthalt nach, aber das Seminar und die eingehende Beschäftigung mir dem EFD hat mir jetzt zum ersten Mal so richtig bewusst gemacht, das es tatsächlich bald losgeht. Hab ich auch an alles gedacht? Nächste Woche muss ich meine Packliste machen, noch Nötiges einkaufen – und am schwersten: mich schon von vielen Freunden verabschieden. Es rückt immer näher! Aber ich fühle mich jetzt bereit für meine erste große Reise. Ihr könnt mich gerne auf meinem Blog hier auf SPIESSER.de begleiten.

Liebste Grüßchen, eure Jasmin.

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Kommentare

Drei Kommentare
  • Das ist ja dann SUPER, dass du genau dort ein Projekt gefunden hast. Auch noch in der selben Stadt. Hast du dort auch noch Verwandte?
    Ja, und die Sprache wirst du sicher recht schnell lernen, wenn du viel mit den Menschen dort zusammenarbeitest. Das ist ja das tolle am EFD, dass ein Sprachkurs inklusive ist.
    Bist du gut in deinem Projekt angekommen? Ach, werd ich ja sicher bald in einem neuen Blogeintrag lesen können :)!
    Also wie ich glaub ich schon erwähnt habe, war ich in einem ökologischen Projekt. Zusammen mit einer zweiten Freiwilligen hab ich in einem alten Bauernhaus gelebt in einem 120-Einwohner-Dorf. Wir hatten Ziegen, Schafe, Hühner, einen Hund und später auch noch ein Kaninchen und ein Meerschweinchen, um die wir uns gekümmert haben, einen Garten und ein kleines Museum. Das war dann wie eine Art Schullandheim. Schulklassen sind gekommen und es wurden verschiedene Programme angeboten, z.B. wie wird aus der Milch Käse. Da haben wir mit den Kindern gemolken und Käse gemacht. Oder wie kommt man von der Wolle zum Stoff, wo wir dann gesponnen und gewebt haben.
    Und dann haben wir auch noch verschiedene Workshops für die Leute aus der Umgebung gemacht, je nach Jahreszeit, z.B. im Herbst Drachen gebastelt oder so etwas.
    Und durch den Garten und die Tiere war es auch viel Arbeit draußen, weil wir z.B. im Sommer dann viel Heu gemacht haben, als Futter für den Winter.
    Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, wenn es auch manchmal schwierig war, so mitten auf dem Land zu wohnen, die nächste Stadt 8 km weit weg und andere Freiwillige noch sehr viel weiter. Immerhin hatten wir Fahrräder! :)
    Dann bin ich mal gespannt auf deinen nächsten Bericht!

  • Huhu Caprese! ;)
    Ja, stimmt. Die Frage durfte ich mir oft anhören. Immer mit einer Abwertung dem "wilden Osten" gegenüber. So auf die Art "Wieso gehst du in so ein Scheiß-Land?"...
    Ich hab' mich für einige Länder beworben: GB, Spanien, Italien, Frankreich und Rumänien. Aus Madrid hab' ich dann sogar eine Zusage bekommen. Aber: meine Familie stammt aus Rumänien, Arad. Und da ich dann genau dort auch ein super Projekt (mit Kindern, z.T. "disabled and with special social needs") bekommen hab', hab' ich zugeschlagen. Die Sprache wollte ich ja eh lernen, weil ich in meiner Familie die einzige bin, die sie nicht kann >.> (Meine Eltern waren froh, dem Kommunismus entflohen zu sein und wollten das Kapitel Rumänien ausradieren)
    Deshalb Rumänien! : )

    Erzähl' mal was von deinem Projekt!

  • Hallo Jasmin,
    ich habe vor drei Jahren auch einen Europäischen Freiwilligendienst gemacht. Ich war ein Jahr in Tschechien.
    Vermutlich hast du genauso oft wie ich damals die Frage gehört: Warum denn dieses Land?
    Wie war es bei dir? Wolltest du direkt nach Rumänien oder war das Land eher nebensächlich und nur das Projekt ausschlaggebend?
    Mir war das Land ziemlich egal bei meiner Suche. Ich wollte gern in ein ökologisches Projekt und bin auch in einem sehr tollen gelandet.
    Hoffe, du machst genauso gute Erfahrungen wie ich!

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