Vertretungsstunde

Sensationell geil

Woche für Woche konkurriert Klaas Heufer-Umlauf vor laufender Kamera bei „Circus HalliGalli“ mit seinem TV-Kollegen Joko Winterscheidt. Ob der Entertainer auch ernst kann? Diesmal stellt er sich als Vertretungslehrer am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Berlin beim Thema „Medien und Politik“ unter Beweis.

01. September 2015 - 16:57
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
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sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012


Gut zuhören...

Klaas: Hallo! Ich heiße Klaas und ich bin heute euer Lehrer – ob ihr’s glaubt oder nicht. Ich bin gerade reingekommen und war wirklich erschüttert über die Disziplin, die hier herrscht. Das habe ich auf meiner Schule nie erlebt. Die Klasse lacht.

Ich habe gehört, dass ihr in Politik immer kurz das aktuelle Weltgeschehen durchnehmt. Das könnte man auch machen, indem man sich zu Hause über Dinge informiert. Ich habe festgestellt, dass sich in der Art und Weise, wie Medien konsumiert werden, einiges geändert hat. Deshalb habe ich für heute ein Thema gewählt, das die Übermittlung von politischen Informationen betrifft. Ihr seid ja zum Beispiel gar nicht mehr mit dem klassischen Zeitunglesen am Morgen aufgewachsen, sondern habt eine ganz große Bandbreite an Informationsmöglichkeiten. Wie nehmt ihr Nachrichten auf?

Julia: Ich denke, dass ich mich aktiv für Nachrichten interessiere. Ich gucke oft mit meiner Familie Tagesschau. Wenn mich etwas wirklich interessiert, schaue ich YouTube-Videos, aber im
Internet kriegt man viel über die Startseiten von Nachrichtenportalen mit.

Klaas: Das ist eine schöne Tradition. Du hast von Startseiten gesprochen – die sind ein Klassiker: Eigentlich willst du nur deine Mails checken, aber dann siehst du vier Seiten mit einem Bild, eine interessante Schlagzeile und die klickst du an. Stellt ihr bei euch manchmal Voyeurismus fest?

Maria: Wenn es um Prominente geht, eher nicht.

Klaas: Ich finde, es ist nichts Unnatürliches, ein gewisses Interesse für Dinge zu haben, die nicht unbedingt
weltbewegend sind. Was ist aber mit folgendem Beispiel: Nach dem Germanwings-Absturz sind viele
Menschen auf die Barrikaden gegangen und haben gesagt: Solche Medien wollen wir nicht mehr. Erinnert ihr euch daran, wie das Thema in den Medien bearbeitet wurde?

Yannick: Ich glaube, anfangs wurde der Pilot beschuldigt. Erst einen Tag später kam heraus, dass er gar nichts damit zu tun hat.

Julia: Und als der Hinweis kam, dass der Co-Pilot eine psychische Krankheit hatte, haben sich die Medien darüber zerrissen. Dafür so verachtet zu werden, finde ich schlimm.

Klaas Heufer-Umlauf

Klaas Heufer-Umlauf, 1983 geboren,
wurde als Teil des Duos „Joko und
Klaas“ bekannt. Mit Joko Winterscheidt  moderierte er unter anderem die Sendungen „neoParadise“ und „Das Duell um die Welt“. Derzeit sind beide in „Circus HalliGalli“ zu sehen. Aktuell bereiten sich Klaas und Mark Tavassol, der ehemalige Bassist von „Wir sind Helden“, auf die Tour ihrer Band „Gloria“ vor, die im Oktober startet. Ihr zweites Album „Geister“ erschien am 7. August.

Fabian: Das Thema war lange in den Medien und währenddessen wurden wichtige Dinge verdrängt, die auf der Welt passiert sind.

Klaas: Das zieht sich wahrscheinlich durch die Geschichte von Nachrichten. Oft gibt es den Satz: „Auch Deutsche unter den Opfern.“ Da denkt man sich: Ah ja und wer noch? Letztendlich waren das alle Menschen. Diese Art, wie Medien gemacht werden, muss man erst mal begreifen, sich drüber eine Meinung bilden und sich fragen: Warum ist es schlimm, wenn drei Tage lang darüber gerätselt wird, was passiert sein könnte? Findet ihr, dass sich an der Art und Weise, wie solche Dinge in den Medien präsentiert werden, etwas ändern sollte?

Kasimir: Also ich finde, die Journalisten sollten weiterhin freie Hand haben. Die Chefredakteure kümmern sich darum, was veröffentlicht wird. Die sollten das in Zukunft noch stärker kontrollieren.

Klaas: Was kann man machen, damit Nachrichten einen so ansprechen, dass man Lust hat, sie zu lesen – ohne dass man Überschriften wählt, die reißerischer sind als es der Artikel hergibt?

Maria: Es geht nicht immer um die Überschriften, die man wählt, sondern auch um das Bild, das man darunter setzt.

Kasimir: Ich finde, dass man nicht durch einzelne Artikel versuchen sollte, auf sich aufmerksam zu machen,
sondern als Zeitung. Ich lese leidenschaftlich die FAZ und deswegen gucke ich auch immer dort nach.


...dann gibt´s hinterher auch ein echt smartes Lächeln.

Klaas: Normalerweise kann man mittlerweile alles, was passiert, in Echtzeit sehen. Bei Twitter erfährt man das schon eine Sekunde später. Da hat das noch niemand eingeordnet. Bildet uns das mehr, weil wir mehr Informationen bekommen?

Julia: Einerseits finde ich das gut, weil man sich so aus vielen Sichtweisen seine eigene Meinung bilden kann und nicht nur eine Quelle hat, die einen ziemlich leicht manipulieren kann. Andererseits finde ich, macht das Nachrichten zu einer Unterhaltung für mich – so wie ein Film. Man will immer mehr erfahren und irgendwie macht es Spaß, darüber zu rätseln, was zum Beispiel bei diesem Flugzeugabsturz passiert ist.

Klaas: Das ist dieser Voyeurismus, den ich angesprochen habe. Und das trägt man in sich.

Julia: Ja, aber so sollte es nicht sein! Und solche Vermutungen können verletzen.

Klaas: Man wird ein bisschen sensationsgeil. Und damit bin ich genauso mitverantwortlich dafür, wie diese Nachricht bei mir ankommt und wie sie mir übermittelt wird. Ich kann nicht mit dem Finger auf einen Journalisten zeigen, wenn ich eigentlich insgeheim alles verschlinge.

Yannick: Ich denke, wir werden meistens mit gefährlichem Halbwissen versorgt, weil jeder irgendwas twittern kann.

Klaas: Das ist vielleicht nicht redaktionell überprüft und man müsste selber in ganz vielen Dingen Experte
sein, um aus dem, was man so bekommt, etwas zu machen. Das kann man machen, wenn man sich ganz tief in das Thema einliest. Aber mal ehrlich, wer macht das von euch?

Fabian: Naja, wenn mich ein Thema wirklich interessiert …

Klaas: Fühlt ihr euch durch die Vielzahl an Informationen nicht überfordert oder habt ihr das Gefühl, dass man die Welt besser versteht?

Julia: Ja, schon allein wenn man mal das Beispiel Flüchtlingspolitik nimmt. Dadurch, dass die Welt durch das Internet näher zusammengerückt ist, empfinde ich das auch viel emotionaler. Die Menschen flüchten und ich möchte mich dafür einsetzen, dass sie hier aufgenommen werden. Ich verstehe die Welt vielleicht nicht besser, aber ich kenne sie besser.

Klaas: Und wie wird man ein guter Informationsaufnehmer?

Kasimir: Also meine Intention ist es, immer möglichst viele Quellen zu nutzen, denn ich glaube, Halbwissen gibt es nur auf einer oder zwei Webseiten.

Julia: Auf jeden Fall finde ich es wichtig, dass man Aussagen oder Informationen hinterfragt und nicht gleich weiter trägt. Und das kann man auch gut umsetzen.

Klaas: Aber man muss sich erstbewusst machen, dass Nachrichten nicht gleich Nachrichten sind. Ich habe für euch noch ein paar Materialien zusammengestellt zu der Germanwings-Sache, über die relativ viel berichtet wurde. Ihr könnt euch das mit nach Hause nehmen und das, was wir besprochen haben, ein bisschen vertiefen. Ich habe sehr viel Copy und Paste gemacht, das war sehr anstrengend. Also bitte sehr aufmerksam lesen! Die Klasse lacht.

 

Fazit aus der Klasse:

 

Fabian, 17

„Mir hat die Stunde sehr gut gefallen. Klaas war sehr gut informiert und hat uns die Inhalte gut herübergebracht.“

Note: 1-
 

 

Yannick, 16

„Ich fand es echt gut, weil er tiefgründigen Einblicke in den Journalismus gegeben hat.“

Note: 1+

 

 

Julia, 16

„Es war sehr gut, auch wenn es kein normaler Unterricht war, denn wir haben eher ein Gespräch geführt.“

Note: 2
 

 

Text: Sophie Lorraine Senf
Video: Jan Rödger
Fotos: Tony Haupt

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