Kinofeeling

Serienfeeling: 8 Tage

In einander verwebte Schicksale im apokalyptischen Setting – „8 Tage“ hat Autor Kevin in vielerlei Hinsicht überzeugt, auch wenn die Serie in den ersten Folgen eine Schwelle birgt. Hat man die passiert, ist man jedoch „am Ende sogar etwas traurig, dass es nicht zwölf Tage waren.“

16. März 2020 - 12:07
SPIESSER-AutorIn Kevin Groth.
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Kevin Groth Offline
Beigetreten: 15.01.2019

Worum geht’s?

Asteroid Horus fliegt mit immenser Geschwindigkeit auf die Erde zu. Der Versuch der Amerikaner, ihn mit einer Rakete von seinem Kurs abzulenken, scheiterte. Sein prognostizierter Einschlagsort soll Frankreich sein und ganz Europa befindet sich somit direkt in der Todeszone. Bunkerprojekte der Regierung verlaufen ins Nichts. Somit scheint der einzige Ausweg die Flucht nach Russland oder Amerika zu sein – oder nach jedem anderen Land, das nicht direkt vom Einschlag betroffen ist. Doch die flüchtenden Menschen werden abgewiesen, die sicheren Länder schließen ihre Grenzen. So begleiten wir die Berliner Familie Steiner und ein paar skurrile Figuren durch die letzten „8 Tage“ und erleben dabei menschliches Versagen in Notsituationen und Bürgerkrieg, voller Intrigen und Wahnsinn. Zwischen Preppern und ihrem Bunkerbau, alten Liebeleien und Affären, Sexpartys, Militärputschen und dem Zerfall der Welt, wie wir sie kennen: „8 Tage“ stellt dir die Frage, was wäre, wenn?

Wer spielt mit?

Die Schauspieler sind gut auf einander abgestimmt. Mark Waschke und Christiane Paul spielen die Eltern der Familie Steiner. Ihre beiden Kinder werden verkörpert von Anna Lena Klenke und Claude Albert Heinrich. Damit sind die Charaktere Susanne, Uli, Leonie und Jonas eine traditionelle, mittelständische deutsche Familie. Der pflichtbewusste Polizist, der auch im Angesicht des drohenden Unheils seinen Beruf weiterhin ausübt, wird gespielt von Murathan Muslu.

Wirklich treffend ausgewählt und verkörpert waren meines Erachtens David Schütter als neu erwachter Messias und Devid Striesow als der Bunker bauende Bauunternehmer Klaus Frankenberger. Fabian Hinrichs spielt einen Politiker, der alles versucht, um sich und seine Frau, gespielt von Nora Waldstätten, mithilfe von Regierungskontakten in Sicherheit zu bringen. Zu guter Letzt fehlt noch der ehemalige NVA Grenzsoldat Egon, der seine letzten Tage in Vodka ertränkt, dargestellt von Henry Hübchen.

Die unterschiedlichen Handlungen sind alle ineinander verwoben, ähnlich wie bei „Modern Family“, halt nur in Zeiten einer Apokalypse.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Zum Teil filmischer Augenschmaus, und eher filmischer Ohrenschmaus. Der Soundtrack ist sehr gut abgestimmt auf die Endzeit-Szenen und schubst einen regelrecht in eine düstere Stimmung.

Gibt’s was zu meckern?

Wer deutsche Schauspielkunst, die eher der Theaterschauspielerei gleicht, nicht mag, hat es hier sehr schwer. Man hat das Gefühl, die sehr gut besetzten Rollen tragen die weniger gut besetzten durch die einzelnen Szenen, was es manchmal etwas schwer macht, die Situation als tatsächlich ernst wahrzunehmen. Die ersten zwei Folgen gestalten sich etwas zäh und es dauert eine Weile, bis die Story so richtig in Fahrt kommt. Aber spätestens ab Folge vier war ich gefesselt und am Ende sogar etwas traurig, dass es nicht zwölf Tage waren.

Braucht man Taschentücher?

Nein, traurig ist es komischerweise nicht, eher verstörend und man erwischt sich beim Kopfschütteln darüber, wie einige Menschen in ihrem Umfeld in einer Notsituation agieren würden. Menschen sind gefühlt zu jedem Mist in der Lage, sobald man sie vor eine Situation stellt, die sie nicht ändern können.

Mit wem angucken?

Freunde von Endzeit-Filmen werden hier einen netten Zeitvertreib finden. Mit ihren 45 Minuten pro Folge hat die Serie auch genau die richtige Länge. Personen, die nichts von diesen Problemen hören wollen oder Angst davor haben, dass unser System wirklich auseinanderbrechen könnte, sollten sich nicht in diese „8 Tage“ stürzen.

Was macht man danach?

Sich tatsächlich die Frage stellen, was würde ich machen? Wie würde ich handeln? Ein Asteroid ist eine Situation, die der Mensch nicht ändern kann, darum stellt man sich die Frage, auf wen könnte ich mich verlassen? Wo würde ich hingehen?

In drei Worten:

angsteinflößend, düster, apokalyptisch

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Rollo runter und mit Chips Zuhause, allein oder zu zweit, auf dem Fernseher oder dem Laptop genießen. Die große Leinwand würde die beklemmende Situation nicht gut widerspiegeln können.

Mainstream oder Independent?

Independent, da hier versucht wird, eine gute Geschichte zu erzählen und nicht darauf geachtet wird, Klischees zu erfüllen, sodass jeder sich dort wiederfinden kann. Hinsetzen und auf sich wirken lassen.

8 Tage

Regie: Stefan Ruzowitzky, Michael Krummenacher
Darsteller: Christiane Paul, Mark Waschke, Lena Klenke, Luisa Gaffron, Fabian Hinrichs, Nora Waldstätten, Devid Striesow, Murathan Muslu, Henry Hübchen
Serienstart: 5. März 2020
Serinelänge: 400 Min. + 15 Min. Bonus
Genre: Apocalypse-Thriller
FSK: 16

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Text: Kevin Groth
Bildmaterial: © SKY/NEUESUPER/STEPHAN RABOLD

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