Kinofeeling

Serienfeeling: DARK 2

„Es wird wieder passieren“, flüsterte einst Helge Doppler. Recht hat er. Die lang erwartete, zweite Staffel der Netflix-Produktion DARK ist noch eine Spur komplexer als die erste. SPIESSER-Autor Vincent findet die Entwicklung der Serie mehr als gelungen.

27. Juni 2019 - 13:03
SPIESSER-Autor Kalendermensch.
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Kalendermensch Offline
Beigetreten: 14.12.2015

Worum geht’s?

Um das DARK-Universum in einem Satz zu beschreiben, bedarf es keiner großen Worte. Es reicht lediglich der folgende Satz aus Staffel Eins: „Alles ist miteinander verbunden.“ Ganz grob lässt sich sagen: Das Leben von vier Familien, die in der Kleinstadt Winden leben, wird durch das Verschwinden mehrerer Kinder aus den Fugen gerissen. Tiefe Abgründe tun sich auf. Im Laufe der ersten Staffel entdeckt der Protagonist Jonas ein Wurmloch, das ihm das Zeitreisen ermöglicht. In der zweiten Staffel steckt Jonas im Jahr 2020 fest. Die Apokalypse steht bevor. Neue Personen verdichten die Handlung und erweitern die ursprünglichen Geschichten. Bald wird klar, dass das Geschehen von einer höheren Macht orchestriert wird.

Wer spielt mit?

Der DARK-Cast ist eine Vollversammlung der Schauspiel-Spitzen des Landes. Der große Louis Hofmann spielt den Teenager Jonas, von dem die Handlung ausgeht. Seine ruhige Charakterstudie sucht seinesgleichen. Lisa Vicari spielt seine Freundin Martha. Ihre Mutter wird von Jördis Triebel verkörpert, die der Figur fragile Züge schenkt. Schaubühnen-Spieler Mark Waschke dominiert als Noah, einem ominösen Pfarrer. Lediglich die Relevanz der überzuckerten Lea van Acken als Mädchen in der Zukunft ergibt sich mir nicht.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ 
Romantik:✪ 
Humor: ✪ 
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪ 
Filmischer Augenschmaus?

Ein serielles Wunder. Ich habe DARK 2 mit einem Freund geschaut. Wir sind beide aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Ihr müsst wissen: Uns verbindet unter anderem das fixe Kritisieren von Kunst. Wenn ich an DARK denke, erinnere ich mich zuerst an den tollen Soundtrack, der diesmal weite Strecken der Handlung nicht nur begleitet, sondern trägt. Elvis Presley folgt auf 2017er Alternative Pop.

DARK lebt von seinen Darstellern, den beeindruckenden Totalen der Brandenburger Wälder und einem durchgängig edel-düsteren Setting. Meistens regnet es. Als eine Person wider Erwarten in einem Kornfeld landet, scheint kurz die Sonne. Die Handlung ist ins Jahr 1921 gesprungen. Da hat sich meine Faszination für DARK nochmal verschärft. Diese Dramaturgie! Das parallele Erzählen von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart ist spannend und komplex. Und so nostalgisch. Mitunter gibt es drei Versionen der gleichen Person in unterschiedlichen Jahrzehnten. Und manchmal stehen sich diese tatsächlich gegenüber. Gemütlich ausruhen kannst du dich nicht. DARK hat Anspruch. Du sitzt vor der Kiste und denkst dir so: Ne, das geht doch gar nicht, das ist ja verrückt. Und weil DARK in seiner subtilen Art so viel von menschlichen Abgründen erzählt, ist es nicht zuletzt auch eine unfassbar traurige Serie.


„Zeitreisen sind zum Heulen.“
Gibt’s was zu meckern?

Gleich zu Beginn spielt DARK in einer postapokalyptischen Zukunftswelt. Dieser Tschernobyl-Stempel, der dem Geschehen damit verpasst wird, steht der ursprünglichen Idee der Serie nicht gut zu Gesicht. Als Jonas dann mit einem computeranimierten Etwas durch die Zeit reist, liegt ein Vergleich zu der amerikanischen Serie „Stranger Things“ nahe. Ich mag „Stranger Things“ und der Regisseur begrüßt den Vergleich ja ebenfalls. Dennoch: Über die Notwendigkeit dieser Science-Fiction-Elemente in DARK lässt sich streiten. Dafür habe ich die nostalgische Grundstimmung dann doch zu sehr lieb.

Braucht man Taschentücher?

Natürlich. Zeitreisen sind zum Heulen.

Mit wem angucken?

Mit intellektuellen Freunden. Alternativ sind auch Philosophie- oder Physikstudenten möglich.


„Was zur Höhle?“
Was macht man danach?

Friedrich Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ lesen: ISBN 978-3868204216. „Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, dann blickt der Abgrund auch in dich hinein“ – da schlägt mein Herz höher.

In drei Worten:

Was zur Höhle?

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Beides ist möglich. DARK funktioniert in den eigenen vier Wänden wahrscheinlich am besten, wer dort allerdings ein 50-Zoll-Fernseher stehen hat, kann den auch benutzen.

Mainstream oder Independent?

Independent. Das Beziehungsgeflecht, das die Drehbuchautorin Jantje Friese kreiert hat und immer weiter ausstaffiert, besitzt ein Alleinstellungsmerkmal auf Netflix.

DARK 2

Regie: Baran bo Odar
Protagonisten: Louis Hofmann, Lisa Vicari, Mark Waschke, Jördis Triebel, u.v.a.
Release: 21.06.2019
Folgen: 8 Episoden á ca. 60 Minuten
Genre: Mystery-Thriller

 

Text: Vincent Koch
Bilder: Netflix

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