Kinofeeling

Serienfeeling: Hackerville

Wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine überraschend langweilige Story.

25. März 2019 - 15:38
SPIESSER-Autorin VivElla.
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VivElla Offline
Beigetreten: 29.11.2018

Worum geht’s?

Nach einem Hackerangriff auf eine deutsche Großbank wird die Bundeskriminalbeamte Lisa Metz (Anna Schumacher) nach Rumänien geschickt, um den Täter ausfindig zu machen. Warum Lisa? Das hat zwei Gründe: Erstens ist sie Spezialistin für Internetkriminalität und zweitens ist sie in Timisoara in Rumänien geboren, spricht daher nicht nur die Sprache, sondern kennt auch die Stadt bereits. Dort angekommen trifft sie auf ihren rumänischen Kollegen Adam Sandor (Andi Vasluianu), mit dem sie an dem Fall zusammenarbeiten soll. Für Sandor ist Lisa jedoch eher Gefahr für seine eigenen Ermittlungen, als eine Hilfe. Als jedoch der 14-jährige, talentierte Hacker Dark Mole aka Cipi Matei (Voicu Dumitras) zur Zielperson einer kriminellen Geheimorganisation wird, wachsen die drei sehr unterschiedlichen Charaktere zu einem Team zusammen.

Wer spielt mit?

Als Protagonisten sieht man Anna Schumacher als Lisa Metz („Die Reise mit Vater“, „Hawaii“), Andi Vasluianu als Adam Sandor („The Moromete Family: On the Edge of Time“) und Voicu Dumitras als Cipi Matei/ Dark Mole („The Voice Romania 2017“). Des Weiteren spielt Sabin Tambrea („Tatort“, „Ostwind – Aris Ankunft“) die Rolle des kalten Verbrechers Andrei Borisov und Ada Lupu („The Cruzification“, „Ecce Homo“) Sandors Kollegin Nicoleta Danciu.

Filmischer Augenschmaus?

Naja. Was die Serie von anderen Thrillern abhebt, ist die ruhige, unaufgeregte Kameraführung, die auch in actiongeladenen Szenen erhalten bleibt. Außerdem bietet die Serie wunderschöne Aufnahmen von Rumänien, die einen authentischen Einblick in das dortige Leben bieten und die allgemeine Stimmung des Landes gut widerspiegeln. Im Allgemeinen hat die Serie den uns allen wohl bekannten Tatortcharme.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪

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Gibt’s was zu meckern?

Dieser Tatortcharme führt zu einer teilweise etwas holprigen Storyline: Die Hauptgeschichte wird immer wieder durch das Hinweisen auf zahlreiche Nebenstories unterbrochen. An sich ist das kein Problem, jedoch scheint keine dieser Nebenhandlungen ausgereift oder hat wirklichen Einfluss auf die Haupthandlung. Auch die schauspielerische Leistung der Protagonisten ist nicht immer überzeugend. Die sowieso schon eher hölzern wirkenden Dialoge werden auch durch die Rolle der Lisa Metz als teilweise naives Mädchen, teilweise zickige BKA-Beamte nicht besser. In sich wirkt vor allem Lisas Charakter sehr inkonsistent. Die deutsche Synchronisation ist eher mäßig (Warum hat Annas Vater als einziger einen rumänischen Akzent, wenn doch sowohl Sandor, als auch alle seine Kollegen rumänische Muttersprachler sind?) und das wiederholte Aufgreifen deutsch-rumänischer Klischees („Eins, zwei, Polizei“, „Und das sagt ein Deutscher“) kann auf Dauer nerven. Daher hat mich die Serie leider schon nach der zweiten Folge eher gelangweilt.

Braucht man Taschentücher?

Nein.

Mit wem angucken?

Schwierig. Um der Tatortnostalgie willen vermutlich am besten mit den Eltern oder Großeltern.


Tatortcharme und zu viele Klischees, aber die Serie
hebt sich durch ihre Machart von anderen Thrillern ab.
Was macht man danach?

Recherchieren, warum das Ganze in Rumänien spielt, der Drehort wurde nämlich nicht willkürlich gewählt. Aber Achtung: Es ist gut möglich, dass man sich bei der Recherche in die Landschaft verliebt und sich plötzlich dabei ertappt, ein verlängertes Wochenende in Bukarest oder Sighisoara zu planen.

In 3 Worten:

verwirrend, unrealistisch, klischeebehaftet

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Da es eine Serie ist, erübrigt sich die Frage fast von allein. Vor allem durch die Assoziation mit dem sonntagabendlichen Tatortprogramm würde ich sagen, dass die Serie am besten auf der heimischen Couch geschaut werden sollte.

Mainstream oder Independent?

Mainstream

Nett to know:

Die Serie erhielt 2018 den Grimme-Preis im Bereich „Fiktion“. Die Jury schreibt: „Vor allem aber ist Hackerville preiswürdig im Sinne des Grimme-Preises, denn es zeigt ein Osteuropa jenseits der Klischees von Armutsmigration und Rückständigkeit. Es beseitigt diese Klischees nicht mit den Mitteln der Didaktik, sondern mit denen des Unterhaltungsfernsehens. Die Serie stellt auch Fragen nach Zugehörigkeit, Identität, Heimat. Aber es stellt sie für eine digital weltweit vernetzte Gesellschaft, nicht vor dem Hintergrund rivalisierender Nationalitäten. Es sind Fragen aus Sicht einer heutigen Generation, die längst Zugang zur westlichen Welt hat und doch eine moderne osteuropäische Identität besitzt.“

Hackerville

Buch und Regie: Jörg Winger und Ralph Martin („Deutschland 83“)
Protagonisten: Anna Schumacher, Andi Vasluianu, Voicu Dumitras, Sabin Tambrea, Ada Lupu
Serienlänge: 6 Folgen à 60 Minuten
DVD-Start: 29. März 2019
Genre: Thriller
FSK: 16
 

 

Text: Vivienne Berg
Bildmaterial: Themroc PR & Promotion

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