Mittagspause mit ...

„Setzt nie nur auf eine Karte!“

Claudia Gutscher ist Ressortleiterin Personal bei der TARGOBANK und Mutter von drei Kindern. Ob Geld für sie Sicherheit bedeutet und warum sie einmal an einer Tankstelle zelten musste, verriet sie SPIESSER-Praktikantin Karin in ihrer Mittagspause.

28. November 2014 - 15:31
SPIESSER-AutorIn karin_123.
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karin_123 Offline
Beigetreten: 25.08.2014

Frau Gutscher, der Slogan der TARGOBANK lautet: „So geht Bank heute.“ Wie geht Bank heute?

Vor allem mit Qualität. Das Wichtigste ist, dass man Kollegen hat, die ihr Geschäft zu 100 Prozent verstehen. Zweitens brauchen wir gute Produkte für unsere Zielgruppen. Wenn der Mitarbeiter dann die Produkte gut dem Kunden erklären kann, entsteht eine nachhaltige Beziehung zwischen Bank und Kunden.

Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Aber kann Geld überhaupt eine Sicherheit sein?

Ich glaube, das hängt von der Person ab und wie viel Sicherheit sie braucht. Ich würde sagen, Geld gibt Sicherheit, aber in welchem Ausmaß, ist sehr individuell.

Sind Banken im Zeitalter von Krisen noch sicher oder sollten wir unser Geld lieber unterm Kopfkissen verstecken?

Ich komme aus einem kleinen Ort, 60 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Da dachte ich immer, die Welt wäre in Ordnung. Aber selbst da hört man von Einbrüchen und Überfällen. Ich würde immer zu einer Bank gehen. Es gibt zwar weniger Zinsen als noch vor ein paar Jahren, weil die Rahmenbedingungen schwieriger geworden sind, aber gerade deshalb würde ich zum Fachmann gehen.

Sie haben Jura studiert, warum sind Sie jetzt nicht im Gerichtssaal sondern arbeiten bei der Bank?

Ich hätte vor zehn Jahren niemals gedacht, dass ich heute hier sitze. Nach dem Studium habe ich einige Zeit als Rechtsanwältin gearbeitet. 2002 bin ich dann zur Citibank, heute Targobank, gekommen. Nachdem ich hier als Arbeitsrechtlerin angefangen hatte, habe ich als Personalreferentin gearbeitet. Dann war ich Personaldirektorin in unserem Dienstleistungscenter in Duisburg und habe anschließend die Personalentwicklung leiten können. Ich hatte die Möglichkeit, vieles kennenzulernen. Und das zeigt auch, wie diese Bank tickt: Man muss wirklich dabei sein, sich einbringen, willig sein, zu lernen. Aber natürlich auch einen guten Job machen, denn nur Lernen bringt nichts.


„Ich bin eine, der Karriere wichtig ist, die
gern arbeitet und die bereit ist, viel dafür
zu tun. Ich glaube, dass das wenig damit
zu tun hat, ob man eine Frau oder ein
Mann ist."
Sie koordinieren 100 Personalfachleute und 6.800 Mitarbeiter. Wie geht das?

Es ist nicht einfach, da nicht alle Mitarbeiter in Düsseldorf sind. Aber es funktioniert gut. Wir sind überall vernetzt. Ich brauche gute Prozesse und Strukturen, um Dinge einheitlich machen zu können. Ich muss verstehen, was die Leute da draußen brauchen, und notwendige Unterschiede respektieren, etwa weil man etwas in München anders macht als in Hamburg.

Welche Fähigkeiten als Juristin helfen Ihnen in Ihrem Job?

Man sagt ja Juristen nach, dass sie gut argumentieren können. Sie müssen ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und dann eine Lösung finden, die so viele Interessen wie möglich abdeckt. Das hilft hier sicherlich. Und im zweiten Schritt, müssen sie die Lösung auch gut verkaufen können.

In dieser Ausgabe geht es um das Thema Sicherheit. Was ist das Waghalsigste, das Sie jemals
gemacht haben?

In der Bank fallen mir keine waghalsigen Sachen ein, denn das wäre fatal. Aber privat: ein Urlaub in Island mit Fahrrad und Zelt. Mitten im Niemandsland gingen uns sowohl Fahrrad als auch Zelt kaputt. Und wir mussten dann im strömenden Regen zwischen zwei Zapfsäulen an einer Tankstelle zelten, bis wir unsere Ersatzteile bekommen haben. Im Nachhinein empfinde ich diese Geschichte als sehr lustig.

Sie sind Personalleiterin und Mutter. Was ist riskanter?

Mutter zu sein. Wenn sie Kinder haben, dann können sie mit einer falschen Entscheidung ganz viel zerstören. Man hat eine riesige Verantwortung und es ist sicher der risikoreichere Job.

Man sagt, je jünger man ist, desto risikobereiter ist man. Wie wichtig ist es, dass Jugendliche schon lernen, mit Geld umzugehen?

Ich glaube, das ist ganz wichtig, denn Geld kann etwas sehr Schönes sein. Es kann einem helfen, ein sicheres Gefühl zu haben und ein gesichertes Leben zu führen. Es kann einem aber auch sehr viele schlaflose Nächte bereiten. Ich finde es sehr wichtig, dass man weiß, wo Geld herkommt, wie hart es sein kann, Geld zu verdienen und dass man damit verantwortungsvoll umgehen sollte.


Frau Gutscher führt Karin durch die
Arbeitsräume in ihrem Fall ist das die
gesamte Personalabteilung.
Hatten Sie als Jugendliche einen Nebenjob?

Ja, ich habe ganz viel gemacht. Ich habe sehr lange Nachhilfe gegeben. Und in den Ferien bin ich regelmäßig in Fabriken arbeiten gegangen und an der Maschine gearbeitet. Und später an der Uni habe ich als studentische Hilfskraft gearbeitet.

Was haben Sie mit dem Geld gemacht? Aufs Sparbuch
gelegt oder sofort für Süßigkeiten ausgegeben?

Einen Teil auf das Sparbuch gelegt, vom anderen in den Urlaub gefahren. Oder ich habe mir eine Sache gekauft, von der ich lange geträumt habe, wie einen Verstärker für meine Anlage.

Sehen Sie sich selbst als Karrierefrau?

Ich würde mich genauso wenig als Karrierefrau bezeichnen, wie sich jemand anderes als Karrieremann bezeichnen würde. Ich bin jemand, dem Karriere wichtig ist und der gerne arbeitet und bereit ist, viel dafür zu tun. Ich glaube, dass das wenig damit zu tun hat, ob man eine Frau oder ein Mann ist. Das hat etwas mit Ehrgeiz zu tun. Aber ein anderer Punkt in Sachen Karriere: Frauen bekommen die Kinder, nicht die Männer. Darauf müssen die Unternehmen ein bisschen Rücksicht nehmen.

Was muss ich tun, um Chefin zu werden?

Zuerst muss man sich überlegen, was man möchte. Chefin werden ist sehr allgemein. Ich rate den Leuten immer: Setzt nie nur auf eine Karte, denn es klappt nicht immer so wie man möchte. Habt immer eine Alternative für euch. Und man sollte immer an sich arbeiten, sich nicht frustrieren lassen, wenn nicht immer alles sofort klappt. Einfach immer den eigenen Weg weitergehen.

Danke für die Tipps. Noch eine persönliche Frage zum Schluss: Geld ausgeben macht Spaß. Welcher Kauf hat Sie zuletzt glücklich gemacht?

Ein Fahrradanhänger für meinen jüngsten Sohn, mit dem man auch joggen gehen kann. Dieser gibt einem viel Flexibilität, man kann selbst Sport treiben und hat sein Kind bei sich. Das war eigentlich in letzter Zeit die beste Investition.

Text: Karin Eckhold
Fotos: Anja Nier

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