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SNNTG Festival:
friedlich, tolerant, bunt

Isomatte, Mückenspray, Dixiklo? Für SPIESSER-Autorin Vivian ein rotes Tuch. Auf dem SNNTG Festival in Hannover entgeht sie allen drei und fühlt sich dort sichtlich wohl.

12. Juli 2017 - 13:16
SPIESSER-AutorIn sonntagsblues.
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sonntagsblues Offline
Beigetreten: 10.07.2017

SNNTG
Schmaler Taler oder dickes Portemonnaie? Mit 50€ für alle drei Tage ist man im Vergleich zu anderen Festivals definitiv auf der preisgünstigen Seite.
Geilster Gig? Hi-Town Soul.
Welche Band hast du vermisst? Kool and the Gang.
Matsch, Strand oder Waldlichtung? Wilde Natur. Mit Swimmingpool und aufgeschütteten Sandflächen kommt hier aber auch mal Strandfeeling auf.
Für Headbanger oder Raver? Tanz', wie du willst, hier ist alles erlaubt.
Must-Have-Accessoire? Hoola Hoop Reifen.
Dieses Notfallessen geht immer? Nachos am Hohenfels.
Für jeden was dabei

Wenn der Sommer näher rückt, die Studenten wieder vorm Kiosk hängen und Mutti die Sonnencreme per Post zustellen lässt, dann geht auch die Festival-Saison wieder los. Während es sich Tausende Menschen auf den Campingplätzen der Welt gemütlich machen und Tag für Tag ihre Lieblingsbands ansehen, zelebriere ich den Sommer lieber, indem ich mit offenem Fenster die neueste Folge Rupauls Dragrace ansehe.

Doch auch für Dixiklo-Allergiker und Festival-Skeptiker gibt es seit diesem Jahr ein Festival, das bedenkenlos betreten werden kann: SNNTG – Das Festival in Sehnde (Hannover). Die dreitägige, familiäre Party findet zwischen alten Fabrikhallen, einem umfunktionierten Straßenbahnmuseum und inmitten von wild wuchernden Wäldern statt. Neben unterschiedlichster Livemusik auf drei Bühnen dürfen die rund 2000 Besucher sich auf Poetry Slams, Theaterstücke, Kunstinstallationen und eine Spielwiese freuen. Nachts wird dann noch mal zu elektronischer Musik im sogenannten „Kessel“ geschwitzt.

Fast wie eine Gartenparty

Vor dem Festivalgelände treffen meine Begleitung und ich Daniel, der für die Koordination auf dem Gelände zuständig ist und mir den ganzen Tag zur Seite steht. Direkt am ersten Abend mussten sich die Feiernden vor einem Unwetter in Sicherheit bringen, erzählt er uns, und insgeheim fühle ich mich bestätigt in der Annahme, dass „Zuhause ist es immer noch am schönsten“ der womöglich akkurateste Satz ist, den meine Großmutter mir jemals beigebracht hat. Trotzdem scheinen alle entspannt und gut gelaunt zu sein, denn das Wetter spielt nun endlich mit. Am „Gleis Null“ stecken einige bereits ihre Füße in ein aufblasbares Schwimmbecken und auf der „Spielwiese“ fliegen Frisbees, Volleybälle und Jonglierkeulen durch die Luft.

Alle paar Minuten fährt eine alte Bimmelbahn ein, die uns zum Wummerland bringt. Hier wird mitten im Wald Techno aufgelegt. Mein persönliches Highlight: die Hängematte, in der wir eine volle Stunde verweilen, während wir den anderen beim Tanzen zusehen. „Ihr seht so unglaublich schön aus“, sagt ein Mädchen zu uns, das uns zuvor mit ihren akrobatischen Meisterleistungen mit dem Hoola Hoop Reifen beeindruckt hat.

Im Gespräch mit „Hagelslag“ und „Black Bear Basement“

Auf der Hauptbühne direkt nebenan spielen nun „Hagelslag“, mit denen ich vorher noch kurz sprechen durfte. Die achtköpfige Truppe bewegt sich zwischen Jazz, Funk, Pop, R'n'B und Soul. Auf ihrer neuen EP „Don't Think, Just Groove“, die in circa einem Monat erscheint, macht sich die Größe und Vielfalt der Band bemerkbar. Acht Mitglieder, das bedeutet unendlich viele verschiedene Ideen und Visionen, genauso wie unterschiedliche Herangehensweisen und die sollen auf der EP zusammenfinden. „Mittlerweile sind wir auch echt 'ne Familie geworden“, sagt Valentin, der Bassist der Band, und das spürt man auch.

Nachdem ich einen Abstecher in den „Kessel“ gemacht und einen Blick auf die kleine Galerie im Inneren geworfen habe, treffe ich „Black Bear Basement“. Instrumentale Hip Hop Beats gemischt mit Jazz-Einflüssen treffen auf Saxophon und Vibraphon. Die drei kommen aus der Hip Hop-Szene und erzählen mir von ihren ersten Gigs in kleinen Jugendzentren. Sie erleben die Szene als offenes, tolerantes und eng verwebtes Netzwerk, ganz anders, als sie häufig in den Medien präsentiert wird. Ihre Hip Hop-Philosophie: „So wie Afrika Bambaataa – Peace, love, unity, having fun.“ Wir unterhalten uns über Werte und Ansichten, ob man diese aktiv äußern sollte, welchen Anspruch an Kunst wir haben und inwiefern Kunst und Gesellschaft sich gegenseitig beeinflussen. Ich bin zutiefst erleichtert, dass es mir niemand übel nimmt, dass ich keine lange Liste mit Fragen vorbereitet habe, sondern dass wir einfach entspannt miteinander quatschen können.

Ein Festival für Hannover

Bevor ich mich zurück auf meinen langen Heimweg mache, spreche ich noch kurz mit dem Veranstalter des Festivals. Sein Ziel ist es, mit SNNTG ein Festival für Hannover selbst anzubieten, das auch lokalen Bands die Möglichkeit gibt, auf der Bühne zu stehen. Für unterschiedlichste Besuchergruppen, die hier zusammenfinden sollen, soll auch eine Vielfalt an Musikrichtungen angeboten werden. Diejenigen, die es dieses Jahr nicht geschafft haben, dürfen Grund zur Freude haben: „Für uns gibt’s auf jeden Fall auch noch SNNTG – das Festival 2018.“

 

Text & Fotos: Vivian Hoyer

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